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20.000 Zuschauer im Estádio das Esmeraldas hatten sich am Sonntagabend auf ein heißes Duell in der 1. Liga Brasilien gefreut. Was sie bekamen, war ein Lehrstück in Sachen Effizienz - allerdings von den Gästen. CD Sao Paulo demontierte Esmeraldas Goias mit 3:0 (2:0), und das Ergebnis schmeichelte den Hausherren fast noch. Von Beginn an war klar: Sao Paulo wollte hier keine Sightseeing-Tour durchs grüne Herz Brasiliens machen. Schon in der ersten Minute prüfte Antonio Djalo den Heimkeeper Tiago Djalo (Namensvetter, aber kein Verwandter - "Ich hätte lieber die Rolle des anderen gehabt", witzelte der Torwart später). Die Südbrasilianer kombinierten flüssig, ließen Ball und Gegner laufen und suchten entschlossen den Abschluss. 15 Torschüsse standen am Ende für sie zu Buche, während Goias ganze drei Mal zaghaft Richtung Tor zielte. In der 13. Minute platzte der Knoten: Julio Camara flankte butterweich von rechts, Antonio Djalo rauschte heran und vollendete per Direktabnahme - 0:1. Die Fans von Esmeraldas blieben noch höflich still, als wollten sie das Missverständnis klären. Doch das war kein Betriebsunfall, das war Ansage. Goias versuchte es mit Offensivgeist, laut Statistik sogar mit einer "offensiven Ausrichtung", aber das wirkte eher wie ein lauer Frühlingswind gegen einen tropischen Sturm. Paulo Viana hatte in der 12. Minute einmal kurz gezuckt und knapp vorbeigeschossen, doch danach herrschte Flaute. Die Gäste dagegen spielten mit einer Selbstverständlichkeit, als würden sie im eigenen Garten kicken. In der 39. Minute dann das zweite Kapitel der Djalo-Show: Wieder Camara mit dem Pass, wieder Djalo am richtigen Ort. Der Stürmer lachte später: "Julio hat mir den Ball so oft serviert, ich musste ja irgendwann Danke sagen." Trainer Pat Kick, der Name ist Programm, grinste nur: "Wir haben genau das gespielt, was wir trainiert haben - Fußball." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Sao Paulo kontrollierte, Goias kämpfte. Der Heimtrainer - er wollte nach dem Spiel lieber anonym bleiben, "weil’s sonst wieder heißt, ich hätte keine Idee gehabt" - schickte seine Jungs noch einmal offensiv raus. Aber was nützt Offensive, wenn man den Ball nicht hat? 45 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 42 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. In der 71. Minute wurde es kurz dramatisch: Innenverteidiger Diego Teixeira kam nach einem Zweikampf unglücklich auf und musste behandelt werden. Der eingewechselte Antonio Assis übernahm - und sah wenige Minuten später, wie sein Teamkollege Diego Brito für ein rustikales Einsteigen Gelb sah. Brito kommentierte die Szene trocken: "Ich wollte nur den Ball. Leider war der Ball schneller." Sao Paulo nutzte die Unterbrechung, um den Rhythmus zu halten. Louis Schrader kam für Vincent Valente, frische Beine für ein ohnehin laufstarkes Mittelfeld. Die Gäste zogen das Pressing etwas an - und Goias kam gar nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Als die Nachspielzeit begann, hatten sich viele Zuschauer bereits auf den Heimweg gemacht - ein Fehler. Denn Vitorino Aguas, bis dahin eher unauffällig, wollte sich nicht lumpen lassen. In der 95. Minute bediente erneut Julio Camara mit einem Pass in den Lauf, Aguas zog ab - und der Ball zappelte im Netz. Das 0:3 war der Schlusspunkt eines Spiels, das nur eine Mannschaft wirklich gespielt hatte. "Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben", erklärte Pat Kick später mit einem Zwinkern. "Offenbar haben sie mich etwas zu wörtlich genommen." Sein Gegenüber stapfte wortlos in die Kabine, der Pressesprecher murmelte nur: "Kein Kommentar - vielleicht nächste Woche wieder mit Ballkontrolle." Was bleibt? Sao Paulo zeigt, dass Ausgeglichenheit und Pressing keine Gegensätze sind. 55 Prozent Ballbesitz, 15 Abschlüsse, drei Tore - das ist Effizienz in Reinform. Goias dagegen wird sich fragen müssen, wie eine Mannschaft mit "offensiver Ausrichtung" so harmlos wirken kann. Vielleicht hilft ein Blick ins Trainingsbuch - oder einfach ein freier Tag, um die Wunden zu lecken. Und irgendwo in der Kabine von CD Sao Paulo soll Antonio Djalo noch gesungen haben - nicht von Titeln oder Ruhm, sondern schlicht: "Drei Dinger, drei Punkte." Klingt simpel. War’s auch. (600 Wörter) 06.03.643987 00:53 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic