Heraldo de Mexico
+++ Sportzeitung für Mexico +++

Salamanca stolpert zuhause - Chetumal dreht das Spiel mit kühlem Kopf

Es war eine dieser Nächte, in denen das Stadion von Salamanca bebte - 52.000 Zuschauer, Trommeln, Gesänge, und mittendrin ein Spiel, das in seiner Dramaturgie fast zu lehrbuchhaft war, um wahr zu sein. AD Salamanca begann furios, führte, verlor den Faden - und am Ende auch das Spiel. Atletico Chetumal dagegen blieb stoisch, effizient und ein bisschen frech. Das Ergebnis: 1:2 aus Sicht der Gastgeber, und das völlig verdient.

Schon in der ersten Minute deutete sich an, dass Salamanca nicht auf Sicherheitsverwahrung spielte. Carlos Penas prüfte Chetumals Keeper Callum Greenwald mit einem frühen Schuss, der aber eher ein höflicher Gruß als eine ernsthafte Anfrage war. Nach nicht einmal 20 Minuten explodierte das Stadion: Jean-Pierre Boyle, ausgerechnet der Linksverteidiger, donnerte den Ball nach einer abgefälschten Flanke in die Maschen. 1:0 - und der Routinier ließ sich feiern, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, also habe ich einfach draufgehalten", grinste Boyle später.

Doch die Euphorie hielt keine 120 Sekunden. Chetumal antwortete eiskalt: Der 22-jährige Vicente Morte, pfeilschnell und unverschämt abgezockt, verwertete eine butterweiche Vorlage von Morgan Cort zum 1:1. Kaum war der Jubel in Salamanca verklungen, herrschte betretenes Schweigen. Trainer Bastian Roemmler an der Seitenlinie ballte die Faust - still, kontrolliert, zufrieden. "Wir wussten, dass Salamanca in dieser Phase offen steht. Genau da wollten wir hin", erklärte er nach dem Spiel mit einem Lächeln, das man zwischen Genie und Schadenfreude einordnen konnte.

Danach entwickelte sich ein munteres Hin und Her. Salamanca hatte zwar fast gleich viel Ballbesitz (49,3 Prozent), aber Chetumal war schlicht zielstrebiger. 15 Torschüsse zu 9 sprechen eine klare Sprache. Besonders auffällig: Nelio Celis, der linke Mittelfeldmann der Gäste, wirbelte pausenlos. Schon vor der Pause zwang er Keeper Pau Gomes zu Glanzparaden, und direkt nach Wiederanpfiff kam der große Moment des 30-Jährigen. Die 46. Minute lief, als Celis nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Oscar Galindez aus halblinker Position Maß nahm - flach, präzise, unhaltbar. 2:1 für Chetumal.

Während Roemmler sich nur dezent am Kragen zupfte, war auf der anderen Seite die pure Verzweiflung zu spüren. Salamanca-Coach (dessen Name man sich nach diesem Abend lieber spart) raufte sich die Haare. "Wir haben den Faden verloren, und Chetumal hat einfach clever gespielt", gab er später zu.

Die Hausherren versuchten es mit langen Bällen, mit Halbfeldflanken, mit Stoßgebeten - aber Chetumals Abwehr um Dominique Pare und Dennis Fleischer stand felsenfest. In der 70. Minute dann die wohl symbolträchtigste Szene: Javier Baro, ohnehin schon angefressen, rauschte in einen Zweikampf und sah Gelb. Nur Sekunden später nahm auch Roemmler eine taktische Änderung vor: Asimakis Tsionanis raus, Patrick Hayman rein - frische Beine fürs Zentrum, und genau die brauchte es, um Salamancas letzte Offensivversuche zu neutralisieren.

Die Gastgeber mühten sich, doch es fehlte die Präzision. Marco Mendes setzte in der 84. Minute noch einen Schuss knapp neben den Pfosten, und Bernardo Niguez tat es ihm gleich - aber Greenwald blieb fast beschäftigungslos. Dann, als Salamanca alles nach vorne warf, kam der emotionale Tiefpunkt: Jean-Pierre Boyle, der Held der Anfangsphase, sah in der 91. Minute glatt Rot nach einem ruppigen Einsteigen. Ein Abend, der so vielversprechend begonnen hatte, endete für ihn mit gesenktem Kopf in der Kabine. "Ich wollte nur den Ball treffen", stammelte er später, "aber der Ball war leider schon woanders."

Chetumal brachte die Nachspielzeit souverän über die Bühne - mit jener Ruhe, die Salamanca über 90 Minuten vermissen ließ. Am Ende jubelten die Gäste, während die Heimfans pfeifend das Stadion verließen.

Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Spiel, aber im entscheidenden Moment besaß Chetumal die Reife. Auch das Zweikampfverhältnis (51 zu 49 Prozent für die Gäste) unterstreicht, wie knapp die Partie eigentlich war. Doch Fußball wird bekanntlich nicht nach Ballbesitz entschieden, sondern nach Toren - und da stand es nun mal 1:2.

"Wir haben heute nicht schön gespielt, aber effektiv", bilanzierte Roemmler mit einem Achselzucken. "Manchmal reicht das." Salamanca hingegen muss sich fragen, wie man ein Spiel so aus der Hand geben kann. Vielleicht war es Übermut, vielleicht Pech - oder einfach ein Gegner, der an diesem Abend mehr wollte.

Ein augenzwinkernder Schluss bleibt: Jean-Pierre Boyle wird künftig wissen, dass man als Linksverteidiger nicht jede Heldengeschichte zu Ende schreiben sollte. Und Atletico Chetumal? Die nehmen drei Punkte mit, ein paar Schrammen - und das Gefühl, dass sie gerade einen kleinen Statement-Sieg gelandet haben.

30.03.643994 08:51
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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