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Es war einer dieser kühlen Januarabende, an denen man sich fragt, ob man für 90 Minuten Fußball oder für ein Lehrstück in Geduld ins Stadion gekommen ist. 41.870 Zuschauer in Verl bekamen beides - und am Ende sogar ein Feuerwerk der späten Tore. Der SC Verl schlug den FC Gladbeck mit 3:0, und das, obwohl zur Pause noch gähnende Leere auf der Anzeigetafel herrschte. "Ich habe in der Kabine gesagt: Jungs, das Tor ist da vorne", grinste Trainer Big Bang nach dem Abpfiff. Das mag simpel klingen, war aber offenbar die richtige Ansage. Denn was sich in den letzten zehn Minuten abspielte, hätte Hollywood kaum besser choreografieren können. Bis zur 80. Minute hatte Verl 17 Torschüsse abgegeben - und genau null Treffer. Volker Baur, Tomas Rodriguez und die jungen Wilden Langer und Erdmann schossen aus allen Lagen, nur der Ball wollte einfach nicht rein. Gladbecks Keeper Enrique Coelho war lange Zeit der einzige Grund, warum das Spiel nicht schon entschieden war. "Ich hatte das Gefühl, der hält heute auch einen Medizinball", murmelte Verls Stürmer Pim Wetherwax kopfschüttelnd. Doch dann kam die 80. Minute - und mit ihr der Dosenöffner: Der 19-jährige Volker Langer, bisher mehr bekannt für seine Frisur als für seine Torgefahr, traf nach einem feinen Zuspiel von Volker Baur flach ins rechte Eck. Das Stadion explodierte - und die Gladbecker Defensive gleich mit. Nur sieben Minuten später drehte Baur den Spieß um: Diesmal bediente Langer seinen älteren Namensvetter mustergültig, und der schlenzte den Ball unhaltbar ins Netz. 2:0 - und plötzlich sah man Big Bang an der Seitenlinie tanzen. "Das war kein Tanz", rechtfertigte er sich später lachend. "Ich bin einfach ausgerutscht." Doch Verl war noch nicht fertig. In der 89. Minute machte Tomas Rodriguez den Deckel drauf, erneut nach Vorarbeit von Baur. 3:0, und die letzten Gladbecker Fans, die noch hofften, dass "El Comandante" ein taktisches Wunder aus dem Hut zaubert, packten resigniert ihre Schals ein. Dabei hatte Gladbeck gar nicht so schlecht begonnen. 48 Prozent Ballbesitz, zwei harmlose Schüsschen aufs Tor - statistisch war das solide, optisch aber eher der Versuch, sich unauffällig durch die Partie zu mogeln. Trainer El Comandante wirkte nach dem Spiel erstaunlich gefasst: "Wir wollten kontrolliert spielen. Leider haben wir vergessen, den Ball auch mal nach vorne zu kontrollieren." SC Verl dagegen zeigte eine Mischung aus jugendlicher Ungestümheit und erfahrener Geduld. Baur im Mittelfeld zog die Fäden, Wetherwax ackerte vorne, und trotz drei Gelber Karten - John (15.), Wegener (71.) und Van den Branden (86.) - blieb das Team diszipliniert. "Big Bang" Bang hatte seine Mannschaft optimal eingestellt: offensiv, ballsicher und mit einem klaren Plan. Die Statistiken untermauern den Eindruck: 20 Torschüsse zu 2, 51,5 Prozent Ballbesitz, 57,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Nur bei der Chancenauswertung lag bis kurz vor Schluss eine gewisse Blockade vor. "Vielleicht hätten wir das Tor einfach breiter machen sollen", witzelte Baur im Interview. Der Trainer des FC Gladbeck wirkte dagegen wie ein Mann, der die Antwort auf alles kennt - nur nicht auf die Frage, warum seine Elf ohne Biss blieb. "Wir waren mutig", sagte El Comandante mit unbewegter Miene. "Aber Verl war mutiger." Am Ende war es eine Lehrstunde in Geduld und Konsequenz. Verl wartete, bis Gladbeck müde wurde, und schlug dann eiskalt zu. Die drei Joker der Schlussphase - Langer, Baur, Rodriguez - schrieben sich in die Geschichtsbücher des 3. Spieltags der 1. Liga Deutschland. Als die Flutlichter langsam erloschen, hallte noch ein "Verl, Verl!" über die Tribünen. Big Bang stand am Spielfeldrand, die Hände in den Taschen, und sagte mit einem breiten Grinsen: "Manchmal muss man einfach lang genug draufhalten. Irgendwann geht einer rein." Und so endete ein Spiel, das 80 Minuten wie ein lauwarmer Tee wirkte - und in den letzten zehn wie ein Espresso auf Speed. SC Verl ist angekommen im neuen Jahr. FC Gladbeck dagegen? Wird das Spiel wohl als Erinnerung daran mitnehmen, dass 48 Prozent Ballbesitz leider keine Punkte bringen. Ein versöhnlicher Abend für Verl, ein eisiger für Gladbeck. Und für die Zuschauer? Ein Beweis, dass Geduld manchmal wirklich belohnt wird - zumindest, wenn man schwarz-weiß trägt. 21.02.643987 19:47 |
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Andreas Brehme