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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Gäste den Weg ins Stadion freiwillig gefunden haben oder ob jemand sie dorthin geschickt hat. 30.728 Zuschauer erlebten im Estádio do Bonfim ein einseitiges Fußballtheater: Vitoria Setubal zerlegte Marina Funchal mit 4:0 - und das mit einer Lockerheit, die fast unverschämt wirkte. Schon nach elf Minuten begann das Unheil für die Gäste. Manuel Chalana, der Mittelstürmer mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, verwertete eine butterweiche Vorlage von Gianni Di Calabria. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Chalana nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht in den Hafen fliegt." Er flog nicht - er zappelte im Netz. Danach war Funchal nur noch Statist. In der 26. Minute drehte Vorlagengeber Di Calabria selbst auf: Nach feiner Vorarbeit von Jorge Delgado schlenzte er den Ball ins lange Eck - 2:0, und Trainer Ramon Seidel rannte wie ein aufgezogener Duracell-Hase die Seitenlinie entlang. "Da war Feuer drin, und zwar nicht nur im Ball", lachte Seidel später. Drei Minuten später - kaum hatte Funchal einmal durchgeatmet - traf Callum Greaves. Wieder war Di Calabria beteiligt, diesmal als Assist-Künstler, der den Ball so sanft in den Strafraum legte, dass man fast Applaus für die Ästhetik erwartet hätte. Greaves vollendete kompromisslos. 3:0 nach 29 Minuten - das Spiel war da schon entschieden, auch wenn die Uhr noch lange nicht auf Halbzeit stand. Marina Funchal? Zwei kümmerliche Torschüsse, ein paar verzweifelte Befreiungsschläge und ein Mittelfeld, das schon in der 40. Minute so müde wirkte, als hätte es eine Alpenüberquerung hinter sich. Carlos Dominguez, der linke Mittelfeldmann, sorgte immerhin für Unterhaltung: Erst eine Gelbe Karte wegen eines rustikalen Einsteigens, dann in der 62. Minute die Ampelkarte - eine Art Urlaubsfreigabe vom Schiedsrichter. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Dominguez, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Setubal ließ sich davon nicht beirren. In der 54. Minute setzte Ingo Antonio den Schlusspunkt - natürlich nach Vorlage von Jorge Delgado. Ein Schuss aus 18 Metern, trocken, präzise, und Torhüter Leandro Pauleta streckte sich vergeblich. 4:0, fertig, sauber. Danach verwaltete Setubal das Ergebnis mit der Ruhe eines Beamten kurz vor der Pension. 21 Torschüsse für Setubal, nur zwei für Funchal - eine Statistik, die alles sagt. Der Ballbesitz von 55 Prozent wirkte fast bescheiden, denn effektiv hatte Vitoria das Spiel über volle 90 Minuten im Griff. Selbst als Trainer Seidel in der 80. Minute den 17-jährigen Nael Jorge brachte, um dem Debütanten ein paar Minuten Luft des Profifußballs zu gönnen, blieb die Ordnung erhalten. "Ich hab ihm gesagt: Junge, mach’s einfach wie auf dem Schulhof - nur ohne Pausengong", witzelte Seidel. Funchals Trainer - der sich nach Spielschluss lieber wortlos in den Kabinentrakt schlich - hatte zuvor noch versucht, sein Team offensiv zu halten. Doch die Offensive blieb ein Gerücht. "Wir wollten mutig auftreten", soll er gemurmelt haben, "aber Mut ohne Ballbesitz ist schwierig." Louis Primes, Setubals rechte Abwehrkante, sah in der 84. Minute noch Gelb - vermutlich aus Langeweile. "Ich wollte wenigstens einmal im Spielbericht auftauchen", grinste er später in der Mixed Zone. Das Publikum feierte am Ende jeden Pass, jede Ballannahme, sogar jede Auswechslung. Filipe Barros, der in der 75. Minute für den ausgepowerten Greaves kam, wurde mit Standing Ovations begrüßt - als wäre er der fünfte Torschütze. "Wir haben heute nicht nur gut gespielt, wir haben Spaß gehabt", fasste Di Calabria das Spiel zusammen, während er sich einen Schweißtropfen von der Stirn wischte. Spaß - das trifft es ziemlich genau. Für Vitoria war es ein Fußballfest, für Marina ein Albtraum mit Flutlicht. Und während die Zuschauer noch die letzten Gesänge anstimmten, lehnte sich Trainer Seidel entspannt zurück und meinte: "Wenn Fußball immer so einfach wäre, würde ich ihn fast langweilig finden." Ein Satz, der an diesem Abend wohl niemandem aus Funchal über die Lippen gekommen wäre. 02.04.643990 06:07 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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