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SG Rudisleben siegt in Dresden - Heise trifft, Friedrich staubt ab, Schubert tröstet

Wenn Flutlichtspiele in der Oberliga D eines garantieren, dann Dramatik mit leichtem Lokalkolorit. 3422 Zuschauer im Dresdner Stadion bekamen am späten Mittwochabend genau das: ein 1:2 gegen die SG Rudisleben, das die Hausherren mit hängenden Köpfen, aber immerhin erhobenem Stolz verließen. "Wir haben nach der Pause Charakter gezeigt", sagte Dresdens Trainer Maik Köppe, "nur leider erst, als das Kind schon im Brunnen lag."

Dabei begann die Partie offen, fast übermütig. Dresdens Ralf Fleischer prüfte nach drei Minuten den Rudislebener Keeper Julian Fritz mit einem satten Rechtsschuss - der erste Warnschuss, der letzte war’s nicht. Doch wer glaubte, das Heimteam würde danach Fahrt aufnehmen, irrte. Rudisleben übernahm Stück für Stück die Kontrolle, als hätten sie die Spieluhr auf Dauerbesitz gedreht. Am Ende wiesen die Statistiker 54,8 Prozent Ballbesitz und satte 19 Torschüsse für die Gäste aus - gegen 45 Prozent und 11 Versuche der Dresdner. Zahlen, die sprechen, auch wenn sie Dialekt haben.

Die Tore fielen kurz vor der Pause - so plötzlich, dass mancher Zuschauer noch in der Bratwurstschlange stand. In der 41. Minute setzte sich Tyler Fergusson im Mittelfeld durch, steckte den Ball clever auf Nico Heise durch, der trocken ins rechte Eck vollendete. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Heise später, "und gehofft, dass der Breuer nicht noch ein Bein dazwischenkriegt." Zwei Minuten darauf dann der Schock in Gelb: Rudislebens Linksverteidiger Marko Friedrich, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, stand nach einem Abpraller goldrichtig und staubte zum 0:2 ab - wieder nach Zuspiel von Fergusson.

Dresden taumelte in die Kabine, zwei Gelbe Karten in der 47. und 49. Minute (Andrew Prentiss und Max Busch) zeigten, dass die Nerven dünn wurden. Trainer Köppe soll in der Halbzeit lautstark an die "Ehre der Stadt" appelliert haben - jedenfalls kam seine Mannschaft mit mehr Biss zurück. Robin Krebs und Ralf Fleischer probierten es mehrfach, Pauel Van Antwerp prüfte Fritz mit einem Kopfball aus nächster Nähe. Doch der Anschluss wollte nicht fallen - bis zur 72. Minute.

Da spielte der 17-jährige Prentiss plötzlich den alten Hasen: Frech zog er von rechts ein, legte quer, und Thomas Schubert drosch den Ball unter die Latte. 1:2 - und plötzlich tobte das Stadion. "Wenn du so ein Tor machst, glaubst du kurz, du kannst alles drehen", sagte Schubert später. "Dann merkst du: du bist immer noch in der Oberliga."

Rudisleben wankte, aber fiel nicht. Filipe Mendes sah noch Gelb (75.), was Trainer und Zuschauer gleichermaßen beunruhigte - "Filipe hat manchmal das Temperament eines Espresso", witzelte ein Rudislebener Betreuer. Doch die Gäste hielten clever dagegen, ließen Dresden laufen und warteten auf Konter. Heise, unermüdlich, hatte in der 89. noch eine Riesenchance, doch Dresdens Torwart Stefan Probst hielt die Hoffnung mit einer Glanzparade am Leben.

Am Ende blieb es beim 1:2 - ein Ergebnis, das Rudisleben jubeln und Dresden grübeln ließ. "Wir spielen nicht schlecht, wir verlieren nur", resümierte Köppe mit trockenem Humor. Sein Gegenüber, ein lächelnder Rudislebener Coach (der Name blieb ungenannt, aber sein Grinsen sagte alles), meinte: "Wir wollten einfach nicht mehr verlieren als nötig - und haben das Minimum maximiert."

Statistisch gesehen war’s ein verdienter Sieg: mehr Abschlüsse, mehr Ballbesitz, mehr Effizienz. Doch Dresden hatte Herz, und das Publikum honorierte das - mit Applaus statt Pfeifkonzert. Vielleicht, weil man spürte, dass hier eine junge Truppe wächst: Prentiss (17), Busch (19), Krebs (19) - allesamt mit Mut, manchmal mehr als Verstand, aber das ist im Fußball keine Beleidigung.

Die Rudislebener dagegen glänzten mit Routine. Fergusson zog im Mittelfeld die Fäden, Heise rannte, als stünde ein Marathonpreisgeld auf dem Spiel, und Friedrich schrieb sich mit seinem Abstauber in die Torschützenliste - zum ersten Mal seit Monaten. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er lachend, "aber manchmal ist Ehrlichkeit die beste Taktik."

Am Ende gingen die Lichter aus, die Zuschauer nach Hause und die Statistik an die Analysten. 1:2, 3422 Zuschauer, drei Tore, drei Gelbe Karten, 30 Torschüsse insgesamt. Fußball eben, wie er in der Oberliga geschrieben wird - mit Schweiß, Zufall und einer Prise Ironie.

Oder, wie ein älterer Fan beim Bierstand sagte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil." Und das, an einem kalten Februarabend in Dresden, war fast so viel wert wie ein Punkt.

05.05.643990 18:52
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