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St. Pauli schlägt Stuttgart 3:2 - Kiezkicker siegen im wilden Flutlichttanz

Es war einer dieser Abende auf St. Pauli, an denen Bier, Wind und Wahnsinn eine perfekte Symbiose eingehen. 59.000 Zuschauer drängten sich dicht an dicht, als die Flutlichter des Millerntorstadions am 27. Spieltag der 1. Liga Deutschland aufflackerten. Und was sie zu sehen bekamen, war kein taktisches Schachspiel - es war Rock’n’Roll in Stutzen.

Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, da zündete Patrik Fuhrmann den ersten Feuerwerkskörper des Abends. Nach einem klugen Steckpass des 19-jährigen Phillipp Bertram schlenzte der Mittelfeldmotor den Ball unhaltbar ins rechte Eck. "Ich dachte, ich träume noch. Zweite Minute, erster Schuss, zack drin", grinste Fuhrmann später, während er seine verschwitzten Haare aus der Stirn strich.

Doch wer glaubte, Stuttgart würde sich in Hanseaten-Lethargie ergeben, täuschte sich. Der VFL, von Trainer Venni Mislintat mit offensiver Flügelwucht ausgestattet, antwortete wuchtig. In der neunten Minute setzte sich Carl Derlei auf links gegen zwei Gegenspieler durch, flankte butterweich in die Mitte, wo William Lujan den Ball volley in die Maschen drosch - 1:1, und die schwäbischen Fans jubelten, als wäre Cannstatt plötzlich an der Elbe.

Eine Minute später jedoch drehte St. Pauli den Regler wieder auf Anschlag. Urban Iversen, der bullige Norweger mit dem Charme eines Hafenarbeiters, verwertete erneut eine Vorlage von Youngster Bertram. 2:1 - und das Millerntor vibrierte, als seien die Beatles zurück.

Danach pendelte das Spiel zwischen Tempo und Chaos. Stuttgart hatte mehr Torschüsse (14 insgesamt), doch St. Pauli hielt mit 51,9 Prozent Ballbesitz dagegen. "Wir wollten sie laufen lassen, nicht andersrum", erklärte Trainer Gustav Holzhauer mit trockenem Lächeln. Tatsächlich wirkte seine Elf reifer, abgeklärter - zumindest bis zur Pause, als der VFL gleich mehrfach gefährlich wurde.

Nach dem Seitenwechsel blieb es ein offenes Duell. Stuttgart wechselte früh, brachte Uwe Schubert für Bermudo, doch die gewünschte Stabilität blieb aus. Stattdessen schlug St. Pauli erneut zu: In der 58. Minute drang Joseph Barthez über links in den Strafraum, bekam den Ball von Innenverteidiger Tobias Böhme serviert und traf eiskalt zum 3:1. Der 21-Jährige riss die Arme hoch und brüllte Richtung Südkurve, als wolle er sagen: "Das ist mein Hafen!"

"Wenn du so ein Tor schießt, denkst du an nichts. Du hörst nur das Stadion explodieren", sagte Barthez später, noch halb ungläubig.

Doch Stuttgart gab sich nicht geschlagen. Der junge Marcio Dominguez, über die rechte Seite ständig in Bewegung, verkürzte in Minute 64 nach schöner Vorarbeit von Ernesto Vaz auf 3:2. Plötzlich kippte das Momentum, und Mislintat gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir waren dran, nur das letzte Quäntchen hat gefehlt", schnaubte er nach Abpfiff - vielleicht auch, weil sein Team in der Schlussphase noch zwei Großchancen vergab.

St. Pauli verteidigte den knappen Vorsprung mit der typischen Mischung aus Herzblut und kontrolliertem Wahnsinn. Als in der 71. Minute Stuttgarts Ingo Zabaleta Gelb sah, quittierte das Publikum jede seiner folgenden Ballaktionen mit einem hämischen "Oooh". Derlei traf in der 85. und 89. Minute zwar noch zweimal das Außennetz, doch am Ende jubelten die Kiezkicker.

"Drei Tore, drei verschiedene Schützen, dazu zweimal ein Teenager als Vorlagengeber - das ist St. Pauli-Fußball, roh, wild, ehrlich", resümierte Holzhauer. Auf die Frage, ob er beim 3:2 noch ruhig bleiben konnte, lachte er: "Ich ruhig? Ich hab innerlich den Rasen umgepflügt."

Stuttgart hingegen verließ das Spielfeld mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz. "Wir waren mutig, wir haben gedrückt, aber Pauli war heute einfach dreckiger effektiv", gab Kapitän Lujan zu.

Am Ende stand ein 3:2 (2:1), ein Spiel, das in keiner Statistik so ganz zu fassen war. St. Pauli hatte knapp mehr Ballbesitz, Stuttgart mehr Abschlüsse - aber eben nicht mehr Tore. Vielleicht ist das die Essenz dieses Abends: Wer weniger schön spielt, aber öfter trifft, darf tanzen. Und auf St. Pauli tanzt man bekanntlich bis Montag.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Gegengerade murmelte, als der Schlusspfiff ertönte: "Schöner kann Chaos nicht siegen."

27.11.643987 23:15
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