Anpfiff
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Rosenheim spielt groß auf - und verliert trotzdem: 2:3 gegen Leverkusen

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man sich eigentlich in die Kälte des Januarstadions setzt - und dann merkt, dass genau dafür Fußball erfunden wurde. 21.560 Zuschauer in Rosenheim sahen ein Drama in drei Akten: frühes Zittern, jugendlichen Übermut und späte Ernüchterung. Am Ende jubelte der SC Leverkusen über ein 3:2, während der TSV Rosenheim trotz beherztem Kampf mit leeren Händen dastand.

Der Anpfiff war noch nicht richtig verklungen, da lag der Ball schon im Netz. In der ersten Minute nutzte Leverkusens Routinier Dieter Blanchet eine Unachtsamkeit in der Hintermannschaft der Gastgeber eiskalt aus - 0:1. "Da haben wir wohl noch den Pausentee vom letzten Spieltag im Kopf gehabt", stöhnte Rosenheims Keeper Gabri Maniche später.

Doch wer dachte, die jungen Wilden aus Rosenheim würden sich einschüchtern lassen, irrte. Trainerin Alina Schmidt hatte ihre Teenagertruppe - gleich sieben Spieler unter 19 Jahren in der Startelf - auf Offensive getrimmt. Und die Jungs legten los wie in der A-Jugend-Endrunde. In der 27. Minute war es Christopher Zimmer, gerade einmal 18, der nach Vorarbeit von Ansgar Anderson den Ball über die Linie drückte. Das Stadion bebte, die Fans rochen Blut.

Zwölf Minuten später legte derselbe Zimmer noch einen nach, diesmal ganz ohne fremde Hilfe. Mit jugendlicher Unbekümmertheit und einem Schuss, der so präzise war, dass Leverkusens Torwart Friedrich Bode nur noch hinterherschauen konnte, drehte der TSV die Partie. 2:1 - und man glaubte fast, das Märchen gehe weiter.

Die Pausenstatistik sprach für die Hausherren: 46 Prozent Ballbesitz, aber mehr Wille, mehr Feuer, mehr Mut. "Wir haben gesagt, wir gehen da raus und zeigen, dass Rosenheim kein Durchfahrtsort ist", grinste Trainerin Schmidt.

Doch der zweite Durchgang begann, wie der erste: Leverkusen traf, Rosenheim staunte. In der 50. Minute nahm sich der junge Matias Goncalves ein Herz, zog aus 20 Metern ab - und der Ball schlug unhaltbar ein. 2:2. "Ich dachte, der Ball geht in die Isar", witzelte Goncalves später, "aber anscheinend hatte er andere Pläne."

Dann kippte das Spiel. Rosenheim blieb zwar mutig, kam durch Zimmer und Giese zu weiteren Chancen, doch die Routine der Gäste setzte sich durch. Und als in der 72. Minute Rechtsverteidiger Tim Bender nach einem rustikalen Einsteigen die Rote Karte sah, kippte die Waage endgültig. "Das war kein Foul, das war ein Missverständnis zwischen mir und der Erdanziehung", verteidigte sich Bender im Kabinengang halb lachend.

Leverkusen nutzte die numerische Überlegenheit eiskalt. In der 74. Minute traf erneut Dieter Blanchet - diesmal nach feinem Zuspiel von Osip Wassiljew - und stellte auf 3:2. Das war’s. Die letzten Minuten wurden zu einer Mischung aus Verzweiflung und jugendlichem Trotz: Rosenheim warf alles nach vorn, kassierte noch eine Gelbe (Joschua Hess, 84.), aber kein Tor mehr.

"Meine Jungs haben heute Fußball gearbeitet, nicht gespielt", analysierte SC-Coach Martin Harder nüchtern, "aber am Ende zählen nur die Punkte." Sein Rosenheimer Pendant sah das anders: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Wenn wir unsere Nerven noch so gut im Griff hätten wie unsere Frisuren, hätten wir mindestens einen Punkt."

Statistisch war das Ganze fast ausgeglichen: 9:9 Torschüsse, 46 zu 54 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote knapp pari. Aber das Spiel erzählte eine andere Geschichte - die von Erfahrung gegen Begeisterung, von Kaltschnäuzigkeit gegen jugendliche Naivität.

Nach dem Abpfiff applaudierte das Publikum trotzdem stehend. "Wenn du mit 18 in der 3. Liga zwei Tore schießt, darfst du auch mal verlieren", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne, während neben ihm jemand schmunzelnd ergänzte: "Aber bitte nicht nächste Woche wieder so."

So bleibt Rosenheim ohne Punkte, aber mit viel Respekt. Und wer weiß - wenn diese jungen Wilden weiter so mutig aufspielen, wird über kurz oder lang auch das Ergebnis stimmen.

Zum Schluss sagte der zweifache Torschütze Zimmer fast schon abgeklärt: "Ich hab früher auf dem Bolzplatz gegen meinen Opa gespielt - der war auch nicht leichter zu knacken." Der Junge hat Humor. Und vielleicht genau das, was dieser TSV in Zukunft braucht: Leichtigkeit im Kampf.

Denn manchmal ist eine Niederlage der Anfang von etwas Großem - auch wenn sie sich an einem kalten Januarabend zunächst wie ein kräftiger Tritt in die Fußballseele anfühlt.

28.03.643987 09:00
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