// Startseite
| Sverige Fotboll |
| +++ Sportzeitung für Schweden +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen Fußballstatistiker nervös mit ihren Tabellenkalkulationen wedeln und Trainer graue Haare bekommen. Der FC Sirius bezwang am 7. Spieltag der 1. Liga Schweden den FC Nauco mit 1:0 - ein Ergebnis, das ungefähr so viel über das Spiel aussagt wie ein Wetterbericht über die Temperatur auf dem Mond. 16.000 Zuschauer sahen ein Duell zwischen Präzision und Pech, zwischen Effizienz und Vergeudung - und am Ende lachte das Team, das seltener schoss. Denn während Nauco ganze 19 Mal auf das Tor drosch, schaffte Sirius magere fünf Abschlüsse - einer davon, in der 77. Minute, fand sein Ziel. Vincent Mattson, der linke Mittelfeldspieler mit dem unauffälligen Blick und der auffälligen Schusstechnik, verwandelte nach Vorarbeit von Iuliu Codrea. "Ich dachte ehrlich, der Ball fliegt in den Parkplatz", grinste Mattson später, "aber dann jubeln plötzlich alle - da hab ich’s wohl gut getroffen." Bis zu diesem Moment hatte Nauco das Spiel weitgehend im Griff. Schon in der Anfangsphase setzte der junge Martin Pfeiffer auf der linken Seite mehrere Duftmarken, allerdings eher in den Oberrängen als im Netz. Trainer Mr. Hawk, ein Mann von imposanter Ruhe, hob nach dem dritten vergebenen Versuch seines Stürmers nur kurz die Augenbrauen. "Wir haben den Ballbesitz nicht gebraucht, um zu gewinnen", sagte er später mit trockenem Humor, "aber anscheinend auch nicht, um zu treffen." Mit 54 Prozent Ballbesitz und ansehnlichem Kombinationsspiel sah Sirius lange wie das Team aus, das sich vergeblich mühte. Torwart Rikard Samuelsson war der meistbeschäftigte Mann auf dem Platz - und der beste. In der 43. Minute fischte er einen Pfeiffer-Schuss aus dem Winkel, dass selbst der Gegner applaudierte. "Ich hab ihn kommen sehen und gedacht: Na, das wird eng. Dann war der Ball plötzlich in meinen Händen. Keine Ahnung wie", erklärte Samuelsson und klopfte lächelnd auf seine Handschuhe. Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Naucos Rechtsverteidiger Anders Norman versuchte sich in Minute 13 an einem Fernschuss, der mehr nach Rugby als nach Fußball roch. Sirius’ Holger Pederson schoss einmal aus spitzem Winkel vorbei - und verletzte sich später in der 69. Minute, als er beim Sprintduell unglücklich wegrutschte. Während Pederson mit bandagiertem Knie vom Feld humpelte, wurde er von der Menge mit warmem Applaus verabschiedet. "Nur eine Zerrung", beruhigte er später mit einem Augenzwinkern. "Aber mein Stolz hat ein bisschen mehr abbekommen." Und dann kam die 77. Minute. Codrea, der bis dahin unauffällig, aber stets bemüht gewirkt hatte, tanzte an der linken Seitenlinie zwei Verteidiger aus und legte flach zurück. Mattson nahm Maß, drehte sich leicht - und schoss. Kein Vollspann, kein Wuchtgeschoss, sondern ein präziser, fast zärtlicher Schlenzer ins rechte Eck. Torwart Baltsar Dahlin streckte sich vergeblich. Das Stadion explodierte. "So ein Schuss fällt dir vielleicht einmal im Jahr", bemerkte Sirius-Coach trocken, "und heute war halt dieser Tag." Nauco reagierte wütend, jung und ungestüm. Der 17-jährige Vilhelm Paulsson feuerte noch dreimal auf Samuelssons Gehäuse, traf aber nur dessen Selbstvertrauen. In Minute 71 sah Innenverteidiger Joonas Koppinen Gelb, nachdem er Codrea ummähte wie ein Gärtner im Stress. "Er ist mir einfach davongelaufen", sagte Koppinen später entschuldigend, "da blieb nur der Rasenmäher-Modus." Taktisch blieb alles, wie es begonnen hatte: Sirius spielte gewohnt ausgewogen, Nauco über die Flügel, mit viel Tempo und wenig Zielwasser. Am Ende standen 19:5 Torschüsse für die Gäste - und ein Ergebnis, das sich anfühlt wie ein schlechter Scherz. "Wir hätten hier drei Spiele gewinnen können", murmelte Mr. Hawk in der Pressekonferenz, "aber Fußball ist manchmal ein grausamer Lehrer." Sein Gegenüber, der Sirius-Trainer, grinste nur: "Ja, aber manchmal gibt’s für Fleiß auch eine Eins in Effizienz." Als die Flutlichter erloschen und die letzten Fans noch über "das Wunder von Uppsala" witzelten, blieb vor allem eine Erkenntnis: Sirius hat vielleicht nicht das schönere Spiel gezeigt, aber das entscheidende. Und im Fußball, das wissen alle, zählt am Ende nur, wessen Netz wackelt - nicht, wer öfter draufschießt. Oder, wie es Vincent Mattson beim Hinausgehen formulierte: "Ein Tor ist ein Tor. Und wenn’s das einzige ist - umso besser." 08.04.643987 13:30 |
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund