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Spektakel in Verl: Pokalabend mit sieben Toren und einem Augenzwinkern

Wenn man 53.100 Zuschauer in ein Stadion lockt, dann will man sie nicht mit einem 0:0 wieder nach Hause schicken - und das taten der SC Verl und der FC Kreuzberg auch ganz sicher nicht. Am Ende dieses Viertelfinals stand ein 4:3 für Verl, eine Partie, die alles bot: frühe Schocks, wilde Aufholjagden, taktische Eskapaden und ein Trainer namens Big Bang, der seinem Namen gerecht wurde.

Gerade einmal neun Minuten waren gespielt, als Kreuzbergs Linksverteidiger Rafael Alcazar - ja, der Linksverteidiger! - nach einem feinen Zuspiel von Adrien Goddaert einfach mal draufhielt und das Leder unhaltbar ins rechte Eck zimmerte. "Ich hab einfach gedacht, warum nicht?", grinste Alcazar später. Warum nicht, in der Tat - 0:1.

Und kaum hatten die Verl-Fans wieder Luft geholt, klingelte es schon wieder. Kreuzbergs bulliger Mittelstürmer Thijmen Van Antwerp, ein Mann, der aussieht, als könne er auch Kühlschränke köpfen, verwandelte in der 17. Minute nach Vorlage von Kay Röder zum 0:2. "Da dachte ich kurz, jetzt wird’s ein langer Abend", gab SCV-Trainer Big Bang später zu.

Aber Verl wäre nicht Verl, wenn sie klein beigeben würden. Die Hausherren schüttelten sich kurz, legten dann den Schalter um - oder, wie Big Bang es nannte: "Wir haben einfach auf Raketenmodus gestellt." Den Startknopf drückte in der 25. Minute Günter Bach, der nach feinem Zuspiel von Robert Rudolph zum 1:2 traf. Das Stadion vibrierte.

Und dann kam Marc John. Innenverteidiger, 24 Jahre alt, normalerweise für Grätschen zuständig, nicht für Gala. Doch in der 34. Minute stand er nach einer Ecke plötzlich goldrichtig, bekam den Ball von Sascha Kirsch genau auf den Schlappen - 2:2. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schießen kann", lachte John nach dem Spiel.

Kreuzberg wackelte, Verl roch Blut. Und kurz vor dem Pausenpfiff setzte Mike Frei den Schlusspunkt einer furiosen ersten Hälfte: Nach einem präzisen Pass von Morgan Perlman jagte er den Ball in der 42. Minute unter die Latte. 3:2 - das Stadion stand Kopf, und Gästecoach Atze Matze raufte sich die ohnehin spärliche Haarpracht. "Wir haben uns die Butter vom Brot nehmen lassen", knurrte er später.

Nach der Pause versuchte Kreuzberg, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen. Das gelang phasenweise auch, denn Van Antwerp war erneut zur Stelle. In der 60. Minute traf der Niederländer zum 3:3, nachdem Alcazar - wieder dieser Alcazar! - ihm mustergültig auflegte. "Ich wusste, dass der Ball kommen würde. Rafael hat einfach einen Radarfuß", lobte Van Antwerp seinen Mitspieler.

Doch wer dachte, das Momentum kippe nun endgültig, hatte die Rechnung ohne Morgan Perlman gemacht. Keine sechzig Sekunden nach dem Ausgleich sprintete der verl’sche Flügelmann nach einem Pass von Tobias Franke die Linie runter, zog nach innen und traf aus spitzem Winkel zum 4:3. Das Stadion tobte, Big Bang sprang in seiner Coaching-Zone höher als manch Mittelstürmer beim Kopfball. "Da ist mir kurz die Luft weggeblieben - im positiven Sinn", japste er später.

Die letzten 30 Minuten waren dann ein Pokal-Krimi, wie man ihn liebt. Kreuzberg warf alles nach vorne, hatte mit 13 Torschüssen zwar mehr Gelegenheiten als Verl (9), aber das Glück blieb in Ostwestfalen. Verl verteidigte mit Herz, Humor und gelegentlichem Chaos. Torwart Jacob Mayer, gerade mal 19 Jahre alt, hielt in der Schlussminute einen wuchtigen Versuch von Van Antwerp mit dem Fuß - und schrie danach etwas, das wir in dieser Zeitung lieber nicht drucken.

Kreuzbergs Adrien Goddaert sah zwischendurch Gelb, was seine ohnehin hitzige Laune nicht verbesserte. "Ich wollte nur freundlich nach dem Ball fragen", sagte er mit einem Grinsen, das niemand glaubte.

Am Ende blieb es beim 4:3 - Verl im Halbfinale, Kreuzberg mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt. "Wir haben alles gegeben, aber Verl hatte einfach den längeren Atem - und vielleicht auch den besseren Namen auf der Trainerbank", meinte Atze Matze trocken.

Die Statistik sprach für Kreuzberg (mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote mit 52 Prozent), aber das Spiel für Verl. 53,8 Prozent Ballbesitz, vier Tore, und eine Mannschaft, die sich nach 0:2-Rückstand nicht nur zurückkämpfte, sondern das Spiel drehte.

"Manchmal", sagte Big Bang in der Pressekonferenz, "muss man erst zwei Ohrfeigen bekommen, bevor man richtig aufwacht." Dann lächelte er und fügte hinzu: "Aber wir sind jetzt hellwach - und das Halbfinale kann kommen."

Ein Pokalabend, wie ihn die Fans lieben: laut, wild, unvorhersehbar - und mit einer Prise Wahnsinn. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Ich wollte eigentlich nur kurz bleiben. Jetzt bleib ich wohl Fan."

04.11.643987 06:25
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