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Wenn am 1. Dezember in Roskilde die Flutlichter angehen, dann weiß man: Hier wird wieder Fußball gearbeitet - nicht zelebriert. 27.000 Zuschauer sahen an diesem frostigen Montagabend ein Spiel, das alles hatte, was ein guter dänischer Winterkick braucht: frühe Euphorie, späte Ernüchterung und dazwischen jede Menge Kampf, Krämpfe und Gelbe Karten. Am Ende trennten sich der SC Roskilde und Lyngby BC mit 1:1, ein Ergebnis, das beiden Trainern zugleich Falten auf die Stirn und ein schiefes Lächeln ins Gesicht zauberte. Schon in der achten Minute bebte das kleine Stadion, als David Nielsen - der ewige Nielsen, wie ihn die Fans nennen - den Ball nach einem butterweichen Pass des jungen Frans Ravn ins Netz wuchtete. "Ich hab gar nicht groß überlegt", grinste Nielsen nach Abpfiff, "wenn man so schön bedient wird, muss man einfach Danke sagen." Trainer Verti Bogts hätte am liebsten die Uhr angehalten. "Da dachte ich kurz, das wird ein ruhiger Abend. Ich hätte es besser wissen müssen", murmelte er später mit einem Seufzer. Denn Lyngby, anfangs im offensiven Rausch, ließ sich von dem Rückschlag nicht beirren. Stig Buhl und Domingo Manuel prüften Torwart Björn Juul gleich mehrfach - der Mann im Roskilde-Tor hatte einen dieser Tage, an denen man sich fragt, ob er heimlich Magneten in den Handschuhen trägt. Ganze 17 Torschüsse feuerten die Gäste ab, Roskilde dagegen brachte gerade einmal vier zustande. Trotzdem führten die Hausherren zur Pause mit 1:0. "Wir hätten aus der Kabine gar nicht rausgehen sollen", knurrte Lyngbys Coach Hans Kellershoff, "da drinnen war’s wärmer und ungefährlicher." Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete: Lyngby rannte, Roskilde stand. Und stand. Und stand. Bis zur 69. Minute. Da kam der Moment des Vitor Futre, der kurz zuvor für den müden Ernst Pohl eingewechselt worden war. Nach feinem Zuspiel von Elias Van Ranst schob der Portugiese den Ball überlegt ins rechte Eck - das verdiente 1:1. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte Futre mit einem Zwinkern, "aber manchmal ist das Tor halt im Weg." Danach wurde es ruppig. Drei Gelbe Karten in der Schlussphase, unter anderem für den grimmig kämpfenden Hemming Thygesen in der 90. Minute, zeigten, dass beide Teams mit dem Punkt nicht ganz glücklich waren. Besonders Roskilde, das nach dem verletzungsbedingten Aus von Ravn (49.) sichtbar an Struktur verlor, musste am Ende froh sein, dass Juul weiter alles hielt, was ihm entgegenflog. Die Statistik sprach Bände: 56 Prozent Ballbesitz für Roskilde, aber Lyngby mit deutlich mehr Zug zum Tor. 17:4 Torschüsse, ein Beweis, dass Zahlen im Fußball nicht immer die Wahrheit erzählen. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Chancen - am Ende hat keiner gewonnen, also sind wohl beide schuld", kommentierte Trainer Bogts trocken und erntete dafür ein Lachen in der Pressekonferenz. Hans Kellershoff hingegen war trotz des verpassten Sieges erstaunlich gelassen: "Wir wollten was mitnehmen - das haben wir. Auch wenn’s nur Frostbeulen und ein Punkt sind." Seine Spieler dürften das ähnlich sehen. Man sah ihnen an, dass sie am Ende mehr mit der Kälte als mit dem Gegner kämpften. Die Zuschauer verabschiedeten beide Mannschaften mit Applaus - und einem Hauch von Ironie. "Das war kein Glühweinspiel, das war ein Wodkaabend", rief ein Fan beim Verlassen des Stadions. Recht hatte er. So bleibt unter dem Strich ein 1:1, das wohl keiner so richtig wollte, aber auch keiner ganz unverdient fand. Roskilde zeigte Herz, Lyngby zeigte Moral, und die dänische 1. Liga bekam ein weiteres Kapitel dieser eigenwilligen Mischung aus rustikalem Charme und taktischer Disziplin. Zum Schluss noch ein kleiner Dialog aus der Mixed Zone, der das Ganze perfekt zusammenfasst: "Herr Bogts, zufrieden?" - "Mit dem Ergebnis? Nein. Mit dem Einsatz? Ja. Mit dem Wetter? Auf keinen Fall." Und damit ist alles gesagt, was man an einem Dezemberabend über Fußball in Roskilde sagen kann. 23.02.643987 04:06 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler