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Ein lauer Abend in Mérida, 20.000 Zuschauer, ein Heimteam, das den Ball liebt, und ein Gast, der Tore liebt - der 3. Spieltag der 1. Liga Venezuela brachte eine jener Partien, die in den Statistiken fast absurd wirken: AD El Vigia hatte mehr Ballbesitz (53,5 Prozent), aber Real Caracas hatte mehr vom Fußball. Am Ende stand es 0:3, und das war noch schmeichelhaft für die Gastgeber. Von Beginn an zeigte sich, dass El Vigia durchaus Lust auf gepflegtes Kombinationsspiel hatte. Kurz nach Anpfiff probierte es Javier Rueda mit einem beherzten Schuss (4.), der allerdings eher in die Kategorie "Aufwärmübung für den Torwart" fiel. Danach übernahm Real Caracas langsam, aber unerbittlich das Kommando. Francisco Gallardo, der später noch eine Hauptrolle spielen sollte, prüfte Torhüter David Morte gleich mehrmals in den ersten 20 Minuten. Es war, als wollten die Gäste demonstrieren, dass sie die Schussstatistik gleich zu Beginn für sich entscheiden würden - was ihnen mit 24 Torschüssen auch eindrucksvoll gelang. Das 0:1 fiel in der 26. Minute, und es war so mustergültig, dass man es in einer Fußballschule zeigen könnte: Gallardo legte quer, Xavi Eusebio schob trocken ein. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Eusebio später, "aber ich nehme das Lob natürlich trotzdem gerne an." Trainer Eiko Henke sah es ähnlich nüchtern: "Wir wollten Ruhe im Spiel, und Ruhe heißt in diesem Fall: den Ball ins Tor tragen, nicht ins Seitenaus." El Vigia versuchte, mit Kampf dagegenzuhalten. Das gelang phasenweise - zumindest bis zur Halbzeit. Doch schon die ersten Minuten nach dem Seitenwechsel machten deutlich, dass Real Caracas an diesem Abend nicht gewillt war, den Gastgebern auch nur ein Fünkchen Hoffnung zu lassen. In der 51. Minute flankte Julian de Almeida butterweich von links, Carlos Panero sprang höher als alle anderen und köpfte zum 0:2 ein. "Ich hab’ einfach gehofft, dass der Wind mir hilft", lachte Panero, "und er hat." Trainer Henke, der während des Spiels stoisch an der Seitenlinie stand, erlaubte sich danach sogar ein Lächeln. "Wir spielen nicht spektakulär, wir spielen solide", sagte er hinterher. "Solide reicht, wenn der Gegner so freundlich ist, Platz zu lassen." El Vigia hatte durchaus Momente: Francisco Viana mit einem schnellen Abschluss (52.), Juanito Calvente zweimal gefährlich (61., 75.) - aber Torhüter Sergio Cortes im Kasten der Gäste hatte einen jener Abende, an denen er vermutlich auch mit verbundenen Augen gehalten hätte. In der 79. Minute dann der endgültige Knockout: Wieder war Gallardo zur Stelle, diesmal nach Vorarbeit von Eusebio. 0:3, und das Stadion wurde merklich leiser. Einige Fans begannen sogar, ironisch zu applaudieren, als Real Caracas den Ball in der Abwehr zirkulieren ließ - ein stilles Eingeständnis, dass der Favorit aus der Hauptstadt einfach eine Nummer zu groß war. Gelbe Karten gab’s auch: Julian Bordalas sah für El Vigia kurz nach Wiederanpfiff Gelb, wohl mehr aus Frust als Notwendigkeit, und Xavi Eusebio holte sich seine in der 83. Minute ab. "Ich wollte zeigen, dass ich auch verteidigen kann", meinte er später mit einem Augenzwinkern. Am Ende hatten die Zahlen etwas Surreales: Mehr Ballbesitz für El Vigia, aber 24:5 Torschüsse für Caracas. Wer wissen will, was Effizienz bedeutet, sollte sich einfach dieses Spiel ansehen. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne den Ball zu brauchen", resümierte Henke. "Das ist manchmal der schönste Fußball: der, den nur die Statistik nicht versteht." Auf der anderen Seite stand ein sichtlich niedergeschlagener David Morte im Tunnel. "Manchmal fühlt es sich an, als würde man gegen eine Wand schießen - nur dass die Wand zurückschießt", sagte der Torwart, der trotz drei Gegentreffern zu den Besten seines Teams gehörte. Real Caracas grüßt nach diesem Sieg von oben, während El Vigia noch nach Antworten sucht. Vielleicht, so meinte ein Fan nach dem Spiel, müsse man einfach mal weniger schön und mehr mutig spielen. Oder wie ein älterer Herr auf der Tribüne trocken kommentierte: "Ballbesitz ist wie Liebe - schön, wenn man sie hat, aber ohne Wirkung, wenn der andere trifft." Ein Abend also, an dem Real Caracas zeigte, dass Fußball nicht gerecht, aber manchmal herrlich einfach sein kann. 26.07.643990 15:13 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand