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Ein Flutlichtspiel am 17. Spieltag der 1. Liga Schweden, 28.782 Zuschauer im Stadion, und am Ende ein Ergebnis, das so gar nicht zum Spielverlauf passen wollte: Degerfor FF unterlag Ersboda BK mit 0:1. Ein einziger Moment in der 33. Minute entschied die Partie - Julio Sancho traf nach Vorlage von Rudolf Uggla, und die Gastgeber bissen sich anschließend die Zähne an einer clever verteidigenden Ersboda-Elf aus. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Schon nach 60 Sekunden prüfte Malkolm Berglund den Gästekeeper mit einem Aufsetzer, der allerdings mehr ein Weckruf für die Zuschauer als für den Torwart war. "Ich dachte, der Ball sei drin - aber anscheinend dachte der Ball das nicht", scherzte Berglund später mit einem gequälten Lächeln. Ersboda, von Trainer Piel Juergen gewohnt offensiv eingestellt, hielt sofort dagegen. In der 2. Minute zog Sancho erstmals ab, kurz darauf folgten zwei Versuche von Uggla, die Degerfor-Keeper Ferdinand Pederson zu Glanzparaden zwangen. Die Gäste spielten schnörkellos, mit kurzen Pässen und viel Bewegung zwischen den Linien - ein Lehrbuchbeispiel für modernes Umschaltspiel. Degerfor dagegen agierte, wie man es von einem Team mit "defensiver Grundordnung" erwarten darf: solide, aber harmlos. Trainer René Linge hatte sein Team auf Ballkontrolle gedrillt (55 Prozent Ballbesitz sprechen dafür), doch aus den Chancen wurde nichts Zählbares. Auf 16 Torschüsse brachte es Degerfor - und doch blieb die Null auf der Anzeigetafel. Dann kam die 33. Minute: Uggla dribbelte sich an der linken Seite durch, legte quer, Sancho zog trocken ab - 0:1. Pederson streckte sich vergeblich, die Ersboda-Bank jubelte, und Sancho rannte Richtung Eckfahne, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er hinterher. "Uggla hat den Ball so perfekt serviert, da musste ich nur noch Danke sagen." Degerfor reagierte - zumindest optisch. Bis zur Pause häuften sich die Abschlüsse, Berglund und Dahlström versuchten es aus allen Lagen, doch Torhüter Jorn Halvorsen hielt, was zu halten war. Und was er nicht hielt, ging ohnehin drüber. In der zweiten Halbzeit wurde es emotionaler. Erst sah Gudmund Abelson Gelb (48.), dann wurde er zur Pause ausgewechselt - "vorsorglich", wie Trainer Linge erklärte. "Ich wollte vermeiden, dass er sich in seiner Kreativität zu sehr von der Schwerkraft des Schiedsrichters beeinflussen lässt", meinte er trocken. Auch Patrice Evra, der 18-jährige Linksverteidiger, kassierte in der 68. Minute Gelb. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich später - was wohl stimmt, nur stand eben auch der Gegner im Weg. Ersboda blieb gefährlich, vor allem über Hoskins und Engel, bis Trainer Juergen in der 62. Minute den routinierten Urban Karlson brachte. "Wir mussten hinten stabiler werden, aber irgendwie haben wir vorne trotzdem weitergeschossen", sagte Juergen süffisant. Tatsächlich kam Ersboda auf zehn Abschlüsse - deutlich weniger als Degerfor, aber eben mit der besseren Quote. Die Schlussphase gehörte dann komplett den Hausherren. Zwischen der 80. und 86. Minute hagelte es Schüsse auf Halvorsens Tor - Neres, Dahlström, wieder Neres, und schließlich Tiburtius Berglund. Doch der Ball fand einfach nicht den Weg ins Netz. Einmal landete er sogar im Fangnetz hinter dem Tor, worauf die Fans auf der Haupttribüne spontan applaudierten - vielleicht aus Verzweiflung, vielleicht aus Galgenhumor. In der Nachspielzeit setzte Ersboda noch einen drauf: Paulus Ohlson prüfte Pederson in der 94. Minute mit einem Distanzschuss, als wollte er sagen: "Wenn ihr nicht wollt, wir können auch noch." Kurz darauf war Schluss - und Ersboda jubelte über einen Auswärtssieg, der in seiner Simplizität fast poetisch war. "Wir haben das Spiel kontrolliert, auch wenn wir weniger vom Ball hatten", erklärte Juergen auf der Pressekonferenz. "Manchmal reicht ein Tor - und manchmal ist ein Tor schon fast zu viel." René Linge hingegen stand mit verschränkten Armen da und seufzte: "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir heute 5:1 gewonnen." So blieb es beim bitteren 0:1, bei 16 vergebenen Chancen und einer Menge Frust im Stadion. Die Fans verabschiedeten die Mannschaft mit aufmunterndem Applaus - wohlwissend, dass Fußball manchmal einfach ein grausames Spiel ist. Oder, wie der erfahrene Pederson später in die Mikrofone murmelte: "Wir haben alles gegeben. Nur das Runde wollte halt wieder nicht ins Eckige. Vielleicht nächste Woche." Und vielleicht hat er recht - vielleicht. Aber an diesem Abend gehörte das Glück, die Effizienz und der Jubel allein Ersboda BK. 01.12.643990 03:40 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft