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Ein lauer Januarabend in Pedro Juan Caballero, 21.540 Zuschauer, Flutlicht, Mate-Tee und Spannung in der Luft - es war angerichtet für den 13. Spieltag der 1. Liga Paraguay. UD 2 de Mayo empfing CF Libertad, und am Ende stand ein 1:1, das weder Fisch noch Fleisch war, aber immerhin ordentlich Würze hatte. Schon nach neun Minuten brannte die Luft: Libertads Routinier Xavi Viqueira, 34 und immer noch mit dem Anschein, als sähe ihn der Ball lieber als umgekehrt, traf nach feiner Vorarbeit von Carlos Meireles aus halblinker Position ins Netz. "Ich hab einfach abgezogen, weil keiner mich gestört hat - und ehrlich gesagt, war ich selbst überrascht, dass er reinging", grinste Viqueira später in der Mixed Zone. UD 2 de Mayo, von Trainer Nurullah Sahin mit typisch balancierter Taktik aufgestellt, wirkte in der Anfangsphase wie ein Schüler, der zu spät zur Matheprüfung kommt: etwas überfordert, aber bemüht, nicht aufzufallen. Doch das Team fing sich. Der 22-jährige Robert Aubin zog die Fäden im Mittelfeld, während die blutjunge Flügelzange Cristobal Bischoff (18) und Tim Lorenz (ebenfalls 18) für Tempo sorgte - manchmal so ungestüm, dass die Eckfahnen zittern mussten. In der 25. Minute gab’s die erste Gelbe Karte: Paolo Fossato, gerade mal 17, legte Libertads Amaury Andrade mit der Unschuld eines Welpen, der glaubt, er spiele noch mit einem Ballon. Der Schiedsrichter fand das weniger entzückend. "Paolo meinte, er habe den Ball gespielt", erzählte Coach Sahin später trocken, "was stimmt - aber leider erst, nachdem er den Gegner abgeräumt hatte." Libertad blieb bis zur Pause das reifere Team, ohne viel Risiko. 2 de Mayo hielt mit Kampfgeist dagegen, schoss öfter aufs Tor (neun Torschüsse insgesamt), aber es fehlte die Präzision. Libertads Keeper Joris Schoonhoven musste sich nur selten strecken, und wenn, dann mehr aus Langeweile. Nach der Pause änderte sich das Bild: Die Gastgeber kamen mit jugendlicher Frechheit aus der Kabine, während Libertad sich offenbar in der Halbzeit von Xavis Anekdoten über alte Glanzzeiten einlullen ließ. In der 52. Minute musste Rechtsverteidiger Anthony Aprigliano verletzt raus - Pech für den 18-Jährigen, der bis dahin tapfer gegen den erfahrenen Arnau Rivilla geackert hatte. Julio Vazques kam, sah und... foulte erstmal niemanden, was schon ein Fortschritt war. Dann die 77. Minute: Robert Aubin, der Mann mit der Ruhe eines Schachspielers, steckte den Ball wunderbar durch auf Sebastian Hummel - und der 23-Jährige drosch das Leder humorlos unter die Latte. 1:1! Das Stadion explodierte, und Hummel rannte jubelnd in Richtung Trainerbank. "Ich wollte eigentlich zu meiner Freundin auf der Tribüne", lachte er später, "aber dann stand plötzlich der halbe Kader da - na gut, auch schön." Libertad versuchte es danach nochmal mit Routine und Ballbesitz (am Ende knapp 49 Prozent), doch der Schwung war raus. Javi Vidigal holte sich in der 82. Minute noch Gelb ab - vielleicht ein Versuch, wenigstens in der Statistik aufzufallen. Und als Tim Lorenz in der 87. Minute ebenfalls verwarnt wurde, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass beide Teams stillschweigend beschlossen hatten, keinen Sieger zuzulassen, aber wenigstens den Schiedsrichter zu beschäftigen. Nach Abpfiff zeigte sich Sahin zufrieden: "Wir sind jung, wir lernen, und wir hören irgendwann auch auf, Gelbe Karten zu sammeln. Vielleicht." Sein Gegenüber von Libertad, dessen Name in den Unterlagen erstaunlicherweise fehlte - vermutlich wollte er lieber anonym bleiben -, brummte nur: "Ein Punkt ist ein Punkt. Aber schön war das nicht." Statistisch passte alles zum Resultat: 9:6 Torschüsse für 2 de Mayo, fast ausgeglichener Ballbesitz, und eine Zweikampfquote von 51,5 zu 48,4 Prozent. Ein Spiel also, das niemanden aus den Sitzen riss, aber auch niemanden enttäuschte - ein ehrliches 1:1 mit Herz, Schweiß und einer Prise jugendlichem Chaos. Und als die Flutlichter erloschen, hörte man irgendwo auf der Tribüne einen alten Fan murmeln: "Die Jungen werden noch was. Vielleicht schon nächste Woche. Oder in zehn Jahren." In Paraguay weiß man eben, Geduld ist auch eine Taktik. 07.06.643987 00:50 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand