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Was für ein Fußballabend im Bremer Weserstadion: 12.138 Zuschauer sahen am 13. Spieltag der 3. Liga eine Lehrstunde in Ballbesitz, Geduld und Konsequenz. Der SV Bremen siegte hochverdient mit 3:0 gegen den VfL Oldenburg - und ehrlich gesagt: Das Ergebnis war für die Gäste noch schmeichelhaft. Von Beginn an machte Bremen klar, wer hier das Zepter führt. Schon nach sechs Minuten prüfte der 17‑jährige Rechtsaußen Luca Schmidt den Oldenburger Keeper Robin Beyer mit einem strammen Schuss, der erste Warnschuss einer ganzen Serie. "Ich wollte einfach mal gucken, ob der wach ist", grinste Schmidt später. Spätestens da wussten die Gäste: Das wird ein langer Abend. In der 12. Minute fiel dann das erste Tor - und ausgerechnet Innenverteidiger Harald Parent war es, der nach einer präzisen Flanke von Daniel Morriss per Kopf zur 1:0‑Führung traf. "Ich hab’ eigentlich nur gehofft, dass ich nicht drunter durchspringe", witzelte der Torschütze. Trainer Jack Schlakowski klatschte zufrieden in die Hände, während Oldenburgs Coach mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand und wohl dachte: Das kann ja heiter werden. Und es wurde heiter - zumindest für Bremen. Nach 25 Minuten erhöhte Johannes Hummel auf 2:0, erneut nach Vorarbeit von Morriss, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, seine rechte Seite zum Schnellweg Richtung Strafraum zu erklären. Hummel schob überlegt ein, als hätte er den Ball mit einem Laserpointer ins Eck gelenkt. VfL Oldenburg kam kaum zum Luft holen. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten, das sagt eigentlich alles. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Oldenburgs Kapitän Daniel Roth hinterher, "aber irgendwann war’s mehr sitzen als stehen." Bremen dagegen spielte weiter wie aus einem Guss: 57 Prozent Ballbesitz, 21 Abschlüsse, Pässe wie an der Schnur gezogen. Felipe Carballo, der agile Rechtsmittelfeldspieler, war überall zu finden - und bekam in der 57. Minute Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Kampfsport ist. Zwei Minuten später musste Oldenburgs Ernst Barre nach einer Notbremse mit Rot runter. Das war dann der Moment, in dem auch die letzten Gäste-Fans ihr Bier austranken - in einem Zug. Mit einem Mann mehr rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Oldenburger Tor. In der 65. Minute belohnte sich Carballo schließlich selbst: Nach einem klugen Pass von Rechtsverteidiger Paulo Meireles zog er aus 18 Metern ab - 3:0, Deckel drauf. Das Stadion tobte, während Schlakowski an der Seitenlinie nur kurz grinste und die Arme verschränkte. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber ich sah auch ein paar unnötige Fouls", sagte er später. "Da müssen wir cleverer werden. Aber hey - 3:0, Beschwerde zwecklos." Oldenburg dagegen hatte längst auf Schadensbegrenzung umgeschaltet. Innenverteidiger und Ersatzkapitän Hans Brenner versuchte, seine Vorderleute zu ordnen, doch gegen die Bremer Ballzirkulation sah es aus, als wolle jemand ein Tornado mit einer Serviette stoppen. Besonders auffällig: Das Bremer Mittelfeldtrio Verdasco, Henrico und Viola diktierte Tempo und Raum, als hätten sie einen unsichtbaren Dirigenten im Ohr. "Wir hatten Spaß, richtig Spaß", sagte Roberto Verdasco. "Manchmal läuft einfach alles, du siehst den Pass, bevor er passiert." Zum Schluss wurde’s sogar ein bisschen verspielt: Hummel jonglierte in der 90. Minute den Ball an der Eckfahne, wurde von den Fans gefeiert - und kassierte dafür vom Schiedsrichter einen mahnenden Blick, als hätte er gerade etwas Anstößiges getan. Der VfL Oldenburg kassierte noch zwei späte Gelbe Karten (Bader 69., Xanthis 87.), was das Spiel aber nicht mehr veränderte. Ihre Statistik bleibt trist: 40 Prozent Zweikampfquote, ein einziger Schuss aufs Tor, null Treffer. Nach dem Abpfiff standen die Bremer Spieler Arm in Arm vor der Kurve, während Schlakowski in die Kabine verschwand - angeblich, um "den Jungs das kalte Bier nicht wegzutrinken". Fazit: Bremen war an diesem Abend einfach zu clever, zu schnell, zu hungrig. Oldenburg dagegen wird froh sein, dass Fußball kein Eishockey ist - sonst stünde es vermutlich zweistellig. Oder wie Harald Parent es mit einem Augenzwinkern formulierte: "Wenn wir so weiterspielen, müssen wir bald aufpassen, dass uns die Champions League nicht aus Versehen einlädt." Ein Satz, der den Abend perfekt zusammenfasst - charmant übertrieben, aber völlig verdient. 17.06.643987 05:30 |
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Torsten Legat