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Rüsselsheim verliert spät - Saar klaut die Punkte in letzter Minute

Ein kalter Januarabend, Flutlicht über der Arena am Main, 46.677 frierende, aber hoffnungsvolle Kehlen - und am Ende wieder dieses bittere Gefühl: Der FC Rüsselsheim verliert gegen den SC Saar mit 1:2 (1:0). Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Chancen, Gelbe Karten - und einen Alptraum in der Nachspielzeit.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Schon in den ersten Minuten schnürte Rüsselsheims Offensivreihe um Jesus John und Linus Hausmann die Gäste ein. Drei Schüsse in den ersten fünf Minuten - der SC Saar wusste zunächst gar nicht, woher der Wind wehte. Trainer Joao Felipe schrie vom Rand: "Mehr Druck!", und seine Jungs lieferten. In der 24. Minute war es dann so weit: Björn König flankte von links, Oliver Couture nahm die Kugel volley - 1:0! Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch. "Ich hab einfach instinktiv draufgehalten", grinste Couture später. "Wenn ich da denke, geht der nie rein."

Saar-Trainer Peter Wessel sah da noch erstaunlich gelassen aus. "Wir wussten, dass Rüsselsheim anfangs wild draufgeht. Das ist deren Stil - schön anzuschauen, aber selten über 90 Minuten durchzuhalten", sagte er hinterher mit einem Lächeln, das zwischen Ironie und Prophezeiung pendelte.

Rüsselsheim blieb bis zur Pause am Drücker, hatte mehr vom Spiel (Ballbesitz 49,6 zu 50,4 - also praktisch Gleichstand, aber gefühlt mehr), gewann leicht mehr Zweikämpfe (51 Prozent) und schien das Geschehen zu kontrollieren. Nur Gelb für Rechtsverteidiger Asier Bosingwa kurz vor der Pause trübte das Bild - er hatte den schnellen Daniel DeBrosse etwas zu leidenschaftlich gebremst.

Doch nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel. Saar, bisher abwartend, fand plötzlich Gefallen am Kontern. In der 51. Minute reichte ein langer Ball aus der eigenen Hälfte, Benjamin Cabell legte elegant quer, und Caio Bosingwa - kein Verwandter des Rüsselsheimers - versenkte eiskalt ins rechte Eck. Ausgleich. "Das war ein sauberer Angriff", lobte Wessel später. "Einmal kurz gezuckt und schon drin."

Rüsselsheim wirkte geschockt, fing sich aber wieder. Hausmann scheiterte gleich dreimal (58., 70., 73.) am glänzend reagierenden Vincent del Olmo im Saarer Tor, der an diesem Abend fast magnetische Hände zu haben schien. Del Olmo selbst blieb bescheiden: "Ich hab einfach versucht, nicht an den Wind zu denken. Und an die Finger."

Dann kam die Schlussphase - und sie hatte Dramatik pur. Erst Gelb für Benjamin Walter (75.) nach einem rustikalen Einsteigen, dann noch eine für Walter Thiel (79.) - Rüsselsheim spielte mit viel Herz, aber auch etwas zu viel Hitze. Saar wechselte in der 70. Minute frischen Schwung ein: Enzo Beltrame kam für den müden DeBrosse. Der neue Mann brachte Energie, provozierte Fouls und hielt die Rüsselsheimer Verteidiger auf Trab.

Die 90. Minute lief schon, die Fans sangen sich den Frost aus den Knochen, da gab’s den letzten Freistoß für Saar. Xavier Carvalho brachte den Ball hoch in den Strafraum, Rüsselsheim klärte halbherzig - und dann: Riley Broderick, 31 Jahre, Routinier, nahm das Leder volley - 2:1! In der 92. Minute! Das Stadion erstarrte, nur im Gästeblock brach ein Fest los.

"Ich hab nur gehofft, dass er nicht drübergeht", sagte Broderick später, noch halb ungläubig. Trainer Wessel grinste breit: "Das nennt man wohl späte Reife." Auf der anderen Seite stand Joao Felipe mit verschränkten Armen, den Blick leer. "Wir kassieren das Tor, weil wir nicht wach sind. Das ist bitter. Aber meine Jungs haben gekämpft, das muss man sagen."

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe - 12:10 Torschüsse, minimal mehr Ballbesitz für Saar, praktisch identische Zweikampfwerte. Doch Fußball wird eben nicht nach Prozentpunkten entschieden, sondern nach Toren. Und da hatte Saar am Ende das eine mehr.

Im Kabinentrakt hörte man später noch, wie ein Rüsselsheimer Spieler murmelte: "Immer dieses 92. Minute-Ding…" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Dann sollten wir vielleicht mal bis 95 spielen."

So bleibt vom 4. Spieltag in der 1. Liga Deutschland die Erkenntnis: Rüsselsheim kann schön spielen, aber Saar kann warten. Und ein bisschen Zynismus darf man sich als Reporter erlauben: Wer in der Nachspielzeit schläft, darf sich über böse Träume nicht wundern.

Joao Felipe versprach immerhin: "Nächste Woche stehen wir auf - und diesmal bis zum Abpfiff." Man darf gespannt sein.

04.03.643987 07:34
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2 bis 3 Prozent.
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