Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Reds verspielen 2:0 - Victoria City erkämpft sich ein wildes 2:2

Es gibt Fußballspiele, die erzählen in 90 Minuten eine ganze Staffel einer Dramaserie. Das Duell zwischen den Kamloops Reds und Victoria City am fünften Spieltag der 1. Liga Kanada war genau so eines: ein Wechselbad zwischen Euphorie, Übermut und blanker Verzweiflung. Am Ende stand ein 2:2, das keiner so richtig wollte - und doch irgendwie jeder verdiente.

Vor 28.205 Zuschauern legten die Reds los wie der berüchtigte Feuerwehrschlauch: heiß, ungestüm und kaum zu stoppen. Schon in der 5. Minute schlenzte Juan Pablo Bergantinos den Ball nach feinem Zuspiel von Gerard Smith in den Winkel - und grinste danach so breit, als hätte er gerade den Lottojackpot geknackt. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nicht schießt, kannst du auch nicht treffen", sagte der 22-Jährige später und zuckte mit den Schultern, als wäre das so selbstverständlich wie Ahornsirup auf Pancakes.

Victoria City wirkte in dieser Anfangsphase überfordert, die Defensive wackelte bedenklich. Kamloops roch Blut - und Mikael Sainio, der bullige Finne im Sturmzentrum, roch offenbar mit. In der 33. Minute verwandelte er eine flache Hereingabe von Bergantinos zum 2:0. Ein Tor, das so einfach aussah, dass man fast Mitleid mit Torhüter Bruno Marchand haben musste. "Wir hätten in der ersten Halbzeit 0:4 hinten liegen können", knurrte City-Coach Malte Grellhoff später, "da war alles zu offen wie ein kanadischer Wintermantel."

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn die Geschichte nicht eine Wendung parat hätte. Nach dem Seitenwechsel waren plötzlich die Gäste hellwach. Oliver Lefebvre, gerade mal 19 Jahre jung, nutzte in der 56. Minute eine der seltenen Lücken in der Reds-Abwehr und schob eiskalt zum 2:1 ein. Der Treffer war wie eine kalte Dusche für Kamloops - und wie ein Espresso-Doppelschuss für Victoria.

Plötzlich passte alles: Läufe stimmten, Pässe kamen an, und die Körpersprache sagte "Jetzt oder nie". In der 70. Minute war es dann soweit: Linksaußen Kian Michaud flankte butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Luke Adams hochstieg und den Ball per Kopf ins lange Eck setzte - 2:2! Der Gästeblock tobte, und Coach Grellhoff rannte an der Seitenlinie entlang wie ein Mann, der gerade erfahren hat, dass sein Lieblingskaffee nicht ausverkauft ist.

Kamloops versuchte, das Spiel wieder an sich zu reißen. Sie hatten am Ende 14 Schüsse aufs Tor, Victoria nur acht, und auch die Zweikampfquote sprach mit 51,4 Prozent knapp für die Hausherren. Aber irgendwie schien der Stecker gezogen. Sainio setzte in der 82. Minute noch einmal einen Kopfball knapp drüber, und Innenverteidiger Franck Reacock versuchte sich in der 79. Minute an einem Verzweiflungs-Schuss aus 30 Metern, der eher wie ein Rückpass aussah.

"Wir haben aufgehört, mutig zu sein", sagte Reds-Kapitän Laurent Bethune nach dem Spiel. "Die ersten 45 Minuten waren wir Künstler, die zweiten eher Verwaltungsbeamte."

Auch Trainer und Taktikfreunde kamen auf ihre Kosten - oder verzweifelten. Beide Teams spielten laut Statistik durchgehend offensiv, mit ausgewogenem Passspiel und ohne Pressing. Man könnte sagen: zwei Mannschaften, die sich auf offener Bühne gegenseitig höflich den Ball anboten. 49 zu 51 Prozent Ballbesitz - ausgeglichen wie ein kanadischer See im Morgengrauen.

Der Schiedsrichter hatte wenig Stress: zwei Gelbe Karten, eine für Smith (Kamloops, 30.) und eine späte für den erfahrenen Joschua Moll (Victoria, 78.). Trotz des hohen Tempos blieb es ein faires Spiel - was nicht heißt, dass es ruhig war. "Ich hab ihn gar nicht berührt!", rief Moll nach seinem Foul, worauf der Schiri trocken antwortete: "Dann war’s wohl der Wind."

Nach dem Abpfiff standen die Reds mit hängenden Köpfen auf dem Platz, während Victoria jubelnd zu den mitgereisten Fans lief. Ein Unentschieden, das sich für die Gäste wie ein Sieg anfühlte - und für Kamloops wie eine vertane Chance.

"Wir haben zwei Gesichter gezeigt", meinte Reds-Trainer (dessen Name im Presseraum auf einem umgekippten Namensschild stand, was irgendwie sinnbildlich war). "Das erste war schön anzusehen, das zweite eher ein Lehrfilm für Selbstzufriedenheit."

So bleibt am Ende ein 2:2, das in den Statistiken als Punktteilung erscheint, in Wahrheit aber eine kleine Lektion war. Und wer weiß - vielleicht wird dieser Abend noch als jener in Erinnerung bleiben, an dem Victoria City gelernt hat, dass Aufgeben keine Option ist. Oder, wie Lefebvre es lachend sagte: "Ich bin zu jung, um den Kopf hängen zu lassen - also hab ich ihn zum Tor benutzt."

Ein versöhnliches Ende für ein Spiel, das wirklich alles hatte - außer Langeweile.

06.03.643987 07:38
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Rehhagel geht mit Goethe ins Bett, ich mit meiner Frau.
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