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Später Knockout: Hamburg stiehlt Stuttgart den Sieg in der Nachspielzeit

Am 15. Spieltag der 1. Liga Deutschland erlebten 59.000 Zuschauer in der Stuttgarter Arena ein Wechselbad der Gefühle - und am Ende einen dieser Momente, in denen man sich fragt, warum man Fußball liebt und hasst zugleich. Der SC Hamburg gewann beim VFL Stuttgart mit 2:1 (0:0) - dank eines 18-jährigen Teenagers, der offenbar keine Nerven kennt.

Aris Seitaridis heißt der Held des Abends. Gerade einmal volljährig, aber eiskalt wie ein Routinier, traf der griechischstämmige Stürmer gleich doppelt - in der 55. und in der 93. Minute. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Seitaridis hinterher mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Schüchternheit und Größenwahn pendelte. "Leonidas hat den Ball perfekt durchgesteckt, ich musste ihn nur noch reinlegen."

Dabei hatten die Stuttgarter das Spiel über weite Strecken im Griff. 13 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz, dazu eine Zweikampfquote knapp über 52 Prozent - Zahlen, die in den meisten Fällen für drei Punkte reichen. Nur diesmal nicht. "Wir hätten in der ersten Halbzeit drei machen müssen", knurrte VFL-Trainer Venni Mislintat. "Aber wir haben Hamburg leben lassen - und wer leben lässt, kriegt in der 93. Minute die Quittung."

Der Abend begann furios: Schon in der zweiten Minute prüfte Ruben Daens den Hamburger Keeper Nevio Bermudo mit einem Distanzschuss - ein Weckruf, den die Gäste dankend annahmen. Die Stuttgarter liefen hoch an, suchten ihre Flügel, schossen aus allen Lagen, als wollten sie den Ball magisch ins Tor reden. Maxim Tillman zog aus der zweiten Reihe ab (3., 16.), Marcio Dominguez versuchte es frech von rechts (4.). Doch der Ball wollte nicht rein.

Hamburg dagegen lauerte - und konterte. In der 19. Minute hatte Seitaridis die erste dicke Chance, scheiterte aber noch am glänzend reagierenden Jaime Oliveira. Doch der junge Stürmer ließ nicht locker. Nach der Pause war es dann so weit: Hamburg kombinierte sich durch die Mitte, Harrison Ramsay flankte scharf, und Seitaridis stand goldrichtig - 0:1 (55.).

Das traf Stuttgart mitten ins Herz, doch die Schwaben antworteten. Nur zwölf Minuten später belohnte sich Ingvar Abramson für seine unermüdliche Arbeit. Nach feiner Vorarbeit von David Ronaldo drosch der 21-Jährige den Ball humorlos unter die Latte - 1:1 (67.). "Ich hab einfach gedacht: Wenn er nicht rein will, dann halt mit Gewalt", lachte Abramson später.

In der Folge drückte Stuttgart, wollte mehr, kämpfte - und verlor dabei ein Stück seiner Ordnung. Eduardo Cabrero verletzte sich in der 72. Minute und musste raus, für ihn kam der junge Ricardo Frechaut, der sich prompt Gelb abholte (76.). Mislintat brachte frische Kräfte, doch die Nervosität war greifbar.

Hamburg dagegen blieb cool. Coach Tim Engel wirkte an der Seitenlinie wie der einzige Mensch im Stadion mit Puls unter 100. "Wir wussten, dass Stuttgart irgendwann aufmacht. Und dann brauchst du nur noch einen Pass", erklärte er trocken. Dieser Pass kam in der Nachspielzeit: Leonidas Mitroglou schob den Ball in die Tiefe, Seitaridis entkam der Abwehr - und vollendete zum 1:2 (93.).

Das Stadion verstummte. Nur eine kleine Ecke in Blau und Weiß jubelte ekstatisch. "Ich dachte zuerst, der Schiri pfeift ab", gab Seitaridis zu. "Aber als ich den Pfiff hörte, war’s der Schlusspfiff - und ich wusste, wir haben’s geschafft."

Stuttgart kassierte noch eine letzte Gelbe Karte (Zabaleta, 94.) - Symbol für einen Abend, an dem Einsatz und Leidenschaft nicht belohnt wurden. Hamburg hingegen nahm drei Punkte mit, die Gold wert sein könnten.

"So ist Fußball", seufzte Mislintat. "Wir spielen schön, die treffen spät - und am Ende steht’s 1:2."

Ein paar Reihen weiter im Presseraum fasste ein älterer Kollege das Geschehen mit einem Schulterzucken zusammen: "Stuttgart hatte den Ball, Hamburg hatte den Aris." Treffender kann man’s kaum sagen.

Und so ging ein stürmischer Abend zu Ende, der für Hamburg drei Punkte brachte und Stuttgart mit leeren Händen zurückließ - und mit der Erkenntnis, dass der Fußball manchmal ein grausamer Lehrer ist: Erst gibt er Hoffnung, dann Nachspielzeit.

17.11.643990 05:39
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Rainer Calmund
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