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32.000 Zuschauer im Estadio de los Aviadores hatten sich am Samstagabend eigentlich auf ein kleines Fußballfest gefreut. Schließlich galt das Duell am 10. Spieltag der 1. Liga Paraguay zwischen Aviador Pettirossi und CF Taquari als offenes Kräftemessen zweier Teams, die gerne selbst das Spiel machen. Am Ende jedoch stand ein nüchternes 0:1 - nüchtern zumindest für die Heimfans. Für die Gäste war es ein Sieg mit dem Geschmack von kaltem Mate-Tee: unspektakulär, aber belebend. Von Beginn an entwickelte sich ein intensives, wenn auch nicht hochklassiges Spiel. Taquari begann mit spürbarer Entschlossenheit, hatte in der ersten Minute bereits durch Lionel Xavier den ersten Torschuss. Der Ball flog zwar eher in Richtung Parkhaus als in Richtung Netz, aber das Signal war klar: "Wir sind da!" Aviador Pettirossi antwortete prompt, Isidoro Albacar prüfte nach neun Minuten den Gästekeeper Alf Abramson, der den Ball mit einer eleganten Flugeinlage parierte - und anschließend mit einem Grinsen seinen Handschuh küsste. "Man weiß ja nie, ob’s Glück bringt", meinte Abramson später lachend. Bis zur Pause ergab sich ein munteres Hin und Her, das in Zahlen ausgedrückt fast ein Gleichgewicht zeigte: 49 Prozent Ballbesitz für Pettirossi, 51 für Taquari. Doch während die Hausherren achtmal auf das Tor schossen, brachten es die Gäste auf ganze 14 Versuche - allerdings ohne zählbaren Erfolg. Trainer Tim Thaler, der Mann mit dem ewigen Baseballcap, kommentierte zur Halbzeit trocken: "Wir spielen gut, aber treffen wie ein Tischtennisteam ohne Schläger." Nach der Pause drehte Taquari weiter auf. Der 18-jährige Francisco Doreste, zur Halbzeit eingewechselt, brachte frischen Wind über die rechte Seite. Und genau dieser Jungspund wurde in der 63. Minute zum heimlichen Helden: Er setzte sich auf dem Flügel gegen zwei Gegenspieler durch, legte flach in den Strafraum - und Xabier Maniche, sonst eher bekannt für seine feinen Dribblings als für kaltschnäuzige Abschlüsse, versenkte die Kugel aus zwölf Metern flach ins linke Eck. Keine Chance für Torwart Leandro Mascarenhas, der sich danach theatralisch auf die Linie warf, als könne er den Ball im Nachhinein noch stoppen. Das Stadion verstummte für einen Moment, ehe die gut 500 mitgereisten Taquari-Fans ein ohrenbetäubendes Jubelkonzert anzettelten. "Ich hab’ einfach reingehalten", grinste Maniche nach dem Spiel. "Francisco hat’s super gemacht - ich musste nur den Fuß hinhalten. Na gut, vielleicht auch ein bisschen zielen." Pettirossi versuchte danach alles, um den Ausgleich zu erzwingen. Carlos Almeida zog zweimal gefährlich ab, Javier Domingos setzte in der 59. Minute einen Distanzschuss nur knapp über die Latte. Doch Taquari verteidigte kompakt - und manchmal auch rustikal: Leah Revivo sah in der 67. Minute Gelb, Kollege Fernando Gonzalo folgte ihm in der 85. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Schönwettermannschaft sind", erklärte Thaler hinterher mit einem Augenzwinkern. Kurz vor dem Ende musste Abramson verletzungsbedingt vom Platz - der junge Ton Van Tessel kam zu seinem ersten Ligaeinsatz und hielt in den letzten Minuten, was zu halten war. "Ich war nervöser als vor meiner Führerscheinprüfung", gab der 21-Jährige zu, "aber die Jungs haben mich super unterstützt. Xabier hat mir sogar zugerufen, ich solle einfach so tun, als sei’s Training - nur lauter." Aviador Pettirossi wirkte in der Schlussphase ideenlos. Trainername blieb ungenannt, aber man sah ihm die Ratlosigkeit an der Seitenlinie an. Nach dem Schlusspfiff verschwand er wortlos in der Kabine - vielleicht, um dort den Ballbesitzwert von 49,3 Prozent zu trösten. Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel, das durch eine Einzelaktion entschieden wurde. Taquari hatte leicht mehr vom Ball, mehr Torschüsse und letztlich das Quäntchen Glück, das man auf diesem Niveau braucht. "Wir haben nicht schön gespielt", resümierte Thaler, "aber wir haben clever gespielt. Und clever ist im Fußball eben oft genug schön." Für Aviador Pettirossi bleibt die Erkenntnis: Wer vorne nicht trifft, verliert hinten. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Gewohnheit. Und irgendwo zwischen den Sitzreihen meinte ein älterer Herr beim Hinausgehen: "Nächstes Mal gewinnen wir 1:0 - aber bitte mit demselben Gegner." Ein bisschen Galgenhumor, passend zu einem Abend, an dem der Fußball wieder einmal bewies, dass Effizienz manchmal das schönste Stilmittel ist. 03.05.643987 09:40 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme