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Ein nasskalter Februarabend in Linz, Flutlicht, 31.905 Zuschauer - und ein Spiel, das so ziemlich alles bot, was Fußballherzen wärmt: Tore, Karten, Drama und ein rechter Verteidiger, der in der Nachspielzeit plötzlich Stürmer spielte. Schwarz-Weiß Linz gewann am 6. Spieltag der 1. Liga Österreich mit 4:2 gegen den SV Waidhofen - und das völlig verdient, auch wenn die Gäste sich lange nicht geschlagen gaben. Schon nach zehn Minuten bebte das Stadion. Christopher Richter, der wieselflinke Linksaußen der Linzer, nahm eine butterweiche Flanke von Christiano de Freitas direkt - 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Richter später, "und gehofft, dass der Ball mich liebt." Tat er. Waidhofen brauchte ein paar Minuten, um sich zu schütteln, war dann aber mitten im Spiel. Besonders Fynn Schneider und Sebastian Ludwig kontrollierten das Mittelfeld, bis Letzterer in der 37. Minute aus 20 Metern abzog. Der Ball senkte sich unhaltbar hinter Torhüter Marcus Lorenz ins Netz - 1:1. Trainerin Brigitte Temmel klatschte an der Seitenlinie so euphorisch, dass sogar der vierte Offizielle kurz lächelte. Doch Linz antwortete prompt. Nur zwei Minuten später kombinierte sich Marvin Gross durch die Mitte, legte auf Greger Pederson ab - und der Norweger schob eiskalt zum 2:1 ein. "Das war typisch Pederson", schwärmte Trainer Hick Up später. "Eiskalt, selbst wenn’s schneit." Kurz vor der Pause wurde’s ruppig: Waidhofens Innenverteidiger Santiago Yanez sah Gelb, nachdem er Richter eher rustikal stoppte. "Ich hab nur den Ball getroffen", behauptete Yanez - leider war der Ball zu diesem Zeitpunkt bereits drei Meter weitergerollt. In der Kabine musste Waidhofen umstellen: Linksverteidiger Enrique Fontàs verletzte sich bei einem Zweikampf und wurde durch den jungen Eri Kunkel ersetzt. "Für mich war das wie ein Sprung ins kalte Wasser", sagte Kunkel hinterher. "Und das Wasser war ziemlich kalt." Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel offen. Waidhofen presste mutig, hatte durch Julian Korn (48.) sogar die Riesenchance zum Ausgleich, doch Lorenz parierte stark. Dann kam wieder Pederson. In Minute 62 donnerte er nach Vorarbeit von Rhys Fryer den Ball zum 3:1 ins Netz - ein Treffer, der so präzise war, dass man fast den Eindruck hatte, er hätte vorher den Winkel ausgemessen. Waidhofen steckte nicht auf. In der 82. Minute schickte Duarte Castano den schnellen David Beauvilliers, der cool blieb und zum 3:2 verkürzte. "Da war plötzlich wieder Feuer drin", gestand Linz-Coach Hick Up. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich hinter der Trinkbox verstecken soll." Doch das Spiel hatte noch einen letzten Akt parat. In der 93. Minute schlug Linz den sprichwörtlichen Deckel drauf: Knut Steffens setzte sich auf links durch, flankte scharf nach innen - und Oliver Jung, eigentlich Rechtsverteidiger, stand da, wo ihn niemand erwartete. Volley, zack, 4:2. "Ich dachte, warum sollen immer nur die Stürmer Spaß haben?", lachte Jung nach dem Spiel. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 12 Torschüsse für Linz, 11 für Waidhofen, aber die Gastgeber waren schlicht effizienter. 52,9 Prozent Ballbesitz und eine leicht höhere Zweikampfquote unterstrichen den verdienten Sieg. Trainerin Temmel nahm’s sportlich: "Wir haben mutig gespielt, aber Linz hat uns gnadenlos bestraft. Pederson war heute einfach ein Mann auf einer Mission." Ihr Gegenüber Hick Up konterte mit trockenem Humor: "Ich hab ihm gesagt, er soll zwei Tore machen - sonst läuft er morgen Strafrunden. Jetzt muss ich mir was anderes ausdenken." Für Waidhofen war’s trotz der Niederlage ein Achtungszeichen: Offensiv mutig, kämpferisch stark - aber defensiv manchmal zu offen. Für Linz hingegen war es ein Statement: vier Tore, vier verschiedene Vorlagengeber und ein Publikum, das nach Abpfiff noch minutenlang "Schwarz-Weiß, ole!" skandierte. Ein Spiel voller Tempo, Witz und Emotion - und ein Abend, an dem ein Verteidiger zum Torjäger wurde. Wenn Linz weiter so spielt, wird’s für die Konkurrenz ungemütlich. Oder, wie es Pederson in der Mixed Zone lakonisch formulierte: "Wir haben heute einfach Spaß gehabt - und manchmal ist das schon die halbe Miete." Schlusswort? Vielleicht dies: Wer 93 Minuten durchhält, wird belohnt - manchmal sogar mit einem Tor durch den Rechtsverteidiger. 26.07.643990 21:43 |
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler