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Ein lauer Abend in Asunción, 12.500 Zuschauer, ein Flutlicht, das mehr flackerte als leuchtete, und zwei Teams, die sich gegenseitig nichts schenkten: CF Subio Nu und CF Libertad trennten sich am 10. Spieltag der 1. Liga Paraguay mit einem 1:1, das so gerecht war, dass selbst der Schiedsrichter zufrieden wirkte. Beide Mannschaften starteten mit der taktischen Ausrichtung "ausgewogen" - und hielten dieses Motto beinahe philosophisch durch. Kaum war der Anpfiff verklungen, prügelte Innenverteidiger Iban Farinos in der ersten Minute den Ball Richtung Tribüne, was im Stadion kurz für Aufregung sorgte, weil ein Verkäufer seine Empanadas retten musste. Danach übernahm Libertad leicht das Kommando, mit 50,8 Prozent Ballbesitz und ein paar gefährlichen Vorstößen über die rechte Seite. Die erste Torannäherung von Libertad kam durch Diego Baiao in Minute 5, doch Torhüter Adriano Capucho pflückte den Ball mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass seine Frisur wichtiger ist als der Winkel. Dann, in der 32. Minute, fiel das 0:1: Silvestre Carvalho flankte butterweich von rechts, und Vitorino Acevedo köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. Ein Bilderbuchtor, das in jedem Lehrvideo über "Wie man Flanken verwertet" laufen könnte. Acevedo jubelte mit ausgestreckten Armen, während Carvalho später grinsend meinte: "Ich hab eigentlich auf die Eckfahne gezielt, aber gut, dass Vitorino da war." Subio Nu brauchte ein paar Minuten, um sich zu schütteln - und Vincent Sandoval, der Mittelfeldmotor mit der Gelben Karte im Gepäck, übernahm das Kommando. "Ich war sauer, dass ich schon verwarnt war. Also dachte ich, wenigstens ein Tor muss her", erklärte er nach dem Spiel mit einem Zwinkern. In der 38. Minute war es dann soweit: Tiago Zubiaurre, der Dauerläufer auf rechts, legte mustergültig quer, und Sandoval drosch den Ball aus 18 Metern in die Maschen - 1:1. Das Stadion tobte, Trainer Jorge Davis riss die Arme hoch, und ein Fan im Subio-Nu-Trikot stürzte vor Freude über die Sitzreihe. Bis zur Pause blieb es beim offenen Schlagabtausch. Libertads Amaury Andrade sah in der 40. Minute Gelb, nachdem er Sandoval elegant umgesenst hatte - "war nur ein taktisches Missverständnis", meinte Andrade später mit einem Lächeln, das keine Reue kannte. Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel intensiv, auch wenn die Tore ausblieben. Subio Nu schoss aus allen Lagen - Caio Jorge probierte es in der 55., 65., 79. und 80. Minute - doch Libertad-Keeper Szymon Lesniak hatte einen dieser Tage, an denen er selbst mit verbundenen Augen noch pariert hätte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zuflog", sagte der Torhüter lachend. Libertad blieb gefährlich durch Isidoro Roi, der in der 89. Minute fast noch den Lucky Punch setzte, aber Capucho war wieder zur Stelle. Dazwischen gab’s noch Gelb für Zubiaurre, der in der 57. Minute zu energisch in einen Zweikampf ging - die dritte Verwarnung des Abends, und alle drei gerechtfertigt, wie selbst der temperamentvolle Davis später zugeben musste. Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 16 Torschüsse für Subio Nu, 10 für Libertad, Ballbesitz fast gleich verteilt. Beide Teams spielten solide, aber ohne Risiko. Die Zuschauer sahen zwar keinen Sieg, aber immerhin ein Spiel mit Tempo, Emotion und einem Hauch von Chaos - also genau das, wofür paraguayischer Fußball steht. "Wir hätten das zweite Tor machen müssen", brummte Subio-Nu-Trainer Jorge Davis nach Abpfiff, während sein Gegenüber nur grinste. "Wenn man auswärts ein 1:1 holt, sollte man nicht meckern", entgegnete Libertad-Coach (dessen Name sich die Statistik leider spart, aber dessen Selbstzufriedenheit unübersehbar war). Am Ende blieb es beim Remis - ein Ergebnis, das keiner Seite weh tut, aber beiden zeigt, dass ein bisschen mehr Mut manchmal den Unterschied macht. Oder, wie Sandoval es auf den Punkt brachte: "Manchmal ist Fußball wie Mate-Tee - bitter, aber belebend." Und so gingen beide Mannschaften vom Platz, ein bisschen frustriert, ein bisschen stolz - und mit dem Gefühl, dass dieses 1:1 wohl genau das war, was der Fußballgott an diesem Abend vorgesehen hatte. 05.03.643994 13:08 |
Sprücheklopfer
Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.
Otto Rehhagel