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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballgötter Humor haben. 12.500 Zuschauer im Estadio de Solo-Solo sahen ein Spiel, das schon gewonnen schien - und dann in den letzten Minuten in ein kleines Drama kippte. CD Solo-Solo führte, dominierte, spielte gepflegt - und verlor am Ende 1:2 gegen UD Concepcion, die sich mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut und stoischer Geduld den Sieg erkämpften. Die Geschichte des Spiels begann verheißungsvoll für die Gastgeber. Nach 41 Minuten belohnte sich CD Solo-Solo für eine druckvolle erste Halbzeit: Rafael Tristan, der flinke Linksfuß, zog nach Pass von Innenverteidiger Cesar Carballo von der Strafraumkante ab, und der Ball zappelte unhaltbar im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, ich schwöre, ich hab gar nicht gezielt", grinste Tristan später, während Carballo verschmitzt ergänzte: "Na ja, mein Pass war schon der halbe Treffer." Bis dahin hatten die Gastgeber 14 Torschüsse abgefeuert, Concepcion kam auf 12, aber in der ersten Hälfte schien das Kräfteverhältnis klar verteilt. 54 Prozent Ballbesitz, fast doppelt so viele Abschlüsse - alles sprach für die Mannschaft, die das Wort "Solo" gleich doppelt im Namen trägt. Doch vielleicht steckt in diesem Namen auch ein Fluch: Am Ende stand sie wieder alleine da. Denn im zweiten Durchgang änderte sich das Bild. UD Concepcion-Trainer Benjamin Merkel - die Presse nennt ihn liebevoll "der Taktikprofessor aus dem Süden" - brachte nach der Pause den 17-jährigen Stathis Sifakis für den müden Abwehrchef Bermudez und später zwei weitere Teenager, Aitor Carreras und Nelio Moreno. "Ich wollte frischen Wind - und vielleicht ein bisschen Unbekümmertheit", erklärte Merkel nach dem Spiel. Er bekam beides, und zwar in rauen Mengen. Zunächst aber schien Solo-Solo alles im Griff zu haben, bis Silvestre Pauleta in der 46. Minute Gelb sah - und zwölf Minuten später Gelb-Rot. Der erfahrene Rechtsaußen hatte sich offenbar vorgenommen, den Schiedsrichter zu testen. "Ich hab ihm nur gesagt, dass seine Pfeife klemmt", rechtfertigte sich Pauleta später mit einem Grinsen. Der Schiedsrichter verstand den Witz nicht. Mit einem Mann weniger begann das Pendel zu kippen. Der junge Nelio Moreno, gerade eingewechselt, brachte plötzlich Tempo über die linke Seite, Rafael Morais lauerte auf seine Chance. In der 80. Minute war es so weit: Segura flankte, Morais traf - 1:1. "Ich hab schon gerochen, dass der Ball zu mir kommt", meinte der 32-Jährige, der in dieser Szene roch wie ein alter Fuchs. Solo-Solo taumelte. Die Verletzung von Javi Hernando in der 79. Minute - kurz vor dem Gegentor - hatte das Team zusätzlich geschwächt. Ersatzmann Filipe de Freitas mühte sich redlich, doch die Ordnung war dahin. Als dann in der 87. Minute Concepcions Antonio Xavier nach Vorlage von Vincent Figo (nein, nicht *der* Figo, aber fast so schnell) den Ball zum 2:1 einschoss, war der Jubel auf der Gästebank grenzenlos. Merkel sprang, als hätte er selbst getroffen. "Wir haben das Spiel nie verloren geglaubt", sagte Merkel nach Abpfiff und lächelte milde, während sein Gegenüber nur den Kopf schüttelte. Der Coach von CD Solo-Solo murmelte in den Katakomben: "Manchmal spielt man wie Barcelona und verliert trotzdem wie ein Dorfklub." Statistisch betrachtet hätte Solo-Solo den Sieg verdient gehabt: Mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, bessere Zweikampfquote. Aber Fußball ist kein Statistikprojekt, sondern eine Laune mit Leder. Concepcion nutzte seine Chancen eiskalt, während die Gastgeber trotz engagierter 90 Minuten in der Nachspielzeit nur noch einen verzweifelten Fernschuss von Vincent Carvalho zustande brachten. Zum Schluss gab es noch Rot für Concepcions Nuno Pinto in der 91. Minute - eine kleine Randnotiz in einem Spiel, das längst entschieden war. Der Verteidiger erklärte später: "Ich wollte nur den Ball treffen. Leider war da auch ein bisschen Gegner." So endete der 11. Spieltag der 1. Liga Chile mit einer jener Partien, die man noch lange bespricht: Ein Team, das alles richtig machte - bis es falsch lief. Und ein Gegner, der kaum etwas richtig tat - bis er plötzlich alles traf. Vielleicht hätte man es kommen sehen können. Vielleicht aber auch nicht. Sicher ist nur: Wenn Fußball ein Drehbuch wäre, hätte Hollywood an diesem Abend ein Happy End für UD Concepcion geschrieben - und CD Solo-Solo die Rolle des tragischen Helden überlassen. Oder, wie es ein Zuschauer auf der Tribüne flüsterte, während er sein Bier austrank: "Solo-Solo? Heute eher Solo-So-Lala." 14.05.643987 19:15 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer