Anpfiff
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Rostock dreht auf - späte Welle trägt die Kogge zum 3:2 über Köln

Manchmal sind Fußballspiele wie Nordseewetter: erst grau, dann stürmisch, und am Ende scheint plötzlich die Sonne. Der FC Rostock besiegte am vierten Spieltag der 2. Liga den SC Köln mit 3:2 - und das nach einem Auf und Ab, das die 15.957 Zuschauer im Ostseestadion kaum still auf ihren Sitzen ließ.

Trainer Thom Wöhrle rieb sich nach Abpfiff lachend den Nacken. "Ich wollte eigentlich nicht, dass es so spannend wird", sagte er, "aber meine Jungs haben wohl beschlossen, es den Fans warm ums Herz zu machen." Warm wurde es tatsächlich - spätestens nach Johannes Weiss’ spätem Doppelschlag, der Rostock die Punkte brachte.

Zunächst begann alles gemächlich, fast höflich. Beide Teams testeten den Rasen, als wollten sie sich erst die Schuhe schmutzig machen, bevor sie Ernst machten. Köln, unter Klaus Kirpeit wie gewohnt offensiv eingestellt, griff früh an, doch Rostocks Torwart Sergio Antunes pflückte die ersten Versuche von Böhm und Cosenza sicher herunter.

In der 34. Minute dann der erste Nordwindstoß: Vicente Butragueno, quirlig wie ein spanischer Seemann auf Landgang, narrte seinen Gegenspieler, legte quer, und Johannes Weiss wuchtete den Ball zum 1:0 unter die Latte. Das Stadion jubelte, als wäre der Aufstieg schon in der Tasche - aber zwei Minuten später war die Euphorie wieder Geschichte. Kölns David Barth, klug bedient vom blutjungen Vincent Mascarenhas, glich eiskalt aus. 1:1, und Trainer Kirpeit ballte die Faust, als hätte er gerade die Tabellenführung erobert.

"Wir wollten das Spiel drehen, aber dann hat Rostock einfach nicht aufgehört zu rennen", meinte Barth später, noch leicht keuchend. "Die haben uns regelrecht überspielt in den letzten zwanzig Minuten."

Bis dahin jedoch sah es gut aus für die Gäste. Nach der Pause kamen sie wacher zurück, und Andreas Böhm krönte die Kölner Drangphase mit dem 2:1 in der 62. Minute. Vorlage? Natürlich wieder Cosenza, der mit einem butterweichen Pass die Rostocker Abwehr aufschlitzte. Wöhrle an der Seitenlinie schimpfte gestikulierend auf seine Abwehr: "Wir sind hier nicht beim Schach, Männer, bewegt euch!"

Und sie bewegten sich. Rostock übernahm das Kommando, das Publikum schob sie mit jeder Aktion nach vorn. 56 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache, und spätestens nach Vicente Butragueños Ausgleich in der 73. Minute - vorbereitet vom unermüdlichen Linksverteidiger Nils Sturm - bebte das Stadion.

Köln reagierte mit Gelb: Böhm ließ sich zu einem rustikalen Einsteigen hinreißen und sah in der 74. Minute die Karte. "War nix, der ist einfach gefallen", verteidigte er sich hinterher mit einem Grinsen, "vielleicht sollte ich auch mal Schauspielunterricht nehmen."

Die Partie kippte endgültig, als Rostock noch einmal alles nach vorn warf. Ein Schuss von Hans Singer in der 80. Minute verfehlte das Tor nur knapp, doch acht Minuten später wurde er zum heimlichen Helden: Sein Pass von rechts fand wieder Johannes Weiss, der in der 88. Minute eiskalt zum 3:2 einschob. Das Stadion explodierte - und Kölns Trainer Kirpeit stand wie eingefroren an der Seitenlinie.

"Das ist bitter", gab er später zu. "Wir haben zehn Torschüsse, führen 2:1, und am Ende verlieren wir durch einen Moment der Unordnung. Aber so ist Fußball - und Rostock hat’s clever gemacht."

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: Schüsse 9 zu 10, Zweikampfquote fast ausgeglichen, aber Rostock zeigte mehr Mut, mehr Willen - und vor allem mehr Johannes Weiss. Der 32-jährige Stürmer, mit zwei Toren und einer Prise Altersweisheit, wurde von den Fans gefeiert, als wäre er gerade von der Ostsee persönlich ans Ufer gespült worden. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste er, "und gehofft, dass der Ball diesmal nicht die Möwen trifft."

Nach Abpfiff schunkelten die Rostocker Fans, während Trainer Wöhrle in die Kurve winkte. Kölns Mannschaft verschwand wortlos in der Kabine - abgesehen von Böhm, der sich noch einen Handschlag von Weiss abholte.

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: wegen der späten Tore, wegen der Energie - und vielleicht auch, weil man mal wieder merkte, dass Fußball am schönsten ist, wenn er unberechenbar bleibt.

Oder, wie es ein Rostocker Fan auf den Punkt brachte, während er seine Fahne einrollte: "Hauptsache, die Kogge schwimmt wieder oben."

22.02.643987 19:32
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