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Es war ein kalter Januarabend in Kopenhagen, an dem sich 16.000 Zuschauer im Parken-Stadion fragten, ob ihre Mannschaft vielleicht schon im Winterschlaf steckt. Doch der SC Kopenhagen und Viborg IF lieferten sich beim 1:1 (0:1) am 14. Spieltag der 1. Liga Dänemark ein Spiel, das zwar kein Spektakel, dafür aber reichlich Gesprächsstoff bot - inklusive jugendlicher Frechheit, alter Routine und einer Gelb-Roten Karte, die Eilert Petersen vermutlich noch im Traum verfolgen wird. Die Gastgeber begannen druckvoll, fast übermotiviert. Schon nach sieben Minuten prüfte Roberto Hernando den Viborg-Keeper Asier Quaresma mit einem strammen Schuss, und kurz darauf versuchte es Jan Bendtsen gleich mehrfach. "Jan hätte heute auch auf dem Tivoli schießen können, der Ball wäre trotzdem beim Torhüter gelandet", witzelte ein Fan auf der Tribüne. Tatsächlich war Bendtsen omnipräsent - und später sollte er noch eine entscheidende Rolle spielen. Doch zunächst schlug Viborg zu. In der 29. Minute kombinierte sich die Mannschaft von Trainer Boylsens Teamkollege David Johansson über rechts durch, passte clever auf den 20-jährigen Bodil Holm, der aus 18 Metern trocken abzog - 0:1! Torwart Albert Mocana war chancenlos. "Ich habe nur gesehen, wie der Ball flatterte. Da war nichts zu halten", erklärte Mocana später achselzuckend. Viborg jubelte, Kopenhagen fror - und zwar nicht nur wegen der Temperaturen. Bis zur Pause blieb das Bild gleich: Kopenhagen hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent) und Torschüsse (16:6), aber wenig Ertrag. Trainer Abe Boy schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, stapfte im dicken Mantel auf und ab und murmelte etwas, das wohl mit "Chancenverwertung" zu tun hatte. "Wir wollten ruhig bleiben", sagte Boy nach Abpfiff. "Aber irgendwann denkst du dir: Wenn der Ball nicht rein will, dann soll er doch wenigstens klingeln!" Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. Schon in der 46. Minute sah Viborg-Verteidiger Eilert Petersen Gelb, nachdem er den jungen Olaf Johannesen etwas zu herzlich begrüßt hatte. Johannesen, gerade einmal 18, zeigte sich davon unbeeindruckt - und bereitete später das Tor des Abends vor. In der 64. Minute nämlich war es so weit: Johannesen sprintete über rechts, schüttelte seinen Gegenspieler ab und flankte präzise in den Strafraum. Dort lauerte - wer sonst - Jan Bendtsen. Diesmal kein Tivoli, kein Fan-Spruch, sondern ein trockener Abschluss aus zehn Metern. 1:1! Das Stadion erwachte mit einem Schlag. "Ich musste irgendwann ja mal treffen", grinste Bendtsen später. "Olaf hat’s mir leicht gemacht - der Junge spielt, als ob er schon zehn Jahre dabei wäre." Kopenhagen drückte weiter, aber Viborg verteidigte geschickt - zumindest bis zur 88. Minute. Dann nämlich sah Petersen nach einem taktischen Foul an Bjarke Thomsen die Gelb-Rote Karte. Der Verteidiger stapfte vom Feld, schüttelte den Kopf und rief in Richtung Schiedsrichter: "Das war doch gar nichts!" Der Unparteiische blieb unbeeindruckt, und Viborg musste die letzten Minuten zu zehnt überstehen. Trotz Überzahl gelang es Kopenhagen nicht mehr, den Sieg zu erzwingen. Daniel Christiansen prüfte Quaresma in der 89. Minute noch einmal, doch der Torwart hielt mit einer Parade, die man in Viborg wohl als Bewerbungsvideo für die nächste Saison archivieren wird. Nach dem Spiel war die Stimmung geteilt. "Ein Punkt ist besser als keiner", meinte Kopenhagens Trainer Boy trocken. "Aber ehrlich gesagt fühlt es sich an wie zwei verlorene." Viborgs David Johansson, der Assistgeber des Führungstreffers, sah es anders: "Wir haben alles reingeworfen. Gegen Kopenhagen einen Punkt zu holen, das ist wie ein kleines Weihnachtsgeschenk." Statistisch gesehen war Kopenhagen überlegen - mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (54 Prozent). Doch am Ende blieb es bei der altbekannten Fußballweisheit: Wer seine Chancen nicht nutzt, der braucht wenigstens Humor. Vielleicht war es dieser Humor, der die Fans trotz Kälte lächeln ließ, als sie das Stadion verließen. Einer rief noch: "Beim nächsten Mal schießen wir gleich in der ersten Minute - dann haben wir mehr Zeit zum Zittern!" Und so geht der SC Kopenhagen mit einem frostigen Punkt in die Winterpause, während Viborg IF beweist, dass man auch mit eisernem Willen und einem jungen Mittelfeldspieler namens Bodil Holm in Kopenhagen bestehen kann. Vielleicht kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber definitiv eins für die dänische Fußballseele. 28.06.643987 14:07 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund