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Ein Freitagabend in Galicien, Flutlicht über dem Estadio de A Malata, 36.000 Zuschauer mit Schal, Stimme und Hoffnung - und am Ende wieder diese alte Fußballweisheit: Ballbesitz schießt keine Tore. Sporting Ferrol hatte davon reichlich, 63,9 Prozent, aber CD Santa Cruz nahm die Punkte mit nach Hause. 2:1 hieß es nach 90 intensiven, teilweise hitzigen Minuten am 7. Spieltag der Primera División. Dabei begann alles nach Maß für die Gäste. In der 30. Minute rauschte Mateo Gutierre, der schon zuvor mit seiner unermüdlichen Arbeit auf der linken Seite aufgefallen war (und bereits Gelb gesehen hatte), in den Strafraum. Nach schönem Doppelpass mit Javier Viqueira schlenzte er den Ball ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich entschieden, ein Tor zu werden", grinste Gutierre später - und verschwand kurz darauf fast im Jubelhaufen seiner Mitspieler. Doch Ferrol reagierte prompt. Drei Minuten später (33.) erwischte Alberto Granero den Ball aus halbrechter Position, nachdem Gabri Ortega ihn mit einem sehenswerten Pass durch zwei Abwehrbeine geschickt hatte. Granero, der alte Routinier, ließ Keeper Zapatero keine Chance. "Der Ball war so schön, den musste ich einfach streicheln - ins Netz", sagte Granero später augenzwinkernd. Das 1:1 zur Pause schien gerecht. Ferrol hatte mehr vom Spiel, Santa Cruz das bessere Timing. Die Gastgeber spielten gefällig, ließen den Ball zirkulieren, aber gefährlich wurde es selten. Sechs Torschüsse in 90 Minuten - das ist für ein Team mit über 60 Prozent Ballbesitz eher ein Armutszeugnis. Trainer von Ferrol (der sich nach dem Abpfiff demonstrativ in seine Notizen vertiefte) soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn Schönheit Punkte gäbe, hätten wir die Liga schon gewonnen." Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag - allerdings wieder für die Gäste. In der 55. Minute stieg Innenverteidiger José Ramos nach einer Ecke von Matias Antolinez am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. Ramos, gerade einmal 21 Jahre alt, lief jubelnd Richtung Gästeblock und brüllte: "Ich bin kein Stürmer, aber heute einer mit Lizenz!" Es war sein erstes Saisontor - und das goldene. Ferrol drückte anschließend, kombinierte und kombinierte - und kombinierte weiter. Doch Santa Cruz stand kompakt, verteidigte mit wachsender Leidenschaft und, ja, ein bisschen Glück. Besonders der dänische Stürmer Andreas Norgaard hatte Pech im Abschluss: Drei seiner insgesamt fünf Torschüsse verfehlten das Ziel nur knapp, darunter ein feiner Drehschuss in der 52. Minute. Für Gesprächsstoff sorgten die jungen Wilden der Gäste. Trainer Markus Trölsch wechselte in der 49. Minute gleich doppelt: Mit Maximilian Mittelstädt (18) und Esteban Granados (21) brachte er Frische und Tempo - und die beiden machten mächtig Betrieb auf den Flügeln. "Wenn du jung bist, musst du laufen, sonst läuft dich die Liga um", meinte Granados nach dem Spiel trocken. In der Schlussphase wurde es ruppig. Vier Gelbe Karten, eine Verletzung (Gutierre musste nach 69 Minuten angeschlagen raus), viel Emotion - und ein Publikum, das zwischen Verzweiflung und Galgenhumor schwankte. Als in der 91. Minute Ferrols Diego Machado noch einmal abzog und Zapatero den Ball spektakulär parierte, rief ein Fan von der Tribüne: "Vielleicht nächste Woche, Diego!" Statistisch gesehen war Ferrol das bessere Team - zumindest auf dem Papier. 63,9 Prozent Ballbesitz, präzise Passfolgen, kaum Ballverluste. Doch Santa Cruz war effizienter: 13 Schüsse aufs Tor, zwei Treffer, drei Punkte. "Wir haben kein Kunstwerk gemalt, aber den Job erledigt", sagte Trölsch auf der Pressekonferenz, bevor er mit einem schelmischen Lächeln hinzufügte: "Ich mag Kunst ohnehin nicht besonders." Sporting Ferrol hingegen bleibt ratlos zurück. "Wir spielen gut, aber gewinnen nicht", murmelte Kapitän Gabri Ortega. Vielleicht sollte er hinzufügen: noch nicht. Denn wenn man 90 Minuten lang am Gegner vorbeispielt, aber nie durch ihn hindurch, dann fehlt weniger Talent als Biss. So feierte Santa Cruz einen Auswärtssieg, der nicht schön, aber clever war. Und während die Heimfans enttäuscht den Ausgang suchten, hallte aus dem Gästeblock noch lange ein Lied über "Helden in Weiß und Rot". Die Moral des Abends: Wer weniger den Ball hat, kann trotzdem den Abend besitzen. Und vielleicht, ganz vielleicht, denkt Ferrol beim nächsten Mal daran, dass Tore wichtiger sind als Prozente. 07.08.643990 10:56 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer