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Saragossa stolpert, Sevilla tanzt: 0:3-Heimpleite mit Ansage

UD Saragossa hatte an diesem kühlen Februarabend eigentlich alles - Ballbesitz, Wille, 16.000 Zuschauer im Rücken und das Stadionlicht, das verheißungsvoll aufblitzte, als der Anpfiff um 20:30 Uhr ertönte. Alles - außer einem Plan, was man mit dem Ball anfangen sollte. Am Ende stand ein bitteres 0:3 gegen Bites Sevilla, das so abgeklärt spielte, als hätten sie das Drehbuch schon vorher gelesen.

Trainer Otto Horst stand nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen da, als wolle er die Statistik persönlich umarmen: 57 Prozent Ballbesitz, fünf Torschüsse - klingt nach Kontrolle, ist aber nur die Schönfärberei eines Abends, an dem seine Elf von der Effizienz der Gäste überrollt wurde. "Wir haben das Spiel gemacht, sie die Tore", sagte Horst trocken, "aber das ist ja auch eine Art von Gerechtigkeit."

Schon früh begann Sevilla, die Mitte zu dominieren. Didier Bernier prüfte in der 13. Minute Saragossas Torhüter Diego Escudero mit einem strammen Schuss, der das Tornetz zum Zittern brachte - von außen. Nur zwei Minuten später hatte Bernier wieder eine Chance, diesmal aus kurzer Distanz, aber Escudero war hellwach. Weniger wach dagegen die Abwehr, die in der 28. Minute Corey Carter aus den Augen verlor. Filipe Custodio schlug eine butterweiche Flanke, Carter nahm sie volley und versenkte sie zum 0:1. Das Publikum seufzte kollektiv - dieser Sound wird wohl noch lange nachhallen.

"Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: Warum nicht?", grinste Carter später, als hätte er gerade eine spontane Eingebung gehabt. Acht Minuten später dachte er wieder "Warum nicht?" - und tat es erneut. Nach feinem Zuspiel von Agustin Silva zog er von links in den Strafraum und schlenzte den Ball ins rechte Eck. 0:2. UD Saragossa wirkte in dem Moment wie ein Team, das in Gedanken schon in der Kabine war.

In der Pause soll Trainer Horst lautstark geworden sein. Ein Reporter am Spielfeldrand meinte, er habe die Worte "mutiger" und "endlich mal aufs Tor!" gehört. Tatsächlich kam Saragossa mit mehr Schwung aus der Kabine - Inigo Costa prüfte Sevillas Keeper Sergio Etxebarria in der 50. Minute mit einem satten Schuss, doch der Veteran im Tor der Andalusier lenkte den Ball routiniert über die Latte.

Sevilla reagierte auf die zarten Lebenszeichen des Gegners eiskalt. In der 54. Minute startete der 33-jährige Sergi Rodrigo einen Sprint über rechts, flankte flach in den Rückraum, wo der junge Joseba Duran lauerte. Ein kontrollierter Schuss, ein Aufstöhnen der Fans, 0:3. Trainer Hamudi Salman zeigte keine Regung, hob nur kurz die Augenbraue - für ihn war das offenbar ein normaler Arbeitstag. "Wir haben einfach unsere Chancen genutzt", sagte er später, "das ist in diesem Sport manchmal hilfreich."

Während Sevilla nach Belieben kombinierte, verfiel Saragossa in den altbekannten Trott: Ballbesitz, Querpässe, Rückpässe, Verzweiflung. Rui Xavier versuchte es in der 86. Minute noch einmal mit einem Distanzschuss, der aber eher den Nachthimmel als das Tor traf. Auf der Tribüne rief ein Fan: "Wenigstens den Ballbesitz gewonnen!" - sein Nachbar antwortete trocken: "Ja, aber den Pokal dafür gibt’s nicht."

Sevilla zeigte in Zahlen, was die Augen längst gesehen hatten: 17 Torschüsse, zwei Gelbe Karten, null Hektik. Filipe Custodio, einer der Verwarnte, grinste nach dem Spiel: "Ich musste ihn ja irgendwie stoppen - höflich, versteht sich." Auch Agustin Silva sah Gelb, aber das störte niemanden.

Die taktischen Notizen bestätigen das Gefühl: Sevilla blieb durchweg offensiv ausgerichtet, spielte ausgewogen über Mitte und Flügel, während Saragossa zwar "balanced" auf dem Papier stand, in Wahrheit aber so harmlos wirkte wie ein Entspannungsseminar.

Am Ende applaudierten die 16.000 Zuschauer höflich, vielleicht aus Dankbarkeit, dass es vorbei war. Trainer Horst sah immerhin einen kleinen Lichtblick: "Wir hatten mehr Ballbesitz." Dann machte er eine Pause und fügte hinzu: "Aber das sagt man ja auch über Staubsauger."

Sevilla dagegen kann sich weiter Hoffnungen auf den Aufstieg machen. "Wir sind noch lange nicht fertig", meinte Doppeltorschütze Corey Carter. "Aber drei Tore auswärts - das fühlt sich schon ziemlich gut an."

Ein Spiel, das in Saragossa wohl niemand so schnell vergessen wird - nicht, weil es so schön war, sondern weil es schmerzlich daran erinnerte, dass Statistik kein Ersatz für Tore ist. Und manchmal, ganz manchmal, gewinnt eben doch der, der weniger vom Ball, aber mehr vom Leben versteht.

02.04.643990 05:43
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
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