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Es war einer dieser Abende, an denen 12.500 Zuschauer in Bayreuth dachten: "Vielleicht heute." Vielleicht der Tag, an dem die SpVgg Bayreuth den großen Favoriten Servus München ins Wanken bringt. Und tatsächlich, für 20 Minuten schien alles möglich. Doch am Ende setzte sich die Klasse und Kaltschnäuzigkeit der Gäste durch. 1:3 hieß es nach 90 Minuten - ein Ergebnis, das deutlicher war, als es die Hoffnung der Bayreuther Fans verdient hatte. Dabei begann alles so vielversprechend. In der 18. Minute ließ Giuseppe Casole Bruzio, Bayreuths quirliger Rechtsaußen, das Stadion erzittern. Nach einem blitzschnellen Angriff jagte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Torwart Phillipp Krug aus München schaute der Kugel nur hinterher - und die Tribüne explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Casole Bruzio später und fügte augenzwinkernd hinzu: "Vielleicht sollte ich das öfter machen - war ja unser einziger Schuss aufs Tor." Recht hatte er: Bayreuth blieb in der Statistik mit null Torschüssen geführt, was daran lag, dass sein Treffer wohl als einziger Versuch im Netz landete und nicht in der Zählung der verfehlten Chancen auftauchte. Servus München jedoch reagierte auf den Rückstand mit kalter Präzision. Trainer Roland Weidner schob die Brille hoch, rief "Über die Flügel!" - und schon flogen die Angriffe im Minutentakt. 16 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende, und man hatte das Gefühl, alle kamen in der ersten Halbzeit. In der 38. Minute fiel der verdiente Ausgleich: Georges Ames, Münchens pfeilschneller Rechtsaußen, verwertete eine punktgenaue Hereingabe von Toni Lagerblom. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Ames bescheiden - was bei einem Volley aus zwölf Metern leicht untertrieben klang. Nach dem Seitenwechsel wurde Bayreuths Defensive zum Belastungstest. Torhüter Maik Schade, der bis dahin glänzend gehalten hatte, musste in der 65. Minute raus - "muskuläre Probleme", wie Coach Markus Herrmann später erklärte. Ersatzkeeper Fabio Lorusso kam - und durfte gleich hinter sich greifen. In der 52. Minute hatte Ames bereits das 1:2 markiert, nach Vorlage von Frederic Günther, und 14 Minuten später machte Toni Lagerblom mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern alles klar. Espinosa hatte mustergültig vorbereitet, und Lorusso streckte sich vergeblich. Bayreuth kämpfte, wechselte, lief - aber ohne Durchschlagskraft. Kein einziger weiterer Abschluss fand den Weg aufs Tor. Stattdessen sammelten die Gäste fleißig gelbe Karten: Gabriel Perlman sah erst Gelb (34.) und dann Gelb-Rot (77.), nachdem er etwas zu temperamentvoll in einen Zweikampf ging. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er - worauf Teamkollege Javi Henrico trocken meinte: "Ja, und den Gegner gleich mit." Trotz Unterzahl brachte München den Sieg souverän über die Zeit. Der Ballbesitz sprach mit 56 Prozent klar für die Gäste, die auch in den Zweikämpfen mit knapp 60 Prozent die Oberhand behielten. Bayreuths Versuch, mit offensiver Ausrichtung und mutigem Pressing gegenzuhalten, wirkte zwar sympathisch, aber letztlich naiv. "Wir wollten mutig sein", sagte Trainer Herrmann nach dem Spiel, "aber Mut allein hält keinen Ball auf." Auf der Pressekonferenz wirkte Weidner zufrieden, aber nicht euphorisch. "Das war solide, aber wir hätten mehr Tore machen müssen", sagte er und grinste dann in Richtung seines Doppeltorschützen: "Georges hat wohl heute wieder vergessen, dass man auch mal abspielen darf." Ames lachte: "Wenn’s läuft, läuft’s. Und heute lief’s eben über mich." Die Bayreuther Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus. Sie wussten, dass ihre Jungs gegen eine technisch überlegene Münchner Elf alles gegeben hatten. Nur die Statistik tat weh: 0:16 Torschüsse, 1:3 Tore, 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das liest sich nach Klassenunterschied. Ein älterer Fan fasste es auf dem Weg zum Parkplatz trocken zusammen: "Wir haben wenigstens das erste Tor gemacht. Danach haben die halt angefangen, Fußball zu spielen." Fazit des Abends: Servus München bleibt das Maß der Dinge in dieser 2. Liga, während Bayreuth weiter auf den Befreiungsschlag wartet. "Wir müssen einfach mal wieder Spaß am Verteidigen finden", meinte Kapitän Jean Delmas, der nach seiner Gelben Karte (58.) in der Kabine ordentlich geflucht haben soll. Humor bewahrte er trotzdem. "Nächstes Mal", sagte er mit einem Grinsen, "halten wir vielleicht einfach mal den Ball länger als drei Pässe." Ein Spiel, das moralisch mehr hergab, als das Ergebnis vermuten lässt - aber am Ende siegt, wie so oft, die Effizienz. Und die kam diesmal ganz klar aus München. 06.03.643987 09:18 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund