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Manchmal reichen Zahlen allein, um die Geschichte eines Spiels zu erzählen: 15 Torschüsse zu 7, 52 Prozent Ballbesitz, vier Auswärtstore. Doch wer am Freitagabend im Estadio de la Plana saß, der erlebte, dass Real Cordoba nicht nur effizient, sondern auch frech, wild und mitunter theatralisch spielte - ganz so, wie man es aus Andalusien erwartet. Am Ende stand ein 4:2-Auswärtssieg, der den SC Villarreal und Trainer Marcus Herrmann ratlos zurückließ. "Wir haben uns in Schönheit versucht und in Naivität verloren", seufzte Herrmann nach dem Schlusspfiff. Neben ihm auf der Bank saß Kapitän Ricardo Gutierrez, der das Spielgeschehen mit einem müden Lächeln kommentierte: "Zwei Tore zuhause, das klingt ordentlich. Leider waren’s die falschen Momente." Dabei begann Villarreal durchaus mutig. Nach einer Viertelstunde prüfte Otto König mit einem satten Schuss den Cordoba-Keeper Iban Bujia, der mit einer Hand parierte und dabei aussah wie ein Mann, der seinen Kaffee verschüttet, aber stolz behauptet, das sei Absicht gewesen. "Ich hatte den Ball - irgendwann", grinste Bujia später. In der 37. Minute änderte sich die Stimmung abrupt: Eduardo Arias, Cordobas quirliger Linksaußen, nahm eine Vorlage von Carles Fontàs direkt und traf trocken ins Eck. 0:1 - und plötzlich sah Villarreal aus, als würde es lieber auf die Pausentee-Zeit vorspulen. Nach dem Seitenwechsel wurde es dann wild. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, erhöhte Avi Eban (53.) nach erneutem Zuspiel von Fontàs auf 0:2. Doch bevor die andalusischen Fans noch ihr zweites Bier austrinken konnten, erzielte Serafim Papadakis (54.) den Anschlusstreffer für Villarreal - nach feinem Zuspiel von Carl Peyroteo. Das Stadion erwachte, die Tribünen bebten, und ein älterer Herr auf der Haupttribüne schrie "¡Vamos Villarreal!" so laut, dass die Stadionkatze die Flucht ergriff. Aber Real Cordoba hatte an diesem Abend Antworten parat. Nur eine Minute nach Papadakis’ Treffer stellte Xavi Santoyo den alten Abstand wieder her (55.). Und als der erst 22-jährige Adam Craven in der 66. Minute nach Vorlage von Santoyo das 4:1 machte, war die Partie entschieden. "Das war wie im Training - nur lauter", grinste Craven. Tyler Couture, Villarreals 37-jähriger Dauerläufer mit dem ewigen Stirnband, zeigte immerhin, dass Erfahrung auch Stil haben kann: In der 72. Minute schob er nach Vorlage von Vitor Tiago zum 2:4 ein. Ein kleines Trostpflaster, das aber am Endergebnis nichts mehr änderte. Statistisch gesehen war die Partie fast ausgeglichen - 47,6 Prozent Ballbesitz für Villarreal, 52,3 für Cordoba. Doch wo Villarreal den Ball zärtlich streichelte, nagelte Cordoba ihn kompromisslos ins Netz. 15 Torschüsse der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Dazu passte die körperbetonte, aber faire Spielweise beider Teams: Nur eine Gelbe Karte (Pablo Quixano, 75.) und eine Verletzung, die Cordobas Linksverteidiger Jaime Cruz nach 77 Minuten zum Zuschauen zwang. Trainer Marcus Herrmann versuchte nach dem Spiel, die Niederlage mit Humor zu nehmen: "Wir hätten vielleicht auch mal schießen sollen, statt immer nur gucken, wo der Ball gerade ist." Cordobas Coach - der sich mit verschmitztem Lächeln hinter seinem Notizblock versteckte - konterte trocken: "Wir haben einfach getan, was nötig war: getroffen." Die 22.955 Zuschauer verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen - die einen frustriert, die anderen fasziniert. Villarreal zeigte Kampf und zwei sehenswerte Treffer, aber Cordoba war an diesem Abend schlicht reifer, schneller und zielsicherer. Avi Eban, der Torschütze zum 0:2, brachte es in der Mixed Zone auf den Punkt: "Wir haben Villarreal laufen lassen, bis sie dachten, sie hätten uns. Dann haben wir getroffen." Vielleicht das schönste Bild des Abends: Nach Abpfiff klopfte der junge Craven dem 37-jährigen Couture auf die Schulter. "Du hast noch Dampf, Alter", sagte er lachend. Couture grinste zurück: "Und du hast verdammt gute Nerven." Ein Spiel, das zeigte, dass Erfahrung und Jugend durchaus harmonieren können - nur eben nicht immer im selben Trikot. Schlusswort? Real Cordoba spielte wie ein spanischer Sommerabend: heiß, unberechenbar und mit einem Hauch Drama. Villarreal hingegen muss hoffen, dass nach diesem Sturmtanz wieder ein ruhiger Morgen folgt - am besten vor heimischem Publikum und mit weniger andalusischem Feuer im Gesicht. 17.08.643990 23:07 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll