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Ein stürmischer Februarabend in Dresden, Flutlicht über der "Oberliga D" und 3.271 Zuschauer, die sich nach 90 Minuten die Hände rieben: nicht wegen der Kälte, sondern wegen einer furiosen zweiten Halbzeit der SG Dresden, die nach 0:1-Rückstand den SV Steinach mit 3:1 bezwang. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Die Gäste aus Thüringen begannen abgeklärt, ballsicher, ja fast überheblich. 53 Prozent Ballbesitz und neun Torschüsse sprechen für sich - doch was am Ende zählt, sind Tore. Und die machte Dresden, wenn auch erst nach der Pause. Schon früh hatte Dresdens Jungspund Robin Krebs (19) das erste Ausrufezeichen gesetzt, als er in der dritten Minute aus halblinker Position abzog - Steinachs Torwart Wilhelm Schultz bestand seine erste Prüfung. Doch dann, wie aus dem Nichts: In der 20. Minute schlug Steinachs Jörg Reuter zu. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Rostislaw Prochorow nahm Reuter den Ball elegant mit der Brust an, ließ Dresdens Markus Meyer stehen und netzte flach ins lange Eck. 0:1, und plötzlich war das Stadion still - abgesehen von den 50 mitgereisten Steinach-Fans, die sangen, als stünde der Aufstieg schon fest. "Da haben wir uns kurz zu sicher gefühlt", gab Dresdens Trainer Maik Köppe später zu, "aber ich wusste, dass wir zurückkommen, wenn wir endlich das Tempo anziehen." Gesagt, getan. Nach der Pause war es, als hätte jemand die Stromzufuhr bei Dresden aufgedreht. Nur 40 Sekunden nach Wiederanpfiff dribbelte sich Linksaußen Thomas Schubert durch die Steinacher Abwehr, bekam den Ball von Youngster Max Busch in den Lauf gespielt und schob aus spitzem Winkel zum 1:1 ein. Der Jubel war ohrenbetäubend - und in diesem Moment wusste jeder: das Spiel hat gedreht. Fünf Minuten später setzte der 17-jährige Andrew Prentiss, vermutlich noch mit Milchzähnen, aber schon mit Nerven aus Stahl, den nächsten Stich. Nach Vorlage von Robin Krebs traf der Teenager volley zum 2:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er nach dem Spiel, "Coach Köppe sagt immer: Wer nicht schießt, trifft auch nicht." Steinach wankte, die Defensive wirkte plötzlich so löchrig wie ein Schweizer Käse. Und in der 55. Minute war es wieder Schubert, der nach einem Durcheinander im Strafraum den Ball über die Linie drückte - 3:1. Die Partie war entschieden. Was folgte, war ein Lehrstück in Sachen Spielkontrolle. Dresden überließ Steinach den Ball, verteidigte clever und lauerte auf Konter. Nur einmal wurde es noch brenzlig, als Jörg Reuter in der 88. Minute aus 20 Metern abzog, doch Dresdens Keeper Stefan Probst fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel - der Applaus der Zuschauer war ihm sicher. Nicht so glimpflich verlief es für Steinachs Tomasz Michel, der schon in der 12. Minute verletzt raus musste. "Das war ein Schlag auf die Rippen, da ging gar nichts mehr", erklärte Trainer Jürgen Fritzsche nach dem Spiel und fügte mit einem ironischen Lächeln hinzu: "Danach war der Plan sowieso über den Haufen geworfen." Auch Schiedsrichter Böhme hatte gut zu tun: Gelb für Jürgen Haag nach zehn Minuten, zwei Verletzungsunterbrechungen, eine späte Auswechslung bei Dresden, als der angeschlagene Maximilian Breuer humpelnd das Feld verließ. Köppe reagierte cool: "Breuer hat sich nur vertreten. Der Junge kann auch auf einem Bein noch Flanken schlagen." Am Ende stand ein 3:1, das deutlicher wirkte, als es die Statistik vermuten lässt. Steinach hatte mehr Ballbesitz, Dresden mehr Herz. 14 Torschüsse zu 9, dazu eine Zweikampfquote von 52 Prozent - das spricht für Einsatz und Wille. "In der Halbzeit haben wir uns angeschrien, aber im guten Sinne", verriet Doppelpacker Schubert nach dem Spiel. "Ich hab zu den Jungs gesagt: Jetzt zeigen wir mal, dass Dresden nicht nur Elbflorenz, sondern auch Kampfstadt ist!" Mit diesem Sieg klettert die SG Dresden weiter in der Oberliga-Tabelle, während Steinach ratlos zurückbleibt. "Wir verlieren hier 1:3 und wissen eigentlich nicht, warum", meinte ein sichtlich frustrierter Kapitän Reuter. Vielleicht, weil Dresden nach der Pause einfach mehr wollte - und weil Leidenschaft manchmal schwerer zu verteidigen ist als ein schneller Stürmer. Ein augenzwinkerndes Fazit also: Wenn Maik Köppes Team weiter so spielt, wird’s in Dresden bald schwer, noch an Karten zu kommen. Und wer beim nächsten Mal wieder erst zur zweiten Halbzeit kommt, der verpasst vielleicht das schönste Comeback der Saison. 31.03.643990 07:30 |
Sprücheklopfer
Ich freue mich, meine ehemaligen Spieler später irgendwo auf der Welt wiederzutreffen. Oder in der Schweiz.
Köbi Kuhn, Nationaltrainer Schweiz