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Als der Schlusspfiff ertönte, blickten 59.000 Zuschauer im Estadio de la Costa zwischen Fassungslosigkeit und höflichem Applaus hin und her. UD San Luis hatte das Spiel gegen die Falmouth Villagers eigentlich im Griff - und doch endete es 1:1. Ein Ergebnis, das sich für die Hausherren anfühlte wie eine Niederlage und für die Gäste wie ein kleiner Triumph. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Schon in der 18. Minute zappelte der Ball im Netz der Engländer: Der quirlige Rechtsaußen Nelio Galan, gerade einmal 21 Jahre jung, schob den Ball nach feinem Zuspiel von Sacit Kuru eiskalt ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Galan später und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "Wenn man jung ist, denkt man nicht zu viel nach." Trainer Mental Monster, der sich mit seinem schwarzen Mantel und einem Gesichtsausdruck zwischen Vulkan und Zenmeister an der Seitenlinie zeigte, nickte dazu trocken: "Nelio hat heute gezeigt, warum er auf dem Platz steht. Und warum ich graue Haare habe." In der Folge war San Luis spielbestimmend. 55 Prozent Ballbesitz, kurze Pässe, geduldiges Aufbauen - fast schon zu geduldig. Die Villagers dagegen lauerten auf Konter, so wie es ihr Trainer Hermann Tüllinghoff im Vorfeld angekündigt hatte: "Wir sind keine Ballbesitz-Poeten. Wir sind Holzfäller mit Zielwasser." Dieses Zielwasser schien allerdings zu Beginn noch nicht ganz zu wirken. Aki Lampi schoss in der 34. Minute aus aussichtsreicher Position genau auf Torwart Fabio Galindo, der sich dafür artig bedankte, indem er den Ball dankbar aufnahm. San Luis hätte erhöhen können - ja, müssen. Bradley McLeod verpasste in der 20. Minute knapp, später auch in der 88., als sein Kopfball an der Latte klatschte. "Da fehlten vielleicht zwei Zentimeter oder ein besserer Friseurtermin", witzelte er nach dem Spiel. Nach der Pause stellte sich das Bild leicht um. Die Villagers kamen mit mehr Mut aus der Kabine, und plötzlich wirkte ihre rustikale Spielweise gar nicht so ungeschliffen. Joel Marshal, der 22-jährige Linksaußen, hatte in der 60. Minute schon angedeutet, was folgen sollte. Vier Minuten später traf er dann - trocken, wuchtig, unhaltbar. 1:1. Der Jubel der mitgereisten Fans aus Cornwall war ohrenbetäubend. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner blockt", sagte Marshal, "und dann war der Ball drin. Manchmal ist Fußball ganz einfach." Der Treffer veränderte die Statik des Spiels komplett. San Luis suchte verzweifelt den Weg nach vorn, während Falmouth nun mit langen Bällen und erstaunlich viel Herzblut agierte. In der 77. Minute rettete Galindo spektakulär gegen Lampi, in der 85. scheiterte Theo Boyle nur knapp. Es war die Phase, in der die Villagers ihre zehn Torschüsse auf die Statistik brachten - vier mehr als die Gastgeber. Trainer Monster tobte an der Seitenlinie, dirigierte, schimpfte, applaudierte. "Wir haben uns das selbst eingebrockt", knurrte er später. "Wenn du Chancen nicht nutzt, nutzt sie eben jemand anders." Sein Gegenüber Tüllinghoff konterte charmant: "Wir sind halt höfliche Gäste - wir nehmen einen Punkt mit und lassen den Rest hier." Taktisch war es ein Duell der Philosophien: San Luis mit balanciertem Aufbau, sicherem Passspiel und ruhigem Pressing - fast zu ruhig. Die Villagers dagegen offensiv im Schlussabschnitt, aggressiv, mit langen Bällen und aufopferungsvollem Einsatz. Dass sie am Ende tatsächlich den Ausgleich erzielten, war die logische Konsequenz dieser Hartnäckigkeit. In den letzten Minuten brachte Tüllinghoff sogar noch den 18-jährigen Predrag Kuzmanovic für den müden Fairchild - der Junge bekam prompt seinen ersten Schuss aufs Tor, den Galindo nur mit Mühe hielt. "Das war mein Moment", sagte Kuzmanovic strahlend. "Auch wenn er ihn gehalten hat - ich bin jetzt in der Statistik!" So blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das keine der beiden Seiten so richtig glücklich machte. San Luis bleibt in der Gruppenrunde der Copa Libertadores zwar ungeschlagen, aber mit angezogener Handbremse. Die Villagers wiederum feiern diesen Punkt, als hätten sie das Finale erreicht. Vielleicht war es genau das, was der Fußball an diesem Abend zeigen wollte: Schönheit und Chaos liegen manchmal nur einen Pass voneinander entfernt. Oder, wie es der sichtlich entspannte Tüllinghoff beim Hinausgehen formulierte: "Wenn du 59.000 Leute zum Schweigen bringst, hast du irgendwas richtig gemacht." 15.10.643990 21:06 |
Sprücheklopfer
Wir treten nicht an um ein Tor zu schießen, wir wollen das Spiel gewinnen!
Oliver Kahn