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Es gibt Spiele, da fragt man sich, ob der Gegner überhaupt angekommen ist, oder ob er noch irgendwo auf der Autobahn im Stau steckt. Beim 2:0-Sieg des SV Bremen über die Kickers Würzburg am 11. Spieltag der 3. Liga war Letzteres nicht ganz auszuschließen. Was die 10.236 Zuschauer im Bremer Stadion sahen, war über weite Strecken eine Einbahnstraße - Verkehr nur in Richtung Würzburger Tor. Schon nach fünf Minuten hatte John Pelletier den ersten Warnschuss abgegeben, ein zünftiger Distanzversuch, der den Würzburger Keeper Henri Beauvilliers zum Warmwerden zwang. "Ich wollte ihn gleich mal wachrütteln", grinste Pelletier später. Es sollte nicht der letzte Versuch sein: Der 33-Jährige schoss im Verlauf des Spiels gleich viermal aufs Tor - mehr als die gesamte Würzburger Mannschaft zusammen. Bremen spielte von Beginn an mit einer Mischung aus jugendlicher Leichtigkeit und altmodischer Konsequenz. Trainer Jack Schlakowski hatte seine Elf auf "ausgewogen, aber bitte mit Zug nach vorne" eingestellt, wie er später erklärte. Der Ball lief, das Publikum schnurrte zufrieden, und Würzburg lief hinterher wie ein schlecht gelaunter Hund beim Spaziergang. In der 34. Minute schließlich der verdiente Lohn: Nach einem feinen Zuspiel des 18-jährigen Lewis Baptiste, der gerade einmal 120 Sekunden zuvor eingewechselt worden war, netzte Johannes Hummel eiskalt ein. Der Schuss aus knapp zwölf Metern passte so präzise, dass Beauvilliers nur noch resigniert die Handschuhe aneinanderklatschte. "Lewis hat mir den Ball perfekt serviert. Ich musste nur noch Danke sagen - und treffen", sagte Hummel nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. Mit der 1:0-Führung ging’s in die Pause, und man hatte den Eindruck, dass Bremen eher mit sich selbst als mit dem Gegner beschäftigt war. In der Kabine, so munkelt man, soll Schlakowski gesagt haben: "Wenn ihr noch ein Tor macht, spendier ich jedem eine Runde Apfelschorle." Offenbar eine starke Motivation, denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, klingelte es erneut. Diesmal war es Istvan Viola, der in der 48. Minute energisch nachsetzte und den Ball aus der Drehung ins lange Eck jagte. 2:0 - und die Partie war praktisch entschieden. Würzburg, bis dahin Offensiv nur auf dem Papier, versuchte es nun mit wilder Offensive. Trainer Frank Rau gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er persönlich in den Strafraum stürmen. Seine Jungs schafften es immerhin zu zwei Torschüssen - beide aus der Kategorie "freundliches Anschießen des Torwarts". Bremens Dominanz zeigte sich auch in den Zahlen: 62 Prozent Ballbesitz, 14:2 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Würzburg dagegen wirkte, als spiele man noch im Trainingslager. "Wir haben das Spiel leider verschlafen", räumte Rau ein, "und Bremen war einfach wacher, giftiger, besser." Ab der 70. Minute wurde es dann doch noch etwas hitziger. Erst sah Viola Gelb, weil er beim Versuch, den Ball zu erobern, eher das Schienbein traf. Fünf Minuten später revanchierte sich Würzburgs Mittelfeldmann Detlev Wirth mit einer ebenso gelben Grätsche. Und als John Pelletier in der 79. Minute selbst noch eine Verwarnung kassierte, grinste er nur und rief Richtung Schiedsrichter: "Jetzt sind wir quitt, oder?" Die Schlussphase gehörte wieder Bremen. Leo Caroll und der unermüdliche Hummel feuerten noch zwei, drei Schüsse ab, als wollten sie das Ergebnis aufhübschen. Doch Beauvilliers verhinderte Schlimmeres - und so blieb es beim verdienten 2:0. Trainer Schlakowski zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Das war souverän, aber ich weiß, dass wir noch Luft nach oben haben. Vor allem beim Apfelschorle-Verbrauch in der Halbzeit." Und was sagte der junge Lewis Baptiste, der mit seiner Vorlage den Grundstein gelegt hatte? "Ich hab einfach gemacht, was der Coach wollte - laufen, passen, lächeln." Würzburg dagegen reiste mit gesenkten Köpfen ab. "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können, ohne ein Tor zu machen", meinte Kapitän Walter Hald trocken. Immerhin, Humor scheinen sie in Franken nicht verloren zu haben. Fazit: Bremen spielte Fußball wie aus einem Guss, Würzburg dagegen wie eine Band, die sich erst beim Soundcheck kennenlernt. Am Ende stand ein ungefährdeter 2:0-Heimsieg, der den SV näher an die oberen Tabellenränge bringt - und den Fans einen Abend schenkte, an dem man sich mal wieder fragte: Warum eigentlich nicht öfter so? Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "So spielt man Fußball, nicht PowerPoint." 05.06.643987 09:35 |
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Mario Basler