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Es war ein Montagabend, wie ihn Fußballromantiker lieben - Flutlicht an, Bier kalt, und 38.218 Kreuzberger, die sich sicher waren, dass ihr FC gegen den SC Saar "heute was reißt". Am Ende riss aber nur die gute Laune: 2:4 hieß es nach 90 intensiven Minuten, in denen Kreuzberg mehr vom Ball, Saar aber deutlich mehr vom Spiel hatte. Trainer Atze Matze stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, die Stirn in Falten gelegt. "54 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse, zwei Tore - das ist ja fast Mathematikunterricht: viel Aufwand, wenig Ertrag", sagte er trocken. Und er hatte nicht Unrecht. Dabei fing alles vielversprechend an. Schon in der ersten Minute prüfte Samuel Lorring SC-Schlussmann Vincent del Olmo mit einem satten Distanzschuss. Kreuzberg kombinierte gefällig, Ignacio Arrieta verteilte im Mittelfeld die Bälle wie ein DJ seine Platten. Doch im Abschluss fehlte die Berliner Präzision - der Ballbesitz blieb, die Torgefahr verdampfte. Saar lauerte - und schlug eiskalt zu. In der 27. Minute steckte Xavier Carvalho den Ball in den Lauf von Nestor Miro, der zwischen zwei Verteidigern hindurchzischte und trocken ins lange Eck vollstreckte. 0:1 - der erste ernsthafte Angriff, das erste Tor. Kreuzbergs Keeper Quinter Van der Kelen blickte seinem Gegenspieler hinterher, als wolle er fragen: "War das wirklich nötig?" Doch Kreuzberg antwortete. Nur neun Minuten später zog wieder Lorring aus der zweiten Reihe ab - diesmal passte alles. Nach Vorlage von Rechtsverteidiger Nelson Peyroteo zappelte der Ball im Netz. 1:1 und Jubel im Block C, wo ein Fan lautstark verkündete: "Jetzt geht’s los, Leute!" Spoiler: Ging’s nicht. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Kreuzberger Ballbesitz und Saarer Effektivität. In der 60. Minute war es Jannis Hartmann, der nach einer Ecke von Duarte Djalo goldrichtig stand und per Volley das 1:2 erzielte. Keine 60 Sekunden später erhöhte Enzo Beltrame - wieder nach Vorarbeit von Djalo - auf 1:3. Zwei Tore in einer Minute, und plötzlich sah Kreuzbergs Defensive aus, als hätte sie kollektiv die WLAN-Verbindung verloren. Trainer Matze reagierte, brachte James Neil und später Nelson Velazquez, um "mehr Stabilität" zu bringen. Doch die kam nur kurz. In der 69. Minute flankte Peyroteo ein letztes Mal präzise nach innen, Arrieta stand frei und köpfte zum 2:3 ein. Das Stadion bebte, die Hoffnung lebte - ganze 22 Minuten lang. Denn in der Nachspielzeit machte Benjamin Cabell, 21 Jahre jung und gerade erst eingewechselt, den Deckel drauf. Nach Vorlage des überragenden Beltrame schob er zum 2:4 ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Cabell nach dem Spiel. "Und diesmal war’s drin - das passiert nicht jeden Tag." Kreuzberg hatte am Ende mehr Ballbesitz (54,6 Prozent), aber weniger Durchschlagskraft. Saar feuerte 19 Mal auf das Tor, Kreuzberg bloß 10 Mal - und das spiegelte sich im Ergebnis wider. "Wir wollten offensiv spielen", sagte Saar-Coach Peter Wessel. "Und wenn man vier Tore auswärts schießt, darf man ruhig sagen: Hat funktioniert." Atze Matze hingegen suchte nach Erklärungen. "Vielleicht hätten wir weniger schön und mehr dreckig spielen müssen", murmelte er, während er in Richtung Kabine trottete. "Aber was willst du machen, wenn der Gegner jeden Schuss trifft?" Im Presseraum versuchte ein Journalist, den Abend positiv zu sehen: "Herr Matze, immerhin zwei Tore!" Der Trainer hob die Augenbraue. "Ja", sagte er, "aber leider die falsche Mannschaft doppelt so viele." So blieb Kreuzberg am Ende nur der Trost, das Spiel optisch dominiert zu haben - eine Statistik, die man sich bekanntlich nicht einrahmen kann. Saar hingegen reist mit breiter Brust zurück an die Saar. Vier Tore, drei Punkte, ein Statement. Und während die letzten Fans das Stadion verlassen, murmelt ein älterer Herr im Kreuzberger Schal: "Früher hätten wir sowas noch gedreht." Sein Enkel schaut ihn an und fragt: "Wann war das denn?" Der Alte seufzt. "Lange her, mein Junge. Sehr lange her." Ein bitterer, aber lehrreicher Abend für den FC Kreuzberg - und ein Beweis, dass Fußball nicht im Mittelfeld gewonnen wird, sondern im Strafraum. 02.06.643993 13:48 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic