Jamaica News Bulletin
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Später Ausgleich rettet die Blues - 1:1 gegen Whistling FC

Ein lauer karibischer Abend, 59.000 Zuschauer im Kingston Stadium, und auf dem Rasen zwei Mannschaften, die Fußball so verschieden interpretieren wie Reggae und Marschmusik. Die Kingston Blues, offensiv, wild und mit langen Bällen auf alles, was nach Sturm aussah. Whistling FC dagegen - diszipliniert, defensiv, fast schon meditativ. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Trainern ein Schulterzucken, den Fans aber einiges an Herzklopfen bescherte.

Schon in den ersten Minuten legten die Blues los, als hätten sie noch einen frühen Flug zu erwischen. Innenverteidiger Isaac Bail (!) prüfte nach vier Minuten den Gästetorwart Adrian Miguel - ein Warnschuss aus der Kategorie "Wenn keiner will, mach ich’s halt selbst". In der Folge reihten sich Valentino Belvedere, Andre Conklin und Christophe Besson in die Schützenliste ein, aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "Wir hätten in der ersten Halbzeit eine ganze Reggae-Band aus Toren basteln können", knurrte Blues-Coach Kevin Tüllinghoff nach der Partie. "Aber unsere Instrumente waren wohl verstimmt."

Whistling FC kam erst Mitte der ersten Halbzeit in den Rhythmus. Andrej Beresuzki und Cesc Sorribas versuchten es aus der Distanz, fanden aber in Keeper Jacques Gramont ihren Meister. Der Rest der ersten Hälfte verlief wie ein Strandspaziergang im Gegenwind - viel Bewegung, wenig Ertrag. 0:0 zur Pause, dazu leicht genervte Gesichter im Publikum.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig am Bild: Kingston drückte, Whistling konterte - oder versuchte es zumindest. Ballbesitz? 52 Prozent für die Gäste, aber der Ballbesitz allein gewinnt keine Spiele, wie Trainer Gus Hidding später süffisant anmerkte: "Wir hatten den Ball oft, aber leider nicht immer in der Nähe des gegnerischen Tores."

Dann die 75. Minute - plötzlich Stille im Stadion. Jerome Bettencourt, der rechte Flügelstürmer der Gäste, bekam einen dieser seltenen Momente geschenkt, in denen Abwehr und Torwart kollektiv an einen verspäteten Pausenruf glaubten. Ein trockener Schuss, flach ins lange Eck - 0:1. Die Whistling-Bank explodierte, die Blues-Fans schauten, als hätte man ihnen den letzten Tropfen Rum geklaut.

Der Rest war pure Dramatik. Kingston wechselte, brachte frische Beine: Ellis Chisholm, Rene Carter und - entscheidend - den jungen Thierry Neville. Tüllinghoff ließ noch einmal alles nach vorn laufen. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn schon verlieren, dann wenigstens mit Stilbruch", grinste er später.

Die Schlussphase war ein einziger Belagerungszustand. Whistling verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit Armen. Michel McLeod holte sich in der 87. Minute Gelb ab, wohl aus purer Verzweiflung über die Dauerbelastung. Dann, in der 90. Minute, die Explosion: Andre Conklin flankte von links, der Ball segelte durch den Strafraum, und dort stand Neville - 20 Jahre jung, gerade eingewechselt, noch Schweißperlen vom Warmmachen auf der Stirn. Ein Schuss, ein Strahl, ein Tor. 1:1.

"Ich hab einfach draufgehalten", sagte Neville hinterher schüchtern in die Mikrofone. "Andre hat mir zugerufen: ’Mach’s wie im Training’ - und diesmal hat’s tatsächlich funktioniert."

Kurz darauf bekam Quinter Boryn noch Gelb, wohl weil der Schiedsrichter auch mal wieder pfeifen wollte. Dann war Schluss.

Statistisch sah das Ganze klar nach Blues aus: 17 Torschüsse zu 6, Zweikampfquote 53 zu 47 Prozent. Aber Fußball ist eben keine Mathematik. Die Blues spielten mit offenem Visier, Whistling blieb defensiv treu - und beide wurden mit einem Punkt belohnt.

Gus Hidding nahm das Ergebnis mit philosophischer Gelassenheit: "Ein Punkt in Kingston ist wie ein kühler Drink im Regen - selten, aber erfrischend." Kevin Tüllinghoff dagegen suchte Trost im Humor: "Wenn wir die Chancenverwertung trainieren, brauchen wir bald zwei Tore - eins zum Üben und eins für die Statistik."

Am Ende gingen die Zuschauer zufrieden nach Hause - mit heiseren Stimmen, leichtem Sonnenbrand und dem Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das man so schnell nicht vergisst.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Die Blues - die machen’s spannend, selbst wenn sie’s gar nicht wollen."

Und genau das ist wohl ihr größter Charme.

23.10.643987 19:53
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Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund
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