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Ein lauer Januarabend in Andalusien, 34.224 Zuschauer im Estadio de los Bites, und von Beginn an war klar: Heute würde Bites Sevilla keine halben Sachen machen. Trainer Hamudi Salman hatte seine Elf im klaren Angriffsmodus auf den Platz geschickt, während der FC Santander so defensiv wirkte, als spiele er noch mit Jetlag vom Busparkplatz. Am Ende leuchtete ein standesgemäßes 3:0 (1:0) auf der Anzeigetafel - und wer dabei war, wird sich noch eine Weile an dieses Fußballfest erinnern. Schon nach sieben Minuten kochte das Stadion: Joseba Duran, gerade 24, zündete auf der linken Seite den Turbo, bekam den Ball von Jorge Barros, machte einen Haken nach innen und schloss trocken ins rechte Eck ab. Ein Tor, das so früh kam, dass einige Fans noch mit der Sonnenbrille kämpften. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Duran später, "aber der Ball hatte wohl eigene Pläne." Santander, ohnehin nicht als Offensivwunder bekannt, reagierte mit - gar nichts. Ein einziger Torschuss im gesamten Spiel (die Statistik lügt nicht: 1 zu 14) spricht Bände. Der Versuch von Diego Ortiz in der 14. Minute war mehr ein freundlicher Gruß an Sevillas Keeper Pedro de los Reyes als ein echter Angriff. Danach fiel der Gast prompt in eine Art kollektiven Winterschlaf. Währenddessen kombinierte Sevilla munter weiter. Agustín Silva zog im Mittelfeld die Fäden, Didier Bernier rieb sich vorne zwischen den Innenverteidigern auf, und Adrian Rivilla, der flinke Linksaußen, sorgte mit seinen Läufen für ständige Unruhe. Nur das zweite Tor wollte lange nicht fallen. Filipe Custodio prüfte Keeper Allington in der 42. Minute mit einem strammen Schuss, doch der Engländer im Santander-Tor hielt, was zu halten war - noch. Dann kam die 64. Minute, und wieder war es Rivilla, der sich für seine unermüdliche Arbeit belohnte. Nach Vorarbeit von Silva setzte er sich im Strafraum gegen zwei Verteidiger durch und traf mit einem Flachschuss zum 2:0. "Ich hab einfach gedacht: irgendwann muss das Ding rein", sagte Rivilla, "und diesmal war der Ball vernünftig erzogen." Nur fünf Minuten später folgte das Sahnehäubchen: Sergi Rodrigo, der 33-jährige Dauerläufer auf rechts, verwertete eine butterweiche Flanke von Iban Mocana zum 3:0. Die Zuschauer sprangen auf, als hätte jemand Freibier angekündigt. Rodrigo rannte jubelnd zur Eckfahne, deutete auf seinen Kopf und rief: "Da oben passiert manchmal auch was!" Santander? Nun ja. Trainer Esteban Carreño (der Mann wirkte zunehmend ratlos) schickte von der Seitenlinie ein paar verzweifelte Kommandos ins Leere. Seine Mannschaft blieb brav im "balanced alignment", wie die Taktiktafel sagt, aber auf dem Feld war davon wenig zu sehen. Kein Pressing, kein Aufbäumen, kein Funken Gefahr. Immerhin blieb ihnen eine Rote Karte erspart - nur Asier Melendez sah in der Nachspielzeit Gelb, vermutlich aus purer Langeweile. Mit 55 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von fast 59 Prozent kontrollierte Sevilla das Geschehen nach Belieben. Selbst die Ersatzspieler machten sich beim Warmmachen gegenseitig Komplimente. Coach Salman zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden: "Wir wollten früh Druck machen, das hat funktioniert. Ich sag immer: Wenn du das Tor triffst, musst du nicht über den Schiedsrichter reden." In der Mixed Zone war die Stimmung entsprechend ausgelassen. Duran scherzte, er habe nun "einen Freibrief fürs Ausgehen", während Rivilla versprach, seine Torschuhe "heute Nacht nicht auszuziehen". Und Keeper de los Reyes, der kaum beschäftigt war, grinste: "Ich hab mehr mit dem Balljungen geredet als mit meinen Verteidigern." Santander dagegen verschwand wortlos im Kabinentrakt. Nur ein Betreuer murmelte: "Immerhin hat der Busfahrer mehr Kilometer gemacht als unsere Stürmer." So bleibt ein klarer 3:0-Heimsieg, der Bites Sevilla in der Tabelle weiter nach oben klettern lässt - und Trainer Salman einen ruhigen Schlaf beschert. Für den FC Santander hingegen war es ein Abend zum Vergessen, irgendwo zwischen harmlos und unsichtbar. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es herrlich trocken zusammenfasste: "Manchmal ist Fußball ganz einfach - wenn nur einer spielt." 16.11.643987 00:19 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund