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12500 Zuschauer im Bremer Stadion sahen am Montagabend ein Spiel, das sinnbildlich für jene Fußballweisheit stand, die Trainer Jack Schlakowski nach dem Abpfiff mit leichtem Kopfschütteln zitierte: "Wer vorne die Dinger nicht macht, der kriegt sie hinten rein." Der SV Bremen verlor zum Auftakt der 3. Liga Deutschland mit 1:2 (1:1) gegen den TSB Flensburg - und das, obwohl die Hausherren fast alles richtig machten. Fast. Schon nach fünf Minuten kam der erste Dämpfer: Ralf Naumann, Flensburgs zentraler Mittelfeldmotor, traf nach einem unaufgeregten Querpass aus gut 18 Metern trocken ins Eck. Bremens Keeper Lennart Kjeldsen streckte sich vergeblich - und rieb sich danach die Handschuhe, als wolle er den Ball noch nachträglich halten. "Ich hab ihn spät gesehen, weil Theo vor mir stand", erklärte er später entschuldigend. Theo Hamilton, der besagte Linksverteidiger, grinste: "Ich stand da, weil ich dachte, du hältst ihn sowieso." Von da an spielte eigentlich nur noch Bremen. Offensiv, mutig, mit langen Bällen, wie es Coach Schlakowski liebt. 16 Torschüsse - doppelt so viele wie die Gäste - zeugen von einem druckvollen Auftritt. Johannes Hummel prüfte Flensburgs Torhüter Jens Hermann mehrfach (1., 11., 22., 75.), Leo Caroll und Juan Pablo Costa feuerten aus allen Lagen. Es war, als hätten sie den "Schießen, schießen, schießen!"-Button gefunden. In der 27. Minute wurde das Bemühen belohnt: Costa, der bullige Argentinier im Sturmzentrum, verwandelte nach feinem Zuspiel von Istvan Viola zum 1:1. Der Jubel klang wie eine kleine Befreiung - und für zehn Minuten roch das Stadion nach Wende. "Da dachte ich, jetzt brechen wir sie auf", sagte Felipe Carballo später. Aber das Spiel hat bekanntlich seinen eigenen Humor. In der zweiten Halbzeit wurde Flensburg plötzlich zielstrebiger. Trainer Amir Zulfic hatte in der Pause gleich doppelt gewechselt und auf frische Beine gesetzt: Alessandro Sorrentino kam für Christoph Benz, Marcos Travassos ersetzte Joel Brückner. Ein Glücksgriff, wie sich zeigte - denn in der 59. Minute war es Finn Sonntag, der nach einem langen Ball von Innenverteidiger Tom Wahl die Bremer Abwehr stehen ließ und eiskalt zum 1:2 einschob. "Das war wie beim Eishockey", grinste Sonntag später, "der Puck - äh, Ball - springt mir vor die Füße, und ich denk mir: einfach drauf!" Schlakowski hingegen dachte an etwas anderes. "Wir haben 54 Prozent Ballbesitz, gewinnen mehr Zweikämpfe, und dann reicht ein langer Ball. Das ist bitter." Bitter war auch die Szene in der 66. Minute, als Theo Hamilton wegen eines ungestümen Einsteigens Gelb sah - und sich lautstark beim Schiedsrichter über die "norddeutsche Theatralik" seines Gegenspielers beschwerte. "Ich hab ihn kaum berührt, der fiel wie ein nasser Sack", sagte Hamilton später. Schlakowski kommentierte trocken: "Theo hat manchmal das Temperament eines Espresso doppio." Trotz aller Bemühungen blieb der Ausgleich aus. Bremen drückte, Flensburg verteidigte tief, und Zulfic stellte auf eine defensive Grundordnung um, die an eine bewegliche Betonwand erinnerte. In der Nachspielzeit hatte Dieter Römer noch einmal die Riesenchance, als er in Minute 91 aus zentraler Position abzog - doch Hermann rettete mit den Fingerspitzen. Danach war Schluss, und die Bremer Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus und einem Schuss Resignation. "So darfst du eigentlich nicht verlieren", murmelte Costa beim Abgang. Neben ihm grinste Hummel: "Nächstes Mal schießen wir einfach 17 Mal aufs Tor." Flensburg darf sich derweil über drei unverhoffte Punkte freuen. Trainer Zulfic fasste es pragmatisch zusammen: "Wir hatten nicht den Ball, aber wir hatten die Tore. Das reicht meistens." Am Ende bleibt für Bremen die Erkenntnis, dass Statistiken selten trösten: 16:7 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem null Punkte. Für Flensburg dagegen ein Traumstart, für Bremen ein Déjà-vu aus den Lehrbüchern des Fußballs. Oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne beim Abpfiff seufzte: "Schöner spielen hilft halt nicht, wenn der Ball das Tor nicht mag." Vielleicht hat er recht. Aber wenn der SV Bremen so weitermacht, wird er irgendwann auch den Ball überzeugen. Bis dahin bleibt es bei der Erkenntnis des Abends: Effektivität schlägt Ästhetik - und Humor hilft beim Verlieren. 22.11.643993 02:16 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte