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Stuttgarts Schnellstart zerlegt St. Pauli - Derlei doppelt, Rausch früh

Es war einer dieser Abende in der Mercedes-Benz-Arena, an denen man kaum Zeit hatte, die Stadionwurst fertig zu essen, bevor der erste Jubel losbrach. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, da zeigte VFL Stuttgart, warum das Team von Venni Mislintat zu Hause gefürchtet ist. Joshua Rausch, der rechte Wirbelwind, traf nach feiner Vorarbeit von Luis Contreras zum 1:0. "Ich dachte erst, der Ball sei zu weit, aber Luis spielt ihn so perfekt in den Lauf - den konnte ich gar nicht mehr nicht machen", grinste Rausch später.

St. Pauli, angereist mit Coach Gustav Holzhauer und 58.923 Augenpaaren gegen sich, wirkte da noch im Modus "Anreiseverkehr". Erst nach einer Viertelstunde begannen die Hamburger, die Hemmungen abzulegen - doch da klingelte es schon wieder. Carl Derlei, Stuttgarts Mann für die schönen Momente, verwandelte in der 15. Minute eiskalt, erneut nach einem Pass von Mittelfeldmotor Contreras. Zwei Chancen, zwei Tore - Effizienz, wie Mislintat sie wohl im Schlaf predigt. Der Trainer kommentierte trocken: "Wenn’s läuft, läuft’s. Heute war’s fast unheimlich ruhig auf meiner Bank - und das kommt selten vor."

St. Pauli hatte in der ersten Halbzeit nicht nur das Pech, sondern auch den Ball zu selten. 56 Prozent Ballbesitz für Stuttgart sprechen eine klare Sprache. Dennoch: Ganz kampflos ergaben sich die Kiezkicker nicht. Paul Jacob prüfte Keeper Gabriel Greenwald gleich zweimal (4. und 10. Minute), doch der Stuttgarter Schlussmann zeigte, warum er in dieser Saison kaum Fehler macht. "Den zweiten Schuss hab ich nur noch gespürt, nicht gesehen", lachte Greenwald später in der Mixed Zone.

Nach dem Seitenwechsel stellte Holzhauer um, brachte frische Beine mit Albert Mino und Liam Rieger. Derlei ignorierte das höflich und legte in der 57. Minute sein zweites Tor nach - diesmal nach einem Eckball, den Innenverteidiger Eduardo Cabrero clever verlängerte. 3:0, die Messe schien gelesen. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich trifft", witzelte Derlei über seinen Doppelpack, "und diesmal hat’s halt zweimal geklappt."

Doch St. Pauli wäre nicht St. Pauli, wenn sie nicht wenigstens einmal zurückschnappen würden. In der 71. Minute war es Joel Cabell, der nach Vorlage des eingewechselten Rieger den Ehrentreffer erzielte. Ein technisch sauberer Abschluss unter die Latte - Greenwald blieb chancenlos. Holzhauer jubelte kurz, dann schnaubte er: "Eigentlich schade, dass wir dafür 70 Minuten gebraucht haben."

Es war ohnehin ein Spiel, das in den Statistiken viel ausgeglichener aussah, als das Ergebnis vermuten lässt: Beide Teams mit je elf Torschüssen, Zweikampfquote fast pari. Doch die Qualität der Abschlüsse war der Unterschied. Stuttgart spielte zielstrebig, St. Pauli suchte zu oft den Umweg über die Außen, wo Mudarra und Jacob zwar ackerten, aber selten durchkamen.

In der Schlussphase durfte der 19-jährige Stanislaw Sanew noch Bundesliga-Luft schnuppern, als er Rausch ersetzte. Mislintat klatschte ihn ab und rief ihm nach: "Jetzt bloß nicht den Ball verlieren!" - Sanew grinste und tat genau das Gegenteil, verlor prompt im ersten Zweikampf den Ball. Das Publikum nahm’s mit Humor, denn der Sieg war längst sicher.

Zwei Gelbe Karten für die Gäste (Timm Steffen in der 52., Xabi Mudarra in der 74.) rundeten den Abend ab, ohne dass die Partie je unfair wurde. Stuttgart drängte zwar auf ein viertes Tor, doch die Präzision war dahin, und Holzhauers Elf verteidigte wenigstens den Anstand.

Nach Abpfiff stand Mislintat mit einem Espresso in der Hand am Spielfeldrand und fasste es kurz zusammen: "Wir haben’s früh entschieden, dann ordentlich verwaltet. Wenn die Jungs jetzt noch lernen, dass 3:0 nicht heißt, dass man den Rückwärtsgang einlegt, bin ich zufrieden."

Holzhauer dagegen wirkte trotz der Niederlage erstaunlich gelassen: "Wir haben hier nicht gegen irgendwen verloren. Stuttgart ist derzeit einfach brutal effizient. Und ehrlich - das 3:1 ist fast schmeichelhaft, wenn man sieht, wie wir angefangen haben."

So endete ein Spiel, das weniger spannend, dafür umso lehrreicher war. Stuttgart marschiert weiter oben mit, St. Pauli muss sich mit der Erkenntnis begnügen, dass frühes Aufwachen auch im Fußball hilft.

Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein Fan beim Hinausgehen: "Zwei Minuten geschlafen, und schon 1:0 hinten. Nächstes Mal stell ich mir den Wecker auf Anpfiff."

03.05.643987 14:05
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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