Sportwoche
+++ Sportzeitung für Österreich +++

Spektakel am Inn: Innsbruck und Blau-Gelb Wien trennen sich 2:2

Es war ein frostiger Jännerabend in Innsbruck, aber auf dem Rasen des Tivoli-Stadions glühte der Rasen: 27.967 Zuschauer sahen ein 2:2, das mehr Feuer hatte als der Glühwein an den Kiosken. Der FC Innsbruck und Blau-Gelb Wien lieferten sich ein Duell, das von Tempo, Emotion - und gelegentlichen Ausflügen ins Chaos - lebte.

Schon nach sechs Minuten war die Partie auf Betriebstemperatur. Blau-Gelbs Rechtsverteidiger Potap Semjonow, zarte 21 Jahre jung, spazierte plötzlich in den Strafraum, als hätte er die Erlaubnis vom Platzwart, und hämmerte den Ball unhaltbar ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Semjonow nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht mal probieren?" Trainer Patrick Jurkovitz, sonst eher stoisch, sprang kurz darauf so hoch, dass er fast in der Coachingzone Schnee gefressen hätte.

Doch Innsbruck antwortete im besten Gegenpressing-Stil. Fünf Minuten später war es Pedro Gama, der nach einem präzisen Pass von Johann Baum eiskalt den Ausgleich erzielte. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Gama bescheiden - was ungefähr so glaubwürdig klang, wie wenn man behauptet, der Brenner sei eine gemütliche Spazierstrecke.

Das 1:1 zur Pause passte perfekt zum Spielverlauf. Innsbruck drückte, Blau-Gelb konterte, beide mit offenem Visier. Elf Torschüsse zählten die Tiroler, zwölf die Wiener - eine Statistik wie aus einem Zirkusprogramm: wild, überraschend, aber eben auch wunderbar unterhaltsam.

Nach dem Seitenwechsel ging es nahtlos weiter. Wieder war es Semjonow, der Innsbrucks Abwehr wie ein Dosenöffner aufhebelte. In der 51. Minute rauschte er nach Doppelpass mit Julius Adler durch und traf zum 2:1 für die Gäste. "Das war fast schon Freestyle-Fußball", meinte Jurkovitz später trocken, "aber manchmal darf man die Jungs einfach machen lassen."

Doch Innsbruck wäre nicht Innsbruck, wenn sie kampflos aufgäben. In der 68. Minute tauchte Yves Beaumanoir - bis dahin eher unauffällig - im Strafraum auf und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Stadionlautsprecher, Tribünen, sogar die Ersatzbank explodierten vor Jubel. "Ich hab in dem Moment gar nichts mehr gehört", verriet Beaumanoir später, "nur mein Herz und die Fans."

Danach wurde’s ruppiger: Zwei Gelbe für die Gastgeber (Burghgraeve in der 57., Lemke in der 84.) und zwei für die Gäste (Domanico in der 39., Schubert in der Nachspielzeit). Besonders sehenswert: Domanico, der nach seiner Verwarnung lautstark erklärte, "er habe doch nur laut gedacht". Schiedsrichter und Publikum sahen das unterschiedlich.

In der Schlussphase war alles drin - außer der Siegtreffer. Innsbrucks Trainer Hartmut Velden wechselte in der 82. Minute den angeschlagenen Karl Brandt aus, der mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz humpelte. "Er hat sich beim Sprint über den Ball gewickelt", erklärte Velden später mit trockenem Humor. "Das kann man trainieren, aber ich lass es lieber."

Auch Blau-Gelb brachte frisches Blut: zwei Phillipps (Kuhn und Hennig) in der 79. Minute, dazu der 17-jährige Tom Lee in der 83. - ein Debütant, der in seinen ersten Ballkontakt gleich eine Fackel aus 20 Metern setzte. Torwart Philippe Heine hielt glänzend und brüllte anschließend: "Nicht mit mir, Burschi!" Das Publikum feierte ihn, als hätte er gerade die Meisterschaft gerettet.

Am Ende blieb’s beim gerechten 2:2. Beide Trainer sahen das ähnlich, wenn auch mit unterschiedlicher Tonlage. "Wir hätten gewinnen können", knurrte Velden, "aber wir hätten auch verlieren können. Also passt’s." Jurkovitz dagegen grinste: "Ein Punkt in Innsbruck ist wie ein warmer Tee im Winter - man nimmt ihn gern."

Statistisch lag Wien leicht vorn (52,4 Prozent Ballbesitz), doch Innsbruck hatte die klareren Chancen. In der Nachspielzeit flog sogar noch ein Freistoß von Matteo Marini gefährlich aufs Tor, doch junges Talent Mark Michel im Wiener Kasten kratzte ihn aus dem Winkel - mit einer Gelassenheit, die man sonst nur bei Baristas in der Innenstadt sieht.

Und so endete dieser vierte Spieltag der 1. Liga Österreich mit einem Resultat, das beiden Teams schmeichelt und keinem wirklich hilft. Innsbruck bleibt offensiv, Wien bleibt unberechenbar - und die Fans? Die gingen zufrieden nach Hause, mit leicht klammen Fingern, aber warmem Herzen.

Oder wie ein älterer Herr auf der Tribüne murmelte, als der Schlusspfiff ertönte: "So ein 2:2 ist wie ein halber Sieg - wenn man’s schönredet." Recht hat er.

22.02.643987 23:04
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager