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Was für ein Abend in der Verbandsliga N! Unter den 2014 Zuschauern im Gresaubacher Stadion herrschte am 5. Januar 2026 beste Laune - zumindest auf den Rängen der Gastgeber. Die SG Gresaubach fegte Germania Gonsenheim mit 6:0 vom Platz, und das Ergebnis war eher noch schmeichelhaft für die Gäste. "Ich musste mich zwicken, um sicherzugehen, dass das kein Testspiel war", witzelte SG-Trainer André Schmitt nach dem Abpfiff. Schon nach zwei Minuten hatte Brandon Musgrave die erste Riesenchance, und es war ein Vorgeschmack auf das, was Gonsenheim erwarten sollte: Dauerbeschuss. Ganze 29 Torschüsse verbuchte die Statistik für Gresaubach - gegen drei kümmerliche Versuche der Gäste. Ballbesitz? 59 zu 41 Prozent. Tacklingquote? 58 Prozent für die Hausherren. Kurz: ein Klassenunterschied. Das Torfestival begann in der 24. Minute. Fabio Bosingwa, der rechte Wirbelwind mit der Ruhe eines Uhrmachers, verwandelte nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Bruno Brito - ja, genau, der Verteidiger, der an diesem Abend offenbar als verkappter Spielmacher auftrat. "Bruno hat da einfach gespürt, dass ich frei stehe. Und dann war’s nur noch ich, der Ball und der Torwart - und der Torwart hatte den schlechtesten Platz", grinste Bosingwa hinterher. Nur sieben Minuten später durfte Pehlivan Özari ran. Wieder kam der Pass von Brito, wieder schlug’s im Netz ein. Gonsenheim wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Touristenverein, der versehentlich in einem Profispiel gelandet war. Dann kam Brandon Musgrave. Erst in der 34. Minute, dann in der 42. - zwei Tore in acht Minuten, beide Male eiskalt. Das zweite bereitete Bosingwa vor, der nach dem Motto "Sharing is caring" lieber querlegte, statt selbst zu schießen. Zur Pause stand es 4:0, und die Partie war längst entschieden. "Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, das ist kein FIFA-Spiel, das ist echt!", erzählte Schmitt später lachend. Seine Spieler hatten da aber offenbar andere Pläne - nämlich, die Statistik weiter aufzuhübschen. In der 60. Minute war es erneut Musgrave, diesmal nach Vorarbeit von Özari, der den Ball unter die Latte nagelte. Hattrick! Der 19-Jährige winkte danach Richtung Tribüne, wo einige Fans ein Transparent mit der Aufschrift "Musgrave Airlines - Fliegen lernen vom Feinsten" entrollt hatten. Gonsenheim hingegen wirkte wie ein Team auf Klassenfahrt: nett, bemüht, aber ohne Orientierung. Nur selten kamen sie überhaupt in die Nähe des Tores von Samuel Kerr, der sich über mangelnde Beschäftigung beklagte. "Ich hab mir zwischendurch die Handschuhe ausgezogen, um die Finger zu wärmen", scherzte der Torwart. Immerhin: In der 74. Minute hatte Marvin Schubert eine kleine Chance, aber das war’s dann auch. In der 72. Minute sah Gonsenheims Jesus Beckmann Gelb - vielleicht aus Frust, vielleicht, um wenigstens einmal im Spielbericht aufzutauchen. Zuvor hatte sein Teamkollege Emerich Bükössy schon in der 49. Minute verletzt rausgemusst, was Trainer Zimmermann (der Name blieb lieber ungenannt) zum Seufzen brachte: "Wenn’s läuft, dann läuft’s - nur leider in die falsche Richtung." Zum Abschluss des Abends setzte Liam Lux in der 89. Minute den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Alfie Primes schob er den Ball locker ins lange Eck - 6:0. Die Zuschauer standen, einige zählten laut die Tore mit, andere forderten scherzhaft "zweistellig". Nach dem Schlusspfiff gab’s Standing Ovations. "Das war Fußball, wie man ihn sehen will", meinte ein älterer Fan, "und nicht dieses Gekicke aus dem Fernsehen." Trainer Schmitt nickte zufrieden: "Wenn du so spielst, brauchst du keine Taktiktafel. Dann brauchst du nur Begeisterung - und vielleicht einen Musgrave." Gonsenheim dagegen wird sich fragen müssen, was da eigentlich passiert ist. 90 Minuten "balanced alignment", wie es die Taktikdaten zeigen, aber null Wirkung. Kein Pressing, kein Funken Aggressivität - und am Ende sechs Gegentore. Vielleicht war das Spiel ein Warnschuss, vielleicht ein Weckruf. Für die SG Gresaubach war es jedenfalls ein Statement. Und wer weiß - wenn sie so weitermachen, wird man in der Verbandsliga N bald von "Gresaubacher Verhältnissen" sprechen. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Heute war’s kein Fußballspiel - das war ein Kunstwerk. Nur dass die Gonsenheimer leider die Leinwand waren." 06.03.643987 13:23 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer