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Ein kalter Januarabend, 24.647 Zuschauer im Stadion Schiervelde, und ein Gastgeber, der sich viel vorgenommen hatte: SC Roeselare wollte am 10. Spieltag der belgischen 1. Liga endlich wieder jubeln. Am Ende jubelte aber nur einer - und das war St. Truiden. Die Gäste gewannen mit 2:0 (0:0) und entführten die Punkte mit der Effizienz eines Uhrwerks und der Geduld eines Schachmeisters. Dabei begann alles ganz verheißungsvoll für Roeselare. Trainer - dessen Name an diesem Abend besser ungenannt bleibt, um ihn vor den eigenen Fans zu schützen - hatte seine Elf offensiv ausgerichtet. "Wir wollten früh draufgehen, das Spiel kontrollieren", erklärte er nach dem Schlusspfiff mit einem Blick, der ungefähr so leer war wie die Gästekurve nach dem Abpfiff. Tatsächlich hatte Roeselare 56 Prozent Ballbesitz, spielte die Kugel gefällig durch die eigenen Reihen - doch gefährlich wurde es selten. Drei magere Torschüsse, das war die gesamte Ausbeute. St. Truiden dagegen? Weniger Ball, mehr Biss. 14 Schüsse aufs Tor, und zwei davon zappelten im Netz. Trainer Gerhard Münster grinste nach dem Spiel: "Ich hab den Jungs gesagt: Lasst sie den Ball haben, wir nehmen die Tore." Eine Taktik, die so simpel wie wirkungsvoll war. Die erste Halbzeit war ein Duell zwischen Rasenpflege und Fehlpässen. St. Truiden schoss früh und oft - Bruno Blanqui (7. und 21. Minute) prüfte Roeselares Keeper Arnaud Wauman, der sich mit glänzenden Paraden auszeichnete. Lennert Onghena und Kevin Boon versuchten es ebenfalls, aber der Ball fand den Weg ins Netz nicht. Auf der anderen Seite hatte Maarten Van Aken kurz vor der Pause die beste Chance für die Gastgeber, doch sein Schuss aus zwölf Metern landete genau auf dem Bauch von Gästekeeper Carl Chalana, der sich immerhin mit einem artistischen Hechtsprung in die Fotogalerie brachte. Nach der Pause dauerte es keine zwei Minuten, bis St. Truiden zuschlug. Der rechte Flügelspieler Dries Nilis zog an, passte scharf in den Strafraum, und Kevin Boon drückte die Kugel aus kurzer Distanz über die Linie (47.). Roeselare wirkte überrascht - oder, wie ein Fan auf der Tribüne rief: "Die schlafen ja noch in der Kabine!" Von da an lief das Spiel nach dem Geschmack der Gäste. Roeselare rannte an, passte um den Strafraum herum, als ginge es um Ballbesitzpunkte, nicht um Tore. Die Gäste konterten, Boon und Goosens blieben stets gefährlich. In der 81. Minute fiel dann die Entscheidung: Werner Buchholz, eigentlich Linksverteidiger, flankte butterweich von der Seite, und Antoine Goosens köpfte wuchtig ein - 2:0, Deckel drauf. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball kommt", sagte Goosens nach dem Spiel und grinste. "Und wenn ich spüre, dass der Ball kommt, dann kommt auch das Tor." Ein Satz, der Philosophie werden könnte - zumindest in St. Truiden. Roeselare versuchte es noch, Anthony Jaspers kam in der 67. Minute per Kopf zum Abschluss, doch Chalana war wieder zur Stelle. Danach versandete das Spiel - St. Truiden kontrollierte das Geschehen, wechselte in der 83. Minute sogar zwei 17-Jährige ein: Dorian Van Overmeire und Sergi Ronaldo durften noch ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern. Letzterer sorgte gleich für einen Schmunzler, als er nach einem Einwurf den Ball übermotiviert ins Seitenaus drosch. "Er wollte einfach ein Zeichen setzen", meinte Trainer Münster augenzwinkernd. Einziger Wermutstropfen für die Gäste: Jungverteidiger Romain Henderickx sah in der 76. Minute Gelb, nachdem er den Ball etwas zu rustikal geklärt hatte. "Ich hab nur den Ball getroffen", beteuerte er - der Ball befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon im Aus. Am Ende blieb es beim verdienten 2:0 für St. Truiden. Roeselare hatte zwar mehr vom Spiel, aber St. Truiden das, was zählt - Tore. Die Statistik sprach eine klare Sprache: 14 zu 3 Torschüsse für die Gäste, 56 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - das klassische Beispiel, wie Zahlen täuschen können. "Wir müssen unsere Chancen besser nutzen", sagte Roeselares Abwehrchef Anthony Jaspers. "Oder überhaupt welche haben", murmelte sein Mitspieler Maxim Van Kerckhove daneben. Humor hilft, wenn der Ball nicht ins Tor will. St. Truiden dagegen feiert weiter: Zwei Tore, drei Punkte, gute Laune. Und Trainer Münster resümierte trocken: "Das war kein Spektakel, aber effektiv. Wir sind hier nicht beim Zirkus." So bleibt von diesem Abend in Roeselare vor allem eines: die Erkenntnis, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist. Und dass manchmal der, der weniger spielt, mehr gewinnt. 03.05.643987 11:05 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde