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Was für ein Abend in der Opel-Arena von Rüsselsheim! 50.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das in seiner Dramaturgie fast schon zu schön war, um wahr zu sein - wäre da nicht die erste Halbzeit gewesen, in der der FC Rüsselsheim kurzzeitig so wirkte, als hätte er vergessen, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Am Ende aber jubelte alles in Blau-Weiß: 3:2 (1:2) gegen Holstein Kiel, ein Sieg, der Nerven kostete und Helden formte. Schon der Beginn war ein kleiner Paukenschlag: In der 20. Minute zimmerte Elias Frank, der flinke Linksaußen mit der Frisur eines 80er-Jahre-Rockstars, den Ball aus halblinker Position ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten. Und diesmal war keiner da, der mir sagt, ich soll den Ball nochmal querlegen", lachte Frank später in die Kameras. 1:0 - das Stadion vibrierte, Trainer Joao Felipe ballte die Faust, doch die Freude war von kurzer Dauer. Denn Kiel, angeführt von Coach Jason Voorhees (der Name verpflichtet zu furchtloser Offensive, möchte man meinen), ließ sich nicht lange bitten. Zwei Mal schlug Mario Alves zu - erst in der 36., dann in der 43. Minute. Beide Male zeigte der Linksaußen, dass Timing und Kaltschnäuzigkeit keine Gegensätze sein müssen. Einmal bedient von Oscar Rose, einmal nach feinem Zuspiel von Claudios Voores - und plötzlich stand es 1:2. "Da waren wir einfach zu brav", knurrte Rüsselsheims Abwehrchef Billy Ward später. "Zweikämpfe waren wohl heute optional." Die Halbzeitstatistik sprach eine deutliche Sprache: Kiel hatte leicht mehr Ballbesitz (50,7 Prozent) und zehn Abschlüsse aufs Tor, Rüsselsheim nur acht. Aber Spiele werden eben nicht von Prozenten gewonnen. In der Pause, so hörte man aus der Kabine, soll Coach Felipe seine Mannschaft "freundlich, aber deutlich" an ihre Berufsbeschreibung erinnert haben. "Ich habe gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann bitte auch mit Überzeugung. Nicht wie ein Hühnerhaufen, der Pressing nur vom Hörensagen kennt", grinste der Portugiese später. Und tatsächlich: Ab der 60. Minute drehte sich das Spiel. Der FC Rüsselsheim presste, kombinierte - und glaubte wieder an sich. Linus Hausmann, der bullige Mittelstürmer, wurde zum Mann des Abends. In der 73. Minute traf er nach Vorlage von Walter Thiel zum 2:2. Da bebte das Stadion. Nur zehn Minuten später, in der 83., wieder Hausmann! Diesmal nach Pass von Vitorino Oliveira - und das Leder zappelte erneut im Netz. 3:2! Die Rüsselsheimer Bank verwandelte sich in ein kollektives Luftsprung-Ballett. "Ich hab einfach weitergemacht. Der Trainer hat gesagt, ich soll mir vorstellen, das Tor sei eine Tür - und ich hab eben zweimal geklopft", sagte Hausmann hinterher mit einem Grinsen, das so breit war wie das Spielfeld. Kiel versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, doch die Präzision war dahin. Ein letzter Versuch von Vincent Makukula in der 89. Minute verfehlte um Zentimeter das Ziel. Trainer Voorhees winkte ab: "Wir waren nicht schlecht, aber Rüsselsheim war heute einfach unverschämt effizient. Vielleicht hätten wir auch mal foulen sollen - aber das ist nicht unser Stil." Fouls gab es ohnehin genug: Fünf Gelbe Karten, teils für eher unnötige Aktionen. Besonders Walter Thiel (22.) und Frank Ernst (66.) sorgten für Trainer Felipe kurzzeitig für leichte Nervenzuckungen an der Seitenlinie. "Die Jungs wollten halt zeigen, dass sie nicht nur schön spielen können", kommentierte er trocken. Am Ende blieb die Erkenntnis: Rüsselsheim kann auch dreckige Siege. Und Holstein Kiel? Die Nordlichter dürften sich über den verpassten Dreier ärgern, aber immerhin wissen sie jetzt, dass Mario Alves jederzeit ein Spiel im Alleingang kippen kann - wenn man ihn lässt. Während die Fans nach Abpfiff noch immer "Rüsselsheim! Rüsselsheim!" skandierten, schlich Hausmann mit dem Spielball unter dem Arm vom Platz. "Den nehm ich mit", sagte er, "man weiß ja nie, wann man wieder zwei Tore macht." Ein Satz, der in Rüsselsheim wohl noch lange nachhallen wird. Und vielleicht, nur vielleicht, hat an diesem Abend ein Außenseiter beschlossen, dass er in dieser Liga nicht bloß mitspielen, sondern mitreden will. Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, summte Elias Frank leise vor sich hin: "Wir sind wieder da." Ironisch, klar - aber mit breiter Brust. 17.03.643987 23:40 |
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