Jamaica News Bulletin
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Später Knockout - Villagers entführen späten Sieg aus Barbican

Wenn 52.140 Zuschauer im Barbican-Stadion stehen und sich nach 90 Minuten fragen, wie ihre Mannschaft dieses Spiel verlieren konnte, dann war vermutlich wieder ein Abend für die Kategorie "Fußball, du grausames Spiel". Barbican FC dominierte fast nach Belieben, schoss aus allen Lagen - aber am Ende jubelten die Falmouth Villagers über ein 2:1, das so glücklich wie clever war.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - zumindest für die Gäste. Schon in der zweiten Minute kassierte Joel Marshal von den Villagers die erste Gelbe Karte, weil er offenbar das Gras auf der linken Seite persönlich umpflügen wollte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", grinste er nach dem Spiel, als sei das ein taktisches Mittel gewesen. Seine frühe Verwarnung war allerdings der Auftakt zu einem hektischen Spiel mit vielen Nickligkeiten und einem Heimteam, das vom Anpfiff an auf das gegnerische Tor drückte.

Barbican-Coach Peter Heinze ließ offensiv spielen, mit drei Angreifern, die so hungrig wirkten, als hätten sie seit Tagen keine Torchance mehr gesehen. 22 Schüsse feuerten seine Männer insgesamt ab - mehr als doppelt so viele wie die Gäste. Nur: Das Netz vibrierte selten. Schon in der 11. Minute prüfte Marc Beaulieu den Keeper Ferreira, fünf Minuten später zog Henrick Oudekirk aus der zweiten Reihe ab - drüber. "Wir hätten in der ersten halben Stunde führen müssen, da war Falmouth kaum über die Mittellinie", schimpfte Heinze später, den Kragen seiner Trainingsjacke so hochgezogen wie seine Laune niedrig war.

Dann kam die 38. Minute - und der erste Stich des Abends. Nach einem schnellen Konter schickte Mario Zaera den ballgewandten Ashton Bradshaw in die Tiefe. Der 33-Jährige fackelte nicht lange und schob eiskalt zum 1:0 für die Villagers ein. Viel mehr hatte Falmouth bis dahin nicht getan - aber eben das Entscheidende. "Wir spielen auf Konter, nicht auf Schönheit", kommentierte Trainer Hermann Tüllinghoff trocken. "Schönheit gibt’s in der Kunsthalle, nicht auf dem Rasen."

Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Barbican drückte, Falmouth wartete. Der junge Michel Baskin, erst 22 Jahre alt, wurde zum Sinnbild der Verzweiflung. Drei, viermal probierte er es aus allen Lagen - und in der 64. Minute wurde er endlich belohnt. Oudekirk hatte sich durch das Mittelfeld getankt, legte quer, und Baskin traf flach ins rechte Eck. 1:1, verdienter ging es kaum. Baskin riss die Arme hoch, das Stadion tobte. "Ich dachte, jetzt kippt das Ding", sagte er später. "Aber manchmal kippt’s halt in die falsche Richtung."

Denn während Barbican weiter anlief, verteidigten die Villagers mit allem, was sie hatten - inklusive Zeitspiel, theatralischen Krämpfen und einem Torwart, der plötzlich auffällig viel Liebe für seine Schuhbänder entwickelte. In der 87. Minute gab’s Gelb für Falmouths Jelle Van Buren, der offenbar vergaß, dass auch Trikotziehen nicht zum Yoga gehört.

Und dann, als alle schon mit einem Unentschieden rechneten, kam der Dolchstoß. 91. Minute. Gerard Eliot sprintete über rechts, flankte scharf nach innen - und der eingewechselte Theo Boyle hielt den Fuß hin. 2:1. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. Tüllinghoff ballte die Faust, Heinze trat gegen eine unschuldige Trinkflasche. "Wir haben’s vergeigt", murmelte er später in der Pressekonferenz.

Die Statistiken erzählen die gleiche Geschichte: Barbican 22 Torschüsse, 49 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - und trotzdem null Punkte. Falmouth hatte acht Schüsse, zwei davon drin. Effektivität in Reinform. "Das ist halt das Schöne am Fußball", sagte Tüllinghoff mit einem Grinsen, das selbst Buddha die Ruhe geraubt hätte. "Man muss nicht viel tun, nur das Richtige."

Zumindest an Einsatz mangelte es keinem. Zwei Verletzungen, fünf Gelbe Karten, und ein Schiedsrichter, der am Ende wohl froh war, den Abpfiff überlebt zu haben. Evan Morriss musste schon nach 17 Minuten vom Platz, und Falmouths Routinier Bradshaw humpelte später raus - ironischerweise kurz nach seinem Tor.

In der Kabine von Barbican herrschte danach betretenes Schweigen. Nur Keeper Martineau fluchte leise auf Französisch und schob seine Handschuhe in die Ecke. "Ich hätte in der 91. Minute rauskommen müssen", gab er zu. "Aber man denkt immer, der Ball kommt nicht so genau."

So bleibt Barbican FC nach dem 11. Spieltag weiter im Tabellenmittelfeld, während Falmouth Villagers mit diesem Auswärtssieg plötzlich nach oben schielt. Und irgendwo da draußen hat vielleicht jemand eine alte Fußballweisheit neu entdeckt: Wer vorne nicht trifft, bekommt hinten Besuch.

Oder, um es mit Coach Heinze zu sagen: "Wir haben alles richtig gemacht - außer die Tore."

07.03.643994 10:00
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