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Ein Dienstagabend in Verl, Flutlicht, 51.804 Zuschauer - und ein Spiel, das man eher in der Kategorie "Was war das denn bitte?" ablegen muss. Der SC Norderstedt entführt mit einem 4:3‑Sieg alle drei Punkte, doch beide Mannschaften lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, der in den letzten Minuten fast in ein Theaterstück über Mut, Verzweiflung und gelbe Karten abglitt. Von Beginn an war klar: Hier will keiner den Bus parken. Schon in der ersten Minute prüfte Verls Sascha Kirsch Gästetorwart Larry Oudekirk, der allerdings so entspannt parierte, als hätte er gerade einen Ballon gefangen. Nur zwölf Minuten später schlug Norderstedt zurück - und wie. Marcio Perales, der Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockstars, zog in der 13. Minute trocken ab. "Sedat hat mir den Ball perfekt hingelegt, da musste ich nur noch die Augen schließen und hoffen", grinste Perales nach dem Spiel. Der Ball zappelte im Netz, Verl lag 0:1 hinten. Doch die Antwort kam prompt: Vier Minuten später kombinierte sich das Heimteam über die linke Seite nach vorne. Tomas Rodriguez flankte butterweich auf Morgan Perlman - und der traf zum 1:1. Das Stadion tobte, Trainer Big Bang (ja, er heißt wirklich so) gestikulierte wild und schrie etwas, das stark nach "Jetzt geht’s los!" klang. Bis zur Pause blieb es beim 1:1, obwohl beide Mannschaften weiter fröhlich auf das Tor schossen - Verl mit 13 Torschüssen, Norderstedt mit 15. Der Ballbesitz sprach mit 54,6 Prozent für Verl, aber die Gäste wirkten gefährlicher, wenn sie in den Strafraum kamen. Dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr 45 Minuten Fußball-Drama pur. Kaum war angepfiffen, drehte Morgan Perlman richtig auf. In der 50. Minute brachte er Verl nach Vorarbeit von Günter Bach in Führung, drei Minuten später legte er sogar das 3:1 nach. Ein Hattrick innerhalb von 36 Minuten - das Publikum stand Kopf. "Ich dachte, wir hätten sie", sagte Perlman später, "aber anscheinend hat das Spiel noch andere Pläne gehabt." Denn Norderstedt hatte noch lange nicht aufgegeben. In der 65. Minute besorgte erneut Marcio Perales den Anschlusstreffer, nach feiner Vorarbeit von Mittelfeldmotor Alex Botin. Und als in der 73. Minute Lewis Bancroft nach Vorlage von Marius Jacobsen das 3:3 erzielte, war der Gästeblock im kollektiven Freudentaumel. Trainer Andre Marsmann rannte die Seitenlinie entlang wie ein Marathonläufer kurz vor dem Ziel. "Wir wollten mutig bleiben", erklärte er später, "Big Bang hat offensiv gespielt, also dachten wir: warum nicht doppelt so offensiv?" Und tatsächlich, in der 81. Minute drehte Norderstedt das Spiel komplett. Sedat Sismanoglu, der schon zweimal knapp gescheitert war, verwandelte nach Vorlage von Bancroft eiskalt - 3:4. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Sismanoglu trocken. "Wenn du zu viel nachdenkst, geht der Ball in den Parkplatz." Verl warf danach alles nach vorne. Coach Big Bang brachte den jungen Javier Domingos, stellte auf "Alles nach vorn" um und brüllte seine Jungs mit Worten an, die man in der 18. Reihe noch gut hören konnte. Norderstedts Henry Barnier allerdings hatte offenbar zu viel Adrenalin: Erst Gelb in der 37., dann Gelb-Rot in der 88. Minute. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", entschuldigte er sich halbherzig. In Unterzahl verteidigte Norderstedt den Vorsprung mit allem, was Beine hatte. Verl schoss in der Nachspielzeit noch zweimal aufs Tor - Mike Frei (93.) und Alexandre Van den Branden (94.) - doch Oudekirk parierte wie ein Mann, der seine Prämie schon im Kopf sah. Nach dem Schlusspfiff fiel Marsmann seinem Torwart in die Arme, während Big Bang auf die Anzeigetafel starrte, als könne er das 3:4 durch pure Gedankenkraft umdrehen. "Wenn du dreimal triffst und trotzdem verlierst, willst du am liebsten den Ball verklagen", knurrte er später auf der Pressekonferenz. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: Verl mehr Ballbesitz, Norderstedt etwas bessere Zweikampfquote (51 %), sieben Gelbe Karten und ein Platzverweis. Fußballherz, was willst du mehr? Am Ende bleibt ein Abend, der lange nachhallen wird. Verl spielte mutig, aber unglücklich. Norderstedt zeigte Kaltschnäuzigkeit und Nerven aus Stahl. Oder wie Perales es formulierte: "Manchmal ist Fußball eben kein Spiel der Gerechtigkeit, sondern der Geduld." Und so verließen die 51.804 Zuschauer das Stadion - einige ungläubig, andere begeistert, alle mit dem Gefühl, Zeugen eines dieser Spiele gewesen zu sein, von denen man später sagt: "Da warst du dabei? Ich beneide dich." 27.08.643987 09:12 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde