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Es gibt Fußballabende, an denen man alles richtig macht - und trotzdem verliert. Für CD Sao Paulo war der 21. Spieltag der brasilianischen Liga genau so einer. 43.488 Zuschauer im Estádio Municipal sahen eine Heimelf, die das Spiel dominierte, 15 Mal aufs Tor schoss und am Ende trotzdem mit leeren Händen dastand. Alviverde Palmeiras reichte ein einziger präziser Moment von David Solodkin in der 51. Minute, um das Duell mit 1:0 zu gewinnen. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber vergessen, das Tor mitzunehmen", seufzte Sao-Paulo-Trainer Pat Kick nach Abpfiff, während er mit verschränkten Armen in den Nachthimmel starrte. Seine Mannschaft hatte fast 57 Prozent Ballbesitz, kombinierte gefällig, ließ den Ball laufen - und lief sich am Ende müde. Schon in der Anfangsphase deutete sich an, dass es ein Geduldsspiel werden würde. Sezer Sekman prüfte in der dritten Minute den gegnerischen Keeper Vincent Manuel, der aber glänzend parierte. Danach folgten Chancen im Minutentakt: Miguel Gutiérrez aus 14 Metern, Vitorino Aguas am kurzen Pfosten, Gunnar Bengtsson mit einem wuchtigen Linksschuss. Alles schön anzusehen, alles ohne Ertrag. "Ich dachte, irgendwann muss der Ball doch mal reinrutschen", grinste Bengtsson später bitter. Palmeiras hielt sich derweil an den Matchplan von Trainer Wilson Ferreira: tief stehen, abwarten, und dann, wenn Sao Paulo sich zu sicher fühlte, zuschlagen. Das passierte genau nach dem Seitenwechsel. Innenverteidiger Domingo Costa schlug einen hohen Ball in den Lauf von Solodkin, der die Kugel mit der Brust annahm, kurz verzögerte und aus 18 Metern trocken ins rechte Eck abschloss - 0:1. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch für Effizienz. "Das war kein Zufall, das war Training", meinte Torschütze Solodkin danach mit einem breiten Lächeln. "Wir wussten, dass sie Lücken lassen, wenn sie zu weit aufrücken." Sao Paulo antwortete mit Wut im Bauch - und noch mehr Chancen. Aguas versuchte es in der 57., Louis Sterling gleich dreimal in den letzten zehn Minuten, doch Manuel im Palmeiras-Tor hatte offenbar einen dieser Abende, an denen er lieber alles fängt als nur das Nötigste. Selbst in der 92. Minute, als Sterling aus kurzer Distanz abschloss, war der Keeper mit einer Flugeinlage zur Stelle, die man getrost als spektakulär bezeichnen darf. Die Emotionen kochten zwischendurch hoch. Insgesamt fünf Gelbe Karten verteilte der Schiedsrichter - drei davon an Palmeiras, zwei an Sao Paulo. Besonders Ignacio Custodio, der in der 62. Minute für ein rustikales Einsteigen verwarnt wurde, stapfte kopfschüttelnd davon: "Ich habe doch nur den Ball gespielt", rief er, während der Ball gut zwei Meter entfernt lag. Taktisch blieb das Spiel ein interessantes Lehrstück. Sao Paulo agierte über weite Strecken ausgewogen, aber ohne echtes Pressing. Palmeiras dagegen offensiv ausgerichtet, aber erstaunlich diszipliniert im Rückzug. "Wir haben ein bisschen wie ein Boxer gekämpft, der auf den entscheidenden Konter wartet", erklärte Trainer Ferreira später. "Und er kam." Die Statistik sprach am Ende eine deutliche Sprache - allerdings die falsche für die Gastgeber. 15:4 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Doch auf der Anzeigetafel stand eben nur: 0:1. Als der Schlusspfiff ertönte, blieb Pat Kick noch einen Moment an der Seitenlinie stehen. "Manchmal", sagte er, "ist Fußball wie ein schlechter Witz: Du erzählst ihn perfekt, aber keiner lacht." Währenddessen feierten die Gäste ausgelassen vor der Kurve. Solodkin wurde von seinen Mitspielern in die Luft geworfen, Domingo Costa klopfte ihm lachend auf die Schulter. "Er hat’s uns gerettet", rief Caio Rocha, der 34-jährige Linksaußen, "und ich muss jetzt erstmal ein Bier." Für Sao Paulo bleibt immerhin die Erkenntnis, dass man trotz Niederlage das Spiel bestimmte. Für Palmeiras dagegen der süße Geschmack eines Auswärtssieges, der nach Disziplin, Nervenstärke und ein bisschen Glück schmeckt. Und irgendwo in der Nacht von São Paulo werden sie noch lange rätseln, wie man ein Spiel so deutlich dominieren kann - und trotzdem verliert. Vielleicht ist das ja genau das, was diesen Sport so unberechenbar macht. Kurz gesagt: Sao Paulo spielte, Palmeiras traf. Und das ist im Fußball bekanntlich immer noch die Währung, die zählt. 20.05.643993 14:37 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: