// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man im Saarpark-Stadion das Gefühl hatte, der Fußball selbst habe sich ein Bier geholt und lehne sich genüsslich zurück, um zuzusehen, wie der SC Saar sich selbst ein Bein stellt. 53.896 Zuschauer sahen beim 13. Spieltag der 1. Liga Deutschland ein munteres, phasenweise chaotisches 1:2 (0:2) gegen den FC Kreuzberg - ein Ergebnis, das so gerecht war wie ein Strafzettel im Halteverbot. Die ersten 20 Minuten reichten, um den Hausherren die Stimmung zu verderben. Kreuzberg kam offensiv, aggressiv, ja fast übermotiviert daher - als hätten sie vergessen, dass das Spiel 90 Minuten dauert. Trainer Atze Matze hatte seine Jungs auf "Attacke mit Ansage" eingestellt, und prompt schlug es zweimal ein. In der 13. Minute war es Thijmen Van Antwerp, der nach einem butterweichen Pass von Frederic Gauthier eiskalt blieb. Ein kurzer Haken, ein lässiger Abschluss - 0:1. "Ich dachte, er schießt drüber, so lässig wie der da stand", murmelte SC-Abwehrmann Fabrizio Repetto später kopfschüttelnd. Kaum hatten die Saarländer den Schock verdaut, kam es noch dicker. Fünf Minuten später zirkelte Aitor Alvar eine Flanke an den Fünfer, wo Kay Röder, 34 Jahre alt und mit der Erfahrung eines halben Lebens auf dem Platz, das Leder humorlos unter die Latte drosch - 0:2. Röder grinste danach in die TV-Kamera: "Ich hab’ einfach mal gemacht. Manchmal hilft denken ja nicht." Während Kreuzberg sich nach vorn warf, versuchte SC Saar-Coach Peter Wessel, seine Mannschaft zu sortieren. "Wir hatten 55 Prozent Ballbesitz, aber irgendwie immer da, wo’s nicht wehtut", sagte er später mit einem Seufzer, der nach Kräutertee und Schlafmangel klang. Tatsächlich: Der SC Saar kombinierte gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Acht Torschüsse in 90 Minuten - das ist in etwa so viel Feuerkraft wie ein nasser Silvesterböller. Nach der Pause kam etwas Leben in die Bude. Tim Hanke schickte mit einem Traumpass den aufgerückten Linksverteidiger Marwin Kirchner in den Strafraum, und der schweißte das Ding in der 60. Minute zum 1:2-Anschluss ein. Das Publikum war plötzlich wieder da - und die Hoffnung gleich mit. "Da haben wir kurz geglaubt, jetzt drehen wir’s", erzählte Kirchner später. "Aber dann fiel uns ein: Wir sind ja der SC Saar." Kreuzberg wackelte kurz, fiel aber nicht. Trainer Atze Matze schob seine Basecap nach hinten und brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt nicht romantisch werden!" Seine Mannschaft verstand die Botschaft. Statt sich einzuschnüren, konterten sie mit der Kälte eines Finanzbeamten. Van Antwerp hätte in der 67. Minute alles klar machen können, scheiterte aber an Torwart Jiri Lastovka - einer der wenigen Saar-Spieler, die an diesem Abend eine weiße Weste verdienten. In den letzten Minuten wurde’s ruppig. Rui Molina sah Gelb (63.), Harrison McGowan ebenso (89.), und irgendwo auf der Tribüne zählte ein Fan mit, wie oft SC Saar quer statt vorwärts passte - er kam auf 47. "Wir haben zu brav gespielt", gab Trainer Wessel zu. "Vielleicht sollte ich mal Pressing auf ’JA’ stellen." Am Ende blieb’s beim 1:2. Kreuzberg jubelte, Saar fluchte leise. Statistisch gesehen hatte der Gastgeber mehr Ballbesitz (55,8 Prozent), aber weniger Punch: 8 zu 17 Torschüsse - das spricht Bände. Der FC Kreuzberg spielte, als hätten sie einen Punkt zu beweisen, und fand genau die richtige Mischung aus Biss und Spaß. "Offensiv und aggressiv, das war der Plan", grinste Matze nach dem Spiel. "Und wenn’s klappt, sieht’s sogar nach Taktik aus." Für den SC Saar war’s dagegen eine dieser Nächte, in denen man sich fragt, ob der Ball nicht einfach eine persönliche Abneigung entwickelt hat. "Ich sag’s mal so", meinte Mittelfeldmann Hanke mit einem bitteren Lächeln, "wir haben schön gespielt - leider nicht Fußball." Und so ging ein kalter Januarabend zu Ende, an dem die Gäste aus Kreuzberg bewiesen, dass Wille manchmal wichtiger ist als Ballbesitz. Die Saarländer dagegen? Müssen wohl erst noch lernen, dass Schönheit im Fußball selten belohnt wird. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen brummte: "Die sollen weniger malen und mehr treffen." Ein Satz, der vermutlich auch in der Kabine hängen wird - gleich neben dem Spielplan. 18.06.643987 17:49 |
Sprücheklopfer
Ich bin mir sicher, unserer Mannschaft wird nichts passieren.
Berti Vogts als Kapitän bei der WM 1978 zur Folterpraxis des argentinischen Militärregimes