Jamaica News Bulletin
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Remis mit Rhythmus - Spanish Town und Kingston Blues trennen sich 1:1

Es war ein Abend, an dem die Palmen rund um das Stadion von Spanish Town im warmen Wind raschelten, die Trommeln auf den Rängen nie wirklich zur Ruhe kamen - und am Ende doch niemand so richtig wusste, ob man sich über das 1:1 freuen oder ärgern sollte. 58.162 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Leidenschaft, ein bisschen Chaos - und zwei Tore, die fast im Minutentakt fielen.

Beide Teams begannen offensiv, als hätten sie sich vor dem Spiel auf ein Gentleman’s Agreement geeinigt: "Wir lassen’s krachen!" Spanish Town-Coach Ioannis Exis grinste nach dem Abpfiff: "Wir wollten von Anfang an Druck machen - und ja, manchmal haben wir’s vielleicht ein bisschen übertrieben." Tatsächlich hielten seine Spieler den Ball mit 55 Prozent Ballbesitz mehr in den eigenen Reihen, aber die Gäste aus Kingston waren brandgefährlich, wenn sie einmal losstürmten.

Die "Blues" - ihr Name ist Programm - spielten nicht nur in blauen Trikots, sondern auch mit der typisch jamaikanischen Coolness: lange Bälle, schnelle Konter, wenig Firlefanz. Ihre Taktik war klar: Offensive Grundausrichtung, aggressiv im Zweikampf, keine Lust auf Pressing, dafür jede Menge Mut. Und so dauerte es keine zwei Minuten, bis Ellis Chisholm erstmals abzog. Der Ball rauschte knapp vorbei, aber das war das Startsignal für eine temporeiche erste Halbzeit.

Spanish Town antwortete durch Dominique Merz und Didier Valentine, doch Kingston-Keeper Dimas Hermenegildo erwies sich als unüberwindbarer Rückhalt. In der 33. Minute musste Schiedsrichter Malcom Baird erstmals Gelb zücken - ausgerechnet der gerade eingewechselte Paulus Bengtsson sah sie, vermutlich weil er dachte, ein rustikaler Einstieg sei die beste Visitenkarte. Trainer Kevin Tüllinghoff kommentierte später trocken: "Paulus wollte gleich zeigen, dass er da ist. Nun, das hat er geschafft."

Zur Pause stand es 0:0 - aber langweilig war das Spiel nie. Nach dem Seitenwechsel kam endlich, was kommen musste. In der 57. Minute schickte Lewis Stanton einen dieser butterweichen Flankenbälle in den Strafraum, George Deschanel stieg hoch, und das Stadion explodierte. 1:0 für Spanish Town! Der 23-Jährige rannte jubelnd zur Eckfahne, hob die Arme - und sagte später lachend: "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war. Ich hab einfach gehofft, dass alle schreien."

Doch die Freude währte keine zwei Minuten. Kingston antwortete prompt - und zwar mit Stil. Lewis Corraface leitete einen Angriff über rechts ein, spielte quer auf Leon Marot, der aus 18 Metern trocken abschloss. 59. Minute, 1:1. Marot, der schon zuvor auffällig war, erklärte hinterher: "Ich dachte mir, wenn niemand mich angreift, dann eben ich selbst. Und siehe da - manchmal klappt’s."

Danach ging’s hin und her, als hätten beide Seiten beschlossen, dass Verteidigen völlig überbewertet ist. Robert Bonald und Chisholm feuerten für Kingston aus allen Lagen, während auf der anderen Seite die Brüder (?) Deschanel - George und Lewis - nacheinander mehrfach an Hermenegildo scheiterten. "Der Typ hat Magnet-Handschuhe", murmelte Lewis Deschanel nach seinem dritten vergebenen Versuch in der 87. Minute kopfschüttelnd.

Die Schlussphase war dann pures Nervenflattern. Spanish Town drückte, Kingston konterte, der Ballbesitz sprach für die Gastgeber, die Chancenbilanz (12:10 Torschüsse) leicht für die Gäste. Und irgendwo zwischen Leidenschaft und Leichtsinn blieb die Entscheidung aus.

Nach dem Abpfiff klatschten sich beide Trainer ab - seltenes Bild in diesen hitzigen Ligawochen. "Ein gerechtes Ergebnis", fand Exis, "auch wenn meine Jungs das Gefühl haben, zwei Punkte verloren zu haben." Tüllinghoff konterte mit einem Grinsen: "Ich sag’s andersrum - wir haben einen gewonnen."

In den Katakomben war die Stimmung dann fast ausgelassen. Reggae-Musik aus der Umkleide von Kingston, zufriedenes Murmeln bei Spanish Town. Und während draußen die Fans in den Straßen noch tanzten, schien sich ein stilles Fazit durchzusetzen: Wenn schon kein Sieg, dann wenigstens Unterhaltung pur.

"Das war Fußball mit Rhythmus", meinte ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions, "manchmal schief, manchmal laut, aber nie langweilig." Und vielleicht war genau das die Wahrheit dieses Abends: Ein 1:1, das keiner so richtig wollte - aber alle irgendwie genossen.

Denn wenn Spanish Town und die Kingston Blues aufeinandertreffen, dann ist klar: Hier wird nicht nur gekickt, hier wird gespielt - mit Herz, Humor und einer Prise Wahnsinn.

20.12.643987 18:14
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