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Wenn 46.720 Zuschauer an einem frostigen Samstagabend im Saarparkstadion auf die Ränge strömen, dann erwarten sie Leidenschaft, Tore und ein bisschen Drama. Der SC Saar lieferte - und wie! Mit einem souveränen 4:1 (2:1) gegen Westfalia Herne verabschiedeten sich die Saarländer in die Rückrunde der 1. Liga Deutschland und schickten die Gäste mit einem Kater auf die lange Heimfahrt. Von der ersten Minute an war klar, wer das Kommando übernehmen wollte. SC Saar-Coach Peter Wessel schickte seine Elf mit "vollem Einsatzmodus", wie er später schmunzelnd sagte, aufs Feld. Schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im Strafraum der Herner. Riley Broderick prüfte den Keeper gleich mehrfach (7., 18., 23. Minute), Enzo Beltrame wirbelte auf der linken Seite, als gäbe es kein Morgen. In der 24. Minute fiel dann, was längst in der Luft lag: Ewan Blanchard traf nach feinem Zuspiel von Stille Vrooman zum 1:0. Der Jubel? Eher Erleichterung - die Saar-Fans hatten schon gezählt, wie viele Chancen ihre Mannschaft noch vergeben würde. Doch Herne, offensiv eingestellt, wie es Trainer Jayden Sabo später nannte ("Wir wollten mitspielen, nicht nur zusehen"), kam kurz aus der Deckung. Ein Schuss von Yves Dewey (22.) war noch Beute des starken Saar-Keepers Vincent del Olmo, dann aber schlug es erneut auf der anderen Seite ein. In der 41. Minute kombinierte sich Saar wieder durchs Mittelfeld, Xavier Carvalho flankte, und Beltrame wuchtete den Ball humorlos unter die Latte - 2:0. Kurz vor der Pause dann das Lebenszeichen der Gäste: Peyami Kas, der auffälligste Herner, traf nach Vorarbeit von Michael Zunino zum 2:1 (45.). "Da war kurz ein bisschen Wind drin", meinte Wessel später, "aber wir haben das schnell wieder zugeklappt." Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - allerdings nicht sportlich, sondern disziplinarisch: Hernes Andres Figo sah nach einem übermotivierten Einsteigen gegen Caio Bosingwa die Gelb-Rote Karte (50.). "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Figo in der Mixed Zone, "aber der Ball wollte nicht." In Unterzahl wurde es für die Westfalia schnell bitter. Nur vier Minuten nach dem Platzverweis schlug Beltrame erneut zu (49.), nach perfektem Zuspiel von Vrooman - 3:1. Damit war die Messe gelesen. Saar spielte nun Katz und Maus, Herne rannte hinterher. Wessel nutzte die komfortable Lage, um Nachwuchsmann Benjamin Cabell zu bringen (46.), der prompt auffiel. In der 82. Minute bediente der 20-Jährige den unermüdlichen Broderick, der endlich seine Belohnung bekam und zum 4:1 einschob. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich daneben gezielt hab", grinste Broderick. "Aber der letzte musste einfach rein - sonst hätte der Trainer mich wohl zu Fuß heimlaufen lassen." Statistisch war der Abend eine klare Sache: 56 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - SC Saar dominierte in allen Belangen. Herne kam auf magere vier Abschlüsse, einer davon saß. "Wir haben versucht, kompakt zu stehen", erklärte Sabo, "aber irgendwann war das wie ein Kartenhaus im Wind." Auch taktisch hatte Saar die Nase vorn. Wessels Mannschaft agierte ausgewogen, mit aggressivem, aber kontrolliertem Pressing, während Herne zwar offensiv ausgerichtet war, aber kaum Zugriff bekam. Oder wie es ein Fan auf der Tribüne lautstark zusammenfasste: "Die spielen ja wie mit angezogener Handbremse - und dann auch noch bergauf!" Nach Schlusspfiff applaudierten die Fans minutenlang, während Beltrame und Broderick gemeinsam in die Kurve winkten. "Wir haben heute gezeigt, dass wir mehr sind als eine gute Hinrunde", sagte Kapitän Vrooman. "Und wenn Riley endlich mal trifft, wissen wir, dass’s läuft." Trainer Wessel verabschiedete sich mit einem trockenen Kommentar: "Ich bin zufrieden - und das will bei mir was heißen." Westfalia Herne dagegen blickte bedrückt auf die Anzeigetafel. "Das war heute ein Dämpfer", gab Sabo zu, "aber wir werden daraus lernen. Vielleicht fangen wir einfach damit an, weniger Saar-Spieler frei stehen zu lassen." Fazit: Ein Abend für die Saar-Geschichtsbücher. Vier Tore, ein Platzverweis, ein Publikum in Feierlaune - und eine Mannschaft, die sich selbst vertraut. Wenn der SC Saar so weiterspielt, darf man sich im Südwesten schon jetzt auf europäische Nächte freuen. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Endlich mal wieder Fußball zum Genießen - und das Bier war auch noch kalt." 02.08.643987 03:38 |
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