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59.000 Zuschauer im Stadion von Cincinnati sahen ein Spiel, das alles bot, was man in der Amerikaliga erwartet: Kampf, Tempo, Emotion - und zwei Teams, die sich am Ende gegenseitig neutralisierten. 2:2 hieß es nach 95 packenden Minuten zwischen den Cincinnati Royals und Bull Bay - ein Ergebnis, das sich für die Gastgeber eher wie eine Niederlage anfühlte. Die Royals starteten forsch und kombinierten sich früh in die gefährliche Zone. Joshua Meier, der flinke Linksaußen, prüfte schon in der 23. Minute Gästetorwart Andrew Gayheart - noch ohne Erfolg. Doch in der 36. Minute klingelte es: Tyler Roades legte clever ab, Meier zog trocken ab - 1:0! Die Fans tobten, Trainer Ronny Bark ballte die Faust. "Wir wussten, dass Joshua den linken Fuß hat, der auch Stahl schneiden könnte", grinste Bark später. Bull Bay, von Coach Sports Mann gewohnt offensiv eingestellt, hatte bis dahin mehr Ballbesitz (am Ende 52,3 Prozent) und auch mehr Abschlüsse (14 zu 10). Doch die Royals wirkten zielstrebiger. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff schlug Niccolo Lago zu - wieder nach Vorarbeit von Roades. 2:0 in Minute 48, und viele dachten, das Ding sei durch. "Ich habe kurz überlegt, ob ich mir schon eine Cola gönne", witzelte ein Fan auf der Tribüne, "aber das war wohl zu früh." Recht hatte er. Denn Bull Bay wachte plötzlich auf. In der 57. Minute bediente Bruno Calvente mustergültig den flinken Juanito Mendez, der per Flachschuss den Anschluss erzielte. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Mendez hinterher trocken. Trainer Mann reagierte sofort, brachte Marcio Nani und nahm Jerome DeBrosse vom Feld. Nur zwei Minuten später wechselte er auch Mendez aus - für Hugo Manu. "Ich wollte frische Beine, aber das Tor hat Juanito sich verdient", erklärte Mann, der das Spiel zunehmend von der Seitenlinie dirigierte wie ein Dirigent ein wild gewordenes Orchester. Die Royals verloren in dieser Phase ihre Ordnung. Während Bark wild gestikulierend am Spielfeldrand stand, marschierte Bull Bay unermüdlich nach vorne. Karl Andersson, eigentlich linker Verteidiger, schlug in der 69. Minute eine butterweiche Flanke, die der junge Joao del Rio eiskalt verwertete. 2:2 - und der Auswärtsblock explodierte. "Ich wollte nur den Kopf hinhalten", grinste del Rio später, "aber anscheinend war das genug." In der Schlussphase wurde es ruppiger: Andersson, Afzelius und MacMillan kassierten Gelb - ein klares Zeichen, dass Bull Bay nun auch körperlich dagegenhielt. Die Royals hingegen wirkten müde. Mohamed Van Laecken versuchte es in der 88. Minute noch einmal mit einem satten Schuss, doch Gayheart kratzte den Ball aus dem Winkel. "Wir haben zwei Punkte verschenkt, das ist bitter", knurrte Trainer Bark in der Pressekonferenz. "Wenn du 2:0 führst, darfst du das nicht mehr hergeben." Sein Pendant Sports Mann sah das naturgemäß anders: "Das war Charakter! Wir sind zurückgekommen, weil wir nie aufgehört haben, zu glauben." Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 10:14 Torschüsse, 47,6 Prozent Ballbesitz für die Royals, Zweikampfquote fast pari. Taktisch blieb Bark seiner offensiven Linie treu, während Mann in den letzten Minuten noch Pressing anordnete - und damit die Royals endgültig in die Defensive drückte. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten beide Trainer kurz ab - halb Respekt, halb Erleichterung. Auf der Tribüne seufzte ein älterer Fan: "Schönes Spiel, aber mein Herz macht das nicht mehr oft mit." Und so endete ein Abend, der eigentlich nach einem königlichen Fest aussah, mit einem Unentschieden, das keiner so recht wollte. Die Royals müssen sich fragen, warum sie nach 48 Minuten aufgehört haben, Fußball zu spielen. Bull Bay dagegen wird sich freuen, dass 90 Minuten eben 90 Minuten dauern. Oder, wie es Joao del Rio grinste: "Manchmal ist der Punkt mehr wert als Gold - wenn man ihn aus Cincinnati mitnimmt." Ein Spiel, das die Amerikaliga so liebt: laut, wild, unberechenbar - und am Ende gerecht. 15.10.643990 15:34 |
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Wir treten nicht an um ein Tor zu schießen, wir wollen das Spiel gewinnen!
Oliver Kahn