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Manchmal reicht ein einziger Moment, um ein ganzes Stadion in Ekstase zu versetzen. Für den SC Saar war dieser Moment die 25. Minute, als Riley Broderick, der 31-jährige Routinier mit der lässigen Körpersprache eines Jazzmusikers, den Ball nach Vorarbeit von Davib Thuringer trocken ins rechte Eck jagte. 56.939 Zuschauer schrien sich die Seele aus dem Leib - und viele dürften danach kaum noch gewusst haben, wie sie eigentlich wieder nach Hause gekommen sind. Am Ende stand ein 1:0 auf der Anzeigetafel - nüchtern betrachtet ein knappes Ergebnis, emotional gesehen aber ein Statement. Der SC Saar, von Trainer Peter Wessel mit einer Mischung aus eiserner Disziplin und leichtem Wahnsinn eingestellt, lieferte dem favorisierten VFL Stuttgart ein Spiel voller Leidenschaft, Grätschen und unerwarteter Helden. Dabei begann die Partie durchaus offen. Schon in der 5. Minute prüfte Stuttgarts Maxim Tillman mit einem satten Schuss die Reflexe von Saar-Keeper Yves Otto. "Da war ich sofort wach", grinste Otto später. Wach blieb er bis zur 89. Minute, ehe Wessel ihm - wohl aus Aberglauben - noch ein paar Minuten Ruhe gönnte und den jungen Jiri Lastovka einwechselte. "Ich wollte, dass er auch mal den Puls des Spiels fühlt", erklärte Wessel mit einem Zwinkern. Saar übernahm nach einer Viertelstunde das Kommando. Beltrame, Pelletier und Thuringer wirbelten durchs Mittelfeld, als würden sie sich schon seit Kindertagen blind verstehen. Beltrame scheiterte zunächst zweimal (8. und 22. Minute), doch die Angriffswellen rollten weiter. Dann die 25. Minute: Thuringer legt quer, Broderick schiebt ein - 1:0. Kein überflüssiger Jubel, kein akrobatischer Salto - nur ein kurzer, fast spöttischer Blick Richtung Gästeblock. "Ich wollte einfach zeigen, dass man mit 31 noch laufen kann", sagte Broderick später mit einem Grinsen, das so breit war wie der Mittelkreis. Stuttgart dagegen fand selten in die Spur. Trainer Venni Mislintat gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er mit bloßen Händen den Ball ins Tor seiner Mannschaft dirigieren. Doch seine Spieler blieben ideenlos, trotz 46 Prozent Ballbesitz und immerhin acht Torschüssen. Besonders bitter: Innenverteidiger Ricardo Frechaut, der in der 39. Minute Gelb sah, wurde direkt nach der Pause ausgewechselt - wohl nicht nur aus taktischen Gründen. "Ich wollte kein Risiko eingehen", erklärte Mislintat später, "man weiß ja, wie schnell so einer dann noch Gelb-Rot sieht." In der zweiten Halbzeit drehte Stuttgart etwas auf, doch die Saar-Abwehr stand wie eine Betonwand. Der 18-jährige Fabrizio Repetto, in der 74. Minute eingewechselt, spielte, als hätte er 200 Erstligaspiele auf dem Buckel. Zwei Mal blockte er gefährlichste Schüsse, einmal rettete er sogar per Kopf auf der Linie. "Ich hab nur die Augen zugemacht", gab er hinterher zu, "und gehofft, dass mich der Ball nicht trifft." Saar dagegen blieb gefährlich: Thuringer (73.) und Broderick (79., 92.) hätten das Spiel längst entscheiden können, doch Stuttgarts Keeper Jaime Oliveira hielt seine Mannschaft mit Glanzparaden im Spiel. In der 85. Minute hatte Marcel Breze noch den Ausgleich auf dem Fuß, aber Otto - oder war’s schon Lastovka? - war zur Stelle. Die Statistik sprach am Ende für Saar: 15 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Doch wichtiger war der Eindruck, den das Team hinterließ. "Wir waren heute der Underdog mit Zähnen", sagte Wessel nach dem Spiel, "und wir haben gebissen." Mislintat hingegen wirkte nachdenklich: "Wir haben gut gearbeitet, aber manchmal fehlt einfach das letzte Quäntchen Mut. Und vielleicht auch ein Broderick." So bleibt der SC Saar die Mannschaft der Stunde - kämpferisch, unangenehm, ein bisschen wild. Und während die Flutlichter erloschen und die Zuschauer langsam in die kühle Januarnacht entließen, hörte man noch einen Fan singen: "Ein Tor reicht, wenn’s das richtige ist!" Ein Satz, den Peter Wessel wohl unterschreiben würde. 14.05.643987 20:58 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic