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Manchmal ist Fußball wie ein Telenovela-Drehbuch, nur mit weniger Pausen für Werbung und mehr Schweiß. Das 3:3 zwischen Real Santa Fe und Americano Cali am 30. Spieltag der kolumbianischen Liga war so ein Stück Dramatik, das man sich nicht besser hätte ausdenken können - sechs Tore, ein spätes Happy End und genug Emotionen, um ein Drehbuchautorengehalt zu rechtfertigen. Bereits vor dem Anpfiff war die Luft im Estadio El Campín elektrisiert. 39.435 Zuschauer drängten sich auf den Rängen, viele in Rot, alle mit der gleichen Hoffnung: dass endlich wieder ein Heimsieg herausspringt. Doch Americano Cali, trainiert vom exzentrischen Gwydion ForChampion (ja, das ist wirklich sein Name), hatte andere Pläne - und eine Offensivformation, die so mutig war, dass selbst die Balljungen in Deckung gingen. Real Santa Fe, taktisch ausgewogen und spielerisch kontrolliert, hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz (knapp 54 Prozent) und den besseren Start. In der 22. Minute zirkelte Cristobal Eusebio nach Doppelpass mit Antonio Eximeno den Ball ins Netz - ein Treffer, so fein herausgespielt, dass selbst die Gäste kurz Beifall klatschten. "Wir hatten das einstudiert", grinste Eusebio später, "aber eigentlich sollte der Ball auf die andere Seite. Glück gehört eben auch zur Taktik." Cali antwortete zwölf Minuten später durch Ruben Nani, der nach Vorlage von Caio Caneira eiskalt abschloss. Nani, der sich selbst gern als "Poet des Strafraums" bezeichnet, sagte nach dem Spiel: "Ich sah die Lücke, und der Ball wollte einfach dorthin. Es war fast romantisch." Kurz vor der Pause schlug Santa Fe zurück. Eximeno, diesmal selbst als Vollstrecker, verwandelte eine flache Hereingabe von Eusebio zum 2:1 (42.). Ein Treffer, der den Heimfans Hoffnung machte - und Trainer ForChampion dazu veranlasste, beim Pausenpfiff seufzend in sein Notizbuch zu malen. Nach der Pause wechselte er gleich dreimal, brachte frische Flügelspieler, und plötzlich wirbelte Cali durch die Santa-Fe-Abwehr wie ein tropischer Wirbelsturm. In der 61. Minute glich erneut Nani aus, diesmal nach Vorarbeit von Julio Gonzalez. Nur drei Minuten später war es dann Gonzalez selbst, der den Ball aus spitzem Winkel ins Tor hämmerte - 3:2 für Cali, und die Gästefans tanzten Samba auf der Tribüne. "Da dachte ich, das war’s", gestand Santa-Fe-Kapitän Ingo Panero später. "Die Jungs von Cali haben uns da richtig eingeschnürt. Ich hab kurz überlegt, ob wir einfach alle in der Defensive bleiben sollten - inklusive des Trainers." Doch Santa Fe gab sich nicht geschlagen. Die 15 Torschüsse der Hausherren zeugen von unermüdlichem Anrennen, während Cali mit elf Abschlüssen äußerst effizient blieb. Und als die Uhr auf 90 sprang, passierte, was in Fußballromanen immer passiert: Bruno Rocha stand goldrichtig, nachdem Altmeister Xabier Vico von links einen butterweichen Ball in die Mitte schlug. Rocha, 25 Jahre jung und mit dem Selbstbewusstsein eines ganzen Fanklubs, drosch die Kugel zum 3:3-Endstand ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Rocha nach dem Spiel, "wenn der Ball reingeht, war’s Absicht - wenn nicht, war’s halt ein Versuch." Trainer ForChampion nahm das späte Gegentor erstaunlich gelassen: "Wir spielen offensiv, also leben wir offensiv. Wenn du ständig auf den Flügeln rennst, darfst du dich nicht wundern, wenn hinten mal einer durchrutscht." Das Publikum verabschiedete beide Mannschaften mit Applaus - ein gerechtes Unentschieden, das niemanden richtig zufriedenstellte, aber alle bestens unterhielt. Santa Fe zeigte Moral, Cali zeigte Mut, und beide zeigten, dass kolumbianischer Fußball derzeit die wohl schönste Mischung aus Chaos und Technik bietet. Als die Flutlichter erloschen, lehnte sich ein älterer Fan auf der Tribüne zurück und sagte zu seinem Nachbarn: "Das war kein Spiel - das war ein Herzinfarkt in 90 Minuten." Man kann ihm schwer widersprechen. Denn wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich wohl noch lange an dieses 3:3 erinnern - ein Spiel, das bewies, dass Fußball manchmal kein Sieger braucht, um großartig zu sein. 01.01.643988 07:25 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic