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Ein frostiger Abend in Quebec, aber die Stimmung im "Stade du Nord" war alles andere als kühl: 36.080 Zuschauer sahen am 25. Spieltag der 1. Liga Kanada ein Spiel, das vor allem eines zeigte - die Quebec Blues sind zu Hause eine Macht. Mit 2:0 besiegten sie die Vancouver Blues, die zwar mehr Ballbesitz (52 Prozent) hatten, aber kaum etwas damit anzufangen wussten. Die Gastgeber von Trainer Lutz Lindemann gingen von Beginn an mit einer klaren Strategie aufs Feld: offensiv, aggressiv, aber mit Bedacht. Schon in der 13. Minute prüfte Julien Malfoy den gegnerischen Keeper Henry Blanchard mit einem satten Schuss - ein erster Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte. "Lutz hat gesagt, wir sollen einfach draufhalten", grinste Malfoy später. "Ich hab das wohl etwas zu wörtlich genommen." Vancouver dagegen wirkte - man muss es so sagen - höflich. Sie ließen Quebec kommen, passten sich gegenseitig die Verantwortung zu und schossen in der ersten Halbzeit genau einmal aufs Tor. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Vancouvers Mittelfeldmann Harvey Preston nach der Partie, "aber irgendwie hat das Spiel uns kontrolliert." In der 29. Minute fiel dann das überfällige 1:0: Hanns Lauer tankte sich auf der rechten Seite durch, passte scharf in den Strafraum, und dort stand Diego Sousa - wie ein Uhrwerk. Mit einem kontrollierten Schuss ins lange Eck ließ er Blanchard keine Chance. Quebec führte, das Stadion bebte, und Lutz Lindemann ballte an der Seitenlinie die Faust. "So ein Tor sieht man in Kanada nicht jeden Tag", schwärmte der Trainer später mit einem Augenzwinkern. Bis zur Pause hätte Sousa noch zwei, drei weitere Treffer nachlegen können, doch mal stand der Pfosten im Weg, mal die Reflexe von Blanchard. Vancouver dagegen blieb harmlos: Zwei Torschüsse in 90 Minuten - statistisch darf man das fast als Zuschauerbeteiligung zählen. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Quebec blieb offensiv, Vancouver blieb höflich. In der 58. Minute fiel dann die Vorentscheidung: Malfoy, der unermüdliche Rechtsaußen, flankte präzise in den Strafraum, wo Sousa erneut lauerte. Eine Drehung, ein Schuss, ein Tor - 2:0. Sousa rannte jubelnd zur Eckfahne, und Malfoy grinste: "Ich hab ihm gesagt, wenn du den nicht machst, lauf ich nach Hause." Sousa traf - und blieb. Von Vancouver kam danach nichts mehr. Ihre "balanced"-Taktik war so ausgewogen, dass sie fast statisch wirkte. Trainer Alan McGregor (der Gastcoach, der lieber unerwähnt bleiben wollte) stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er den Ballbesitz persönlich festhalten. Quebec wechselte klug: In der 65. Minute kam der junge Destiny Udogie zu seinem Debüt - ein 18-Jähriger, der so nervös war, dass er beim Einlaufen fast über die Seitenlinie stolperte. "Ich hab nur gedacht: bitte nicht gleich beim ersten Kontakt den Ball verlieren", sagte er später lachend. Und tat es dann auch nicht. Kurz vor Schluss durfte noch Oliver Schmitt ran, Malfoy bekam seinen wohlverdienten Applaus. Sousa schoss weiter aus allen Lagen, als wolle er die Statistik persönlich aufbessern - am Ende standen 21 Torschüsse der Quebec Blues, ein Wert, der jede Excel-Tabelle glücklich macht. Vancouver? Zwei Schüsse. Kein Tor. Kein Trost. Preston meinte trocken: "Wir hatten den Ball öfter, aber die Tore zählen ja leider noch immer." Trainer Lindemann zog nach dem Spiel ein zufriedenes Fazit: "Wir spielen offensiv, wir riskieren, wir laufen. Ich mag das. Nur Sousa muss nächste Woche mal einen auslassen, sonst wird er übermütig." Sousa selbst konterte charmant: "Wenn ich aufhöre zu treffen, meckert er auch - also kann ich’s ihm sowieso nicht recht machen." Am Ende blieb das Fazit einfach: Quebec Blues mit Biss, Vancouver Blues mit Ballbesitz. 2:0 klingt klar, und es war klar. Die Blues aus Quebec marschieren weiter oben mit - und wer Diego Sousa in dieser Form sieht, darf sich auf weitere Tore freuen. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Sousa so weitermacht, nennen wir die Stadt bald Sousand." Ein bisschen übertrieben vielleicht - aber an diesem Abend war der Mann aus Portugal der unbestrittene Boss der Blues. 25.06.643993 17:24 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme