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Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Ball überhaupt ins Tor darf - und dann gibt es Partien wie diese: London United ringt die Okanagan Bulls mit 1:0 nieder, dank eines späten Treffers von Jay Couture in der 88. Minute. 49.748 Zuschauer im Londoner Stadion erlebten dabei 87 Minuten gepflegten Chancenwucher, taktisches Schach und ein Happy End, das so unerwartet kam wie ein Sonnenstrahl im englischen Januar. Beide Teams begannen betont kontrolliert, was in diesem Fall bedeutete: viel Mittelfeldgeplänkel, wenig Zielwasser. Die Bulls aus Okanagan, leicht überlegen im Ballbesitz (52 Prozent), schossen zwar häufiger aufs Tor - ganze elfmal -, aber die Latte und United-Keeper Alrik Lindblom hatten offenbar einen Pakt geschlossen. "Ich hab’ heute einfach beschlossen, nichts reinzulassen", grinste der Torwart später. Man glaubt’s ihm. Schon in der zweiten Minute prüfte Vincent Travassos aus spitzem Winkel die Reflexe des London-Keepers, und Hanns Bouchard versuchte es in Minute fünf und sechs gleich doppelt - vergeblich. Antonio Arrondo durfte zweimal hintereinander Maß nehmen, aber auch er scheiterte. Trainer Markus Merk der Bulls schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf: "Wir hätten das Spiel eigentlich in der ersten Halbzeit entscheiden müssen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." London United tat sich lange schwer, den eigenen Rhythmus zu finden. Der 17-jährige Rafa Fernandes sorgte zwar früh (3. Minute) für den ersten Torschuss des Heimteams, doch danach blieb es beim Versuch. Erst Stille Osterhoudt in der 18. Minute brachte wieder Gefahr, und in Minute 35 prüfte Linksverteidiger Sebastien Hammer den gegnerischen Keeper - mehr aus Verlegenheit als aus Überzeugung. Zur Pause sah man die Handschrift beider Trainer: kontrolliert, sicher, aber nicht unbedingt mutig. Ron Wiesel, der erfahrene United-Coach, stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas von "Geduldsspiel". Später erklärte er: "Ich wusste, dass wir irgendwann einen Moment bekommen würden. Manchmal ist Fußball wie Angeln - du sitzt da, wartest und hoffst, dass was anbeißt." Die zweite Hälfte begann wie die erste: mit Chancen für die Bulls. Arrondo (46.), Michaud (50.) und der eingewechselte Lockwood (56., 57.) verpassten jedoch das Ziel. Und als Jean Bethune sich nach seiner Gelben Karte in der 16. Minute zurückhielt, fehlte den Gästen auch etwas die Härte. London konterte das mit drei Verwarnungen in Serie: Berenguer (54.), McLeod (66.) und - natürlich - der ungestüme Fernandes (68.) bekamen Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", grinste der Teenager später trotzig. Bitter wurde es für die Bulls in Minute 60, als Stürmer Lasse Michaud nach einem unglücklichen Zweikampf verletzt raus musste. "Nichts Wildes", meinte Coach Merk, "aber es hat unseren Rhythmus gebrochen." Sein Ersatz Freddie Aubin brachte zwar frischen Wind, aber keine Präzision. Und dann kam die 88. Minute - die Minute, in der London United endlich die Geduld belohnt bekam. Der junge Alex Berenguer, der zuvor schon einen gefährlichen Schuss abgegeben hatte, flankte von links in den Strafraum. Jay Couture, 33 Jahre alt und mit mehr Routine als Dynamit in den Beinen, nahm den Ball direkt - und traf! 1:0. Der Jubel hallte bis in die Londoner U-Bahn-Schächte. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Couture später trocken. "Wenn du 88 Minuten wartest, willst du wenigstens, dass es knallt." Die Bulls warfen in den letzten Minuten alles nach vorn, Pressing inklusive, doch United verteidigte den knappen Vorsprung mit Zähnen, Klauen und einem gewissen Maß an Glück. Die Statistik spricht zwar für die Gäste - mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (53 Prozent) -, aber das Tor fiel auf der falschen Seite. Nach dem Schlusspfiff zeigte sich Trainer Wiesel zufrieden: "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber effizient. Und das ist manchmal die schönste Form von Fußball." Sein Gegenüber Merk verzog das Gesicht: "Wenn du elfmal schießt und der Gegner trifft einmal - dann weißt du, was der Fußballgott heute gegessen hat." So endet ein Spiel, das niemanden vom Hocker riss, aber den Heimfans drei Punkte bescherte. London United bleibt dank Coutsures spätem Treffer im oberen Tabellendrittel, während die Bulls mit leeren Händen und vielen Fragezeichen die Heimreise antreten. Und irgendwo zwischen englischem Nieselregen und kanadischem Frust denkt man: Vielleicht war’s nicht schön - aber es war Fußball. 16.11.643987 01:41 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, er ist DIN A4.
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussieht